Balkan-Initiative der Berliner und Brandenburger Wissenschaft
Im Rahmen der Festversammlung der Akademie zum Leibniztag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften hatte Akademiepräsident Professor Dr. Dr. h.c. mult. Dieter Simon am 25. Juni
1999 mit seiner programmatischen Rede über Das Schweigen der Lämmer im
Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin im Namen der Mitglieder der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Präsidenten und Rektoren der Berliner und
Brandenburger Universitäten (Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität
Berlin, Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Europa-Universität
Viadrina Frankfurt/ Oder, Universität Potsdam, des wissenschaftlichen
Vorstandes des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin Berlin-Buch (MDC), des Rektors des
Wissenschaftskollegs zu Berlin und des Präsidenten des
Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB)
zur Gründung der Balkan-Initiative der Berliner und Brandenburger Wissenschaft aufgerufen.
Das gemeinsame Anliegen der Initiatoren der Balkan-Initiative bestand
dabei darin, eine unmittelbare und unbürokratische Soforthilfe für die
in der Krisenregion des Balkan lebenden und betroffenen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu organisieren und zu leisten
(Hilfe von Wissenschaftlern für Wissenschaftler ), diesen wieder Mut zu
machen und sie verstärkt und explizit in den wissenschaftlichen Diskurs
einzubeziehen. Pragmatische Hilfen sollten darüer hinaus zum
Wiederaufbau und zur Stärkung des Lehr- und Forschungsbetriebs in den
südosteuropäischen Staaten beitragen.
Nach dem Ausbruch des sogenannten Kosovo-Krieges im Jahr 1999, der das
politische, kulturelle und gesellschaftliche Selbstbewußtsein Europas
erschüttert hatte, galten die allgemein auf internationaler Ebene
unternommenen Anstrengungen vor allem und primär dem Aufbau einer
zivilen und demokratischen Gesellschaft, die maßgeblich zu einer
langfristigen und dauerhaften Stabilisierung Südosteuropas beitragen sollte.
Mit der Gründung der Balkan-Initiative der Berliner und Brandenburger
Wissenschaft sollte in Reaktion auf den Kosovo-Krieg und der damit
verbundenen NATO-Intervention gleichzeitig ein Beitrag dazu geleistet
werden, die inhaltlichen und formalen Voraussetzungen für Lehre und
Forschung in den südosteuropäischen Staaten zu stärken respektive – wo
nötig – wiederherzustellen sowie die Ausbildung eines personellen und
institutionellen Netzwerks zu befördern, das auch die regionale
Kooperation der Forscher in Südosteuropa erleichtern sollte. Darüber
hinaus verbanden die Initiatoren mit dieser Initiative nicht zuletzt
auch die Intention, einen Selbstorganisationsprozeß mit dem Ziel der
Etablierung eines dauerhaften Dialogs der Vernunft unter den
Intellektuellen dieser Region zu initiieren.
Ein Großteil der in Berlin und Brandenburg ansässigen
Wissenschaftseinrichtungen war seinerzeit dem gemeinsamen Aufruf der
Initiatoren der Balkan-Initiative gefolgt und hatte sich seitdem mit den
unterschiedlichsten Formen und Maßnahmen der Soforthilfe (u.a.
Einladungen von Gastwissenschaftlern, Postdocs und Doktoranden, Vergabe
von Stipendien; Durchführung von Konferenzen, Symposien und
Sommerschulen in Berlin und Brandenburg sowie in der Balkan-Region;
wissenschaftliche Kooperationen; Bereitstellung von Sachspenden)
beteiligt. Aufgrund dieser breiten Unterstützung hatte sich die
Balkan-Initiative bereits innerhalb kurzer Zeit zu einer bis heute in
der Bundesrepublik einzigartigen, regional ausgerichteten Hilfsaktion
für den Balkan und Südosteuropa entwickeln und etablieren können.
Angesichts dieser erfolgreich und mit positiver Resonanz durchgeführten
einzelnen Maßnahmen und Veranstaltungen kann man heute feststellen, daß
nicht nur die mit der Balkan-Initiative der Berliner und Brandenburger
Wissenschaft ursprünglich intendierte Maßnahme der Soforthilfe und der
Hilfe zur Selbsthilfe für bedürftige Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler gelungen ist, sondern darüber hinaus der von den
Initiatoren intendierte und geförderte Dialog der Intellektuellen auf
dem Balkan initiiert und verfestigt werden konnte. Der angestrebte
Selbstorganisationsprozeß war in den Jahren seit dem Bestehen der
Balkan-Initiative weit genug vorangekommen, so daß der Zeitpunkt
gekommen war, um diese von vornherein temporär befristete Initiative zum
Jahresende 2002 – mit zwei weiteren, terminlich bedingten
Folgeveranstaltungen im Jahr 2003 – nunmehr endgültig aus der Hand geben
zu können.
Die im Zeitraum der Jahre 1999 bis 2003 im Rahmen der Balkan-Initiative erfolgten Hilfsmaßnahmen werden mit dem Abschlußbericht über die
Aktivitäten der Balkan-Initiative der Berliner und Brandenburger
Wissenschaft (1999−2003) , der im Auftrag des Präsidenten der
Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verfaßt wurde, in
angemessener Form dokumentiert und somit auch durch die Publikation auf
der Homepage der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Kontakt und weitere Informationen:
Dr. Karin Elisabeth Becker
Persönliche Assistentin des Präsidenten
und Referentin für Internationale Beziehungen
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
– Präsidialbüro –
Jägerstr. 22/ 23, D–10117 Berlin
Tel.: +49 (0)30 20370-583
Fax: +49 (0)30 20370-599
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