Ehrenmitglied 2010

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften verleiht

 

Herrn Professor Dr. rer. nat. Dr. h.c. mult. Gerhard Ertl

 

ihre Ehrenmitgliedschaft in Anerkennung seiner außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen.

 

Gerhard Ertl wurde 1936 in Stuttgart geboren. Er studierte Physik in Stuttgart, Paris und München, wo er 1965 auch zum Dr. rer. nat. promoviert wurde. Zwei Jahre später habilitierte er sich und wurde 1968 zum Professor und Direktor am Institut für Physikalische Chemie der Technischen Hochschule Hannover (heute Gottfried Wilhelm Leibniz­ Universität Hannover) ernannt. 1973 ging er für die folgenden 13 Jahre nach München zurück und wurde ordentlicher Professor und Direktor am Institut für Physikalische Chemie der Ludwig-Maximilians-Universität. 1986 wechselte er nach Berlin, wo er zum Direktor der Abteilung für Physikalische Chemie am traditionsreichen Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft berufen wurde. 2004 wurde er emeritiert.

 

Gerhard Ertl ist einer der bedeutendsten Chemiker unserer Zeit. Zu seinen Hauptarbeitsgebieten gehören die Chemie und Physik von Oberflächen und das umfassende Phänomen der heterogenen Katalyse, deren physikalische Begründung er revolutionierte. Obwohl ein Großteil der Prozesse in der chemischen Industrie auf der Anwendung der heterogenen Katalyse beruhen, hielt die physikalische Durchdringung des Phänomens und das Verständnis seiner atomaren Grundlagen nicht mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt. Die Aufklärung der Elementarschritte dieser Reaktion und der atomaren Struktur war deshalb ein zentrales Ziel der Katalyseforschung.

 

Ein Problem dieser Größenordnung, das einen Paradigmenwechsel zu seiner Lösung erforderte, reizte Gerhard Ertl. Mit klassischen Arbeiten, die eindeutige Oberflächenstrukturen mit exakten Informationen über deren Wechselwirkung mit Wasserstoff verbinden, lieferte er Eichmarken für die theoretische Beschreibung katalytischer Prozesse. Durch Entwicklung, Nutzbarmachung und Nutzung von Methoden der Oberflächenphysik konnte er die Ammoniak-Synthese und gleichzeitig die komplexe Struktur des Eisenkatalysators aufklären und korrekt beschreiben. Seine Arbeiten zur Katalyseforschung haben wesentlich dazu beigetragen, dass viele weitgehend unverstandene Prozesse der technischen Katalyse im Ansatz aufgeklärt werden konnten. Die Erkenntnisse, die aus seiner Arbeit gewonnen werden konnten, sind für viele wirtschaftlich genutzte Prozesse von großer Bedeutung: So wurden erst durch seine Forschung die Vorgänge in den Katalysatoren von Autos vollständig nachvollziehbar.

 

Durch die außergewöhnliche Qualität seiner Arbeiten hat sich Gerhard Ertl großes Ansehen und unumstrittene internationale Autorität erworben. Gastprofessuren führten ihn bereits früh in die USA. Er ist Honorarprofessor aller drei Berliner Universitäten und Ehrenmitglied der Technischen Universität Berlin. In Anerkennung seiner vielfältigen und bedeutenden Verdienste um die Wissenschaft wurde er mit vielen deutschen und internationalen Preisen, wie dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem israelischen Wolf-Foundation Prize in Chemistry, dem Japan-Prize sowie mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern geehrt. Darüber hinaus ist er Mitglied zahlreicher deutscher und ausländischer Akademien der Wissenschaften und wurde mit einer Vielzahl von Ehrendoktoraten ausgezeichnet. 2007 schließlich erhielt Gerhard Ertl den ungeteilten Nobelpreis für Chemie „für seine Untersuchungen chemischer Prozesse auf festen Oberflächen“.

 

Als langjähriger Direktor des Fritz-Haber-Instituts machte er Berlin zu einem anerkannten Standort der Katalyseforschung. Herr Ertl und seine Kollegen haben die Berliner Universitäten stets als Partner auf diesem Weg gesehen und insbesondere das Exzellenzcluster auf dem Gebiet der Katalyse sowie mehrere Sonderforschungsbereiche initiiert. Darüber hinaus war Gerhard Ertl nicht nur ein gefragter Ratgeber bei der Neustrukturierung der naturwissenschaftlichen Einrichtungen in Berlin nach 1989, sondern er hat sich auch als Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften bleibende Verdienste erworben.

 

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Gerhard Ertl ihre Ehrenmitgliedschaft verleiht, würdigt sie zum einen seine außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen bei der Erforschung der Grundlagen der Katalyse. Zum anderen stellt die Auszeichnung auch eine Wertschätzung seiner Verdienste um die Förderung der Naturwissenschaften in der Hauptstadtregion sowie seines herausragenden Engagements beim Aufbau der Akademie als Gründungsmitglied und erster Sekretar der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse dar.

Kontakt
Dr. Karin Elisabeth Becker
Leiterin des Präsidialbüros
Präsidialbüro
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