Ehrenmitglied 2013

© Foto: Bernd Schuller

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften verleiht

 

Herrn Professor Dr. rer. nat. Dr. h. c. mult. Hubert Markl

 

ihre Ehrenmitgliedschaft in Anerkennung seiner herausragenden Lebensleistung.

 

Mit der Ehrenmitgliedschaft der Akademie kann ausgezeichnet werden, wer sich durch seine Lebensleistung um die Wissenschaft oder deren Anwendung in besonderer Weise verdient gemacht hat. Dies trifft auf Hubert Markl in geradezu exemplarischer Weise zu.

 

Als Zoologe und Verhaltensforscher von internationalem Rang ist der im Jahre 1938 geborene Regensburger weit über die Grenzen seiner Disziplin hinaus bekannt und anerkannt und wurde in beeindruckender Weise gewürdigt. Als Biologe hat er sich vor allem der Evolutions- und Verhaltensforschung gewidmet, ohne dabei die Breite seines Faches aus den Augen zu verlieren. Er hat über Natur- und Umweltschutz, Wissenschafts- und Forschungsförderung sowie über das Verhältnis von Wissenschaft und Öffentlichkeit gearbeitet. Wir kennen und schätzen ihn als Naturwissenschaftler und begnadeten Essayisten, als streitbaren Geist und brillanten Denker. Mit seinem Namen verbindet sich ein leidenschaftliches Interesse für die Grundfragen unserer Zeit – von den Möglichkeiten der modernen Wissenschaft und ihrer ethischen Verantwortung bis hin zur Bedrohung unseres Planeten durch Umweltzerstörung und exponentiellen Populationszuwachs. Mit der gleichen Leidenschaft vermochte er es, einer breiten Öffentlichkeit komplexe Zusammenhänge verständlich zu vermitteln; er hat als Kommunikator der Wissenschaft Brücken geschlagen, hohe Maßstäbe gesetzt und im besten Sinne des Wortes Gesellschaftsberatung betrieben. Er wurde als wohl wichtigster Forschungslobbyist Deutschlands wahrgenommen, als Mentor und Anwalt für die Freiheit der Wissenschaft.

 

Hubert Markl studierte Biologie, Chemie und Geographie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wurde dort 1962 zum Dr. rer. nat. promoviert, um sich 1967 – ebenfalls für Fach Zoologie – an der Universität Frankfurt am Main zu habilitieren. Nachdem er von 1968 bis 1974 ordentlicher Professor und Direktor des Zoologischen Instituts der Technischen Hochschule Darmstadt war, wurde er 1974 als ordentlicher Professor an die Universität Konstanz berufen, der er bis heute – seit 2003 im Ruhestand – verbunden ist.

 

Bereits mit 36 Jahren wurde Hubert Markl in den Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gewählt und hatte das 40. Lebensjahr noch nicht erreicht, als diese ihn 1977 zum Vizepräsidenten berief – eine Zeit, die er einmal als mehrjähriges Praktikum der angewandten Verhaltensforschung in der Wissenschaftspolitik bezeichnete und die sowohl für seinen eigenen beruflichen Werdegang als auch für das Wissenschaftssystem der Bundesrepublik folgenreich war.

 

Wissenschaftspolitik, Wissenschaftsmanagement und akademische Spitzenämter prägen in der Folgezeit seinen beruflichen Alltag: als Präsident der DFG von 1986 bis 1991 – zeitgleich als Vizepräsident der Alexander von Humboldt-Stiftung –, anschließend als Gründungspräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, danach bis 2002 als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Mehr als anderthalb Jahrzehnte hat er die Entwicklung von Wissenschaft und Forschung an entscheidender Stelle maßgeblich mitgeprägt, Weichen gestellt, neue Akzente gesetzt, unübersehbar Spuren hinterlassen. Den schwierigen Umgestaltungsprozess der Wissenschaft im Zuge der deutschen Wiedervereinigung gestaltete er aktiv mit, scheute nicht die Verantwortung für einschneidende Veränderungen und unpopuläre Entscheidungen, erkannte und nutzte zugleich die sich eröffnenden Chancen. Seine Amtszeit als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft ist verbunden mit dem Aufbau der Institutsstandorte in Dresden, Leipzig, Halle (Saale), Rostock und Potsdam, die heute internationale Spitzenpositionen einnehmen, mit der Gründung der „International Max Planck Research Schools“ sowie mit dem beeindruckenden Anstieg der an Max-Planck-Instituten forschenden Doktoranden von über 2.500 auf rund 4.300 – eine enorme wissenschaftspolitische Leistung, bei der er einmal mehr sein scharfes Urteilsvermögen, seine überzeugende Argumentationskraft, seine wissenschaftspolitische Weitsicht und sein Durchsetzungsvermögen unter Beweis stellte. Als erster Präsident der Max-Planck-Gesellschaft ermöglichte er es, die Verbrechen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft während des Nationalsozialismus vorbehaltlos zu untersuchen, um sich schließlich öffentlich in beeindruckender und zutiefst ehrlicher Weise bei den Opfern zu entschuldigen – eine Haltung, die große Hochachtung verdient.

 

Hubert Markl hat sich nicht nur Verdienste um die Wissenschaft erworben, sondern auch „um sein Land und seine Menschen“, wie es 2004 in der Begründung für die Verleihung des Ehrenrings der Eduard-Rhein-Stiftung heißt. Seit Mitte der 1980er Jahre erfahren seine Leistungen fast jährlich, oft mehrfach, besondere öffentliche Anerkennung mit hohen Auszeichnungen, darunter der Karl-Winnacker-Preis (1991), der Ernst-Robert-Curtius-Preis (1995), die Harnack-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft (2004) und der Hanns-Martin-Schleyer-Preis (2005). Mehrere Bundesländer verliehen ihm ihre höchsten Orden – darunter der Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg (1997), der Bayerische Verdienstorden (2001) und die Bayerische Verfassungsmedaille in Silber (2002). Die Bundesrepublik Deutschland ehrte ihn ihrerseits mehrfach: mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1990), dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens (1992) sowie mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern (1999). Ehrendoktorate von Universitäten in aller Welt – darunter Dublin, New York, Tel Aviv, Jerusalem und das Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel) –, Mitgliedschaften in fast allen Akademien der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, in der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sowie in ausländischen Akademien, darunter die American Academy of Arts and Sciences (seit 1985), die Academia Europaea (seit 1988), die Indian Academy of Sciences (seit 1991), die Polnische Akademie der Wissenschaften (seit 2000) und die Royal Society (seit 2002) sowie natürlich die Ehrenmitgliedschaft der Max-Planck-Gesellschaft zählen zu der schier endlos anmutenden Liste von Auszeichnungen, mit denen das Lebenswerk Hubert Markls gewürdigt wurde.

 

Die Akademie möchte diesen Auszeichnungen nun mit ihrer Ehrenmitgliedschaft eine weitere hinzufügen. Neben all dem bislang Gesagten möchte sie auf diese Weise vor allem auch die besonderen Verdienste Hubert Markls um die Akademie selbst in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Als Gründungspräsident war er maßgeblich daran beteiligt, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften mit über die Geisteswissenschaften hinaus interdisziplinärer Ausrichtung und mit überregionaler und internationaler Mitgliederschaft als eine moderne Arbeitsakademie mit innovativen Arbeitsformen auf den Weg zu bringen und mit dem ihm eigenen Geschick und wissenschaftspolitischer Weitsicht in dem bislang streng regional organisierten Akademiensystem in Deutschland zu etablieren, um ihr darüber hinaus im gesamten Wissenschaftssystem und in der Politik Platz und Stimme zu verleihen. Seine Aufbauarbeit war im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig – und sie war im besten Sinne des Wortes ein Stück lebendige deutsche Wiedervereinigung, ist doch die Akademie selbst ein Kind der Wiedervereinigung.

 

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften ist sich dieser herausragenden Leistung bewusst und würdigt sie mit der Ernennung von Hubert Markl zu ihrem Ehrenmitglied.

Kontakt
Dr. Karin Elisabeth Becker
Leiterin des Präsidialbüros
Präsidialbüro
Tel.: +49 (0)30 20370 241
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