Man solte einem Autor für nichts mehr danken als für Briefe, so wie für
nichts weniger als für Bücher: denn da ihn diese ausschöpfen und da sie
ohnehin nichts sind als Briefe in dickerem Format, so mag er keine von
kleinerem liefern. Der Mensch geniesset sein Ich nur, indem ers verdoppelt,
- so wie er seinen Körper erst in der Verdoppelung durch den Spiegel
überkömt; und eben dieser Zwang, unsere Seele vor einer fremden abzubilden
und unsere innere Quellen gerade durch einen Abflus zu - vermehren, nöthigt
die Mädgen zum Brief-, die Autores zum Bücherschreiben, die andern zum Reden
und einige zum Thun.
Jean Paul an Emanuel, Hof, 9. Februar 1795
(...) wie in einem Spiegelzimmer stehst Du da und wirfst über alle Deine
Gestalt, blickst aus ihr mit Deinem Geist, Gemüth; aber wir, wir sind keine
Spiegel, so glatt und kalt, nein, nein, nein! Eine idealische Schilderung
liebt die Seele, einen idealischen Menschen liebt das Herz (...).
Charlotte von Kalb an Jean Paul, [Weimar], 17. Juni [1796]
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