Ehrenmitglied 2010

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften verleiht

 

Herrn Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Harald zur Hausen

 

ihre Ehrenmitgliedschaft in Anerkennung seiner außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen.

 

Harald zur Hausen ist ein Pionier der medizinischen Virologie. Er wurde 1936 in Gelsenkirchen-Buer geboren und studierte Medizin und Biologie in Bonn, Hamburg und Düsseldorf, wo er 1960 zum Dr. med. promoviert wurde. Nach Stationen als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Düsseldorf sowie als Assistant Professor an der University of Philadelphia habilitierte er sich 1969 für das Fach Virologie an der Universität Würzburg. Von 1972 bis 1977 hatte er den Lehrstuhl und die Leitung des Instituts für Klinische Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg inne, 1977 übernahm er den Lehrstuhl für Virologie und Hygiene an der Universität Freiburg im Breisgau. Von 1983 bis zu seiner Emeritierung 2003 war er Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstandes des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Darüber hinaus ist er seit 1988 Honorar-Professor an der Universität Heidelberg. Anfang 2010 hat Harald zur Hausen das Amt des Präsidenten der Deutschen Krebshilfe e.V. übernommen.

 

Das vorrangige Forschungsinteresse Harald zur Hausens gilt seit langem dem Einfluss von Viren bei der Tumorentstehung. Bereits vor mehr als dreißig Jahren vermutete er gegen die herrschende Lehrmeinung einen Zusammenhang zwischen Infektionen mit humanen Papilloma-Viren (HPV) und Gebärmutterhalskrebs. Anfang der 1980er Jahren konnte er mit seiner Arbeitsgruppe erstmals die Virentypen HPV 16 und HPV 18 aus einer Gebärmutterhalskrebsprobe isolieren – eine medizinische Sensation. Seine Entdeckung führte zur Charakterisierung der natürlichen Geschichte der HPV-Infektion, zu einem Verstehen der Mechanismen der HPV-ausgelösten Krebsentstehung und zur Entwicklung vorbeugender Impfstoffe gegen eine Ansteckung mit humanen Papilloma-Viren. Der auf Grundlage seiner Forschungsergebnisse entwickelte Impfstoff eröffnet völlig neue Perspektiven der Prävention und ist zugleich auch ein eindrucksvolles Beispiel für erfolgreichen Technologietransfer aus der Grundlagenforschung.

 

Neben seinen herausragenden wissenschaftlichen Leistungen, mit denen Harald zur Hausen in geradezu revolutionärer Weise ein überkommenes medizinisches Dogma brach, ist er auch stets ein begeisternder akademischer Lehrer gewesen. Darüber hinaus entwickelte sich das Deutsche Krebsforschungszentrum unter seiner Ägide und Führung innerhalb weniger Jahre zu einer Institution mit internationaler Geltung und Ausstrahlung: Er erweiterte die Zusammenarbeit des Deutschen Krebsforschungszentrums mit Universitätskliniken, und die klinischen Kooperationseinheiten sichern so die Verzahnung von Grundlagenforschung und klinischer Medizin, so dass Forschungsergebnisse so schnell wie möglich in die Praxis übertragen werden können.

 

Zahlreiche Ehrendoktorate und Mitgliedschaften in- und ausländischer Akademien der Wissenschaften – u.a. war er auch Vizepräsident der Leopoldina – zeugen von der hohen Wertschätzung, die diesem Forscher seit Jahrzehnten entgehen gebracht wird. Seine wissenschaftlichen Leistungen sind mit hohen Ehrungen wie u.a. dem Robert-Koch-Preis (1975), dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstädter-Preis (1994), dem Großen Bundesverdienstkreuz (2004), dem thailändischen Prince Mahidol Award (2006) und dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern (2009) gewürdigt worden.

 

Im Jahr 2008 schließlich wurde Harald zur Hausen für seine Entdeckung, das humane Papilloma-Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung zuteil, der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

 

Mit der Verleihung ihrer Ehrenmitgliedschaft würdigt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Harald zur Hausens außerordentliche wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Krebsforschung, die einen entscheidenden Durchbruch bei der Aufklärung und Bekämpfung dieser heimtückischen Krankheit darstellen und wirksame Wege zur Vorsorge eröffnet haben.

Kontakt
Dr. Karin Elisabeth Becker
Leiterin des Präsidialbüros
Präsidialbüro
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