Leibniz-Medaille 2013

© Foto: Schader-Stiftung

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

 

Alois M. Schader

 

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.

 

Mit der Verleihung der Leibniz-Medaille an Herrn Alois M. Schader würdigt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften dessen herausragende Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.

 

Alois Schader, 1928 geboren und von 1953 bis 1993 freiberuflich als Beratender Bauingenieur tätig, ist Stifter und Namensgeber der 1988 ins Leben gerufenen Schader-Stiftung. Im Zuge der großen Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg beriet Alois Schader insbesondere gemeinnützige Bauunternehmen hinsichtlich des sozialen Wohnungsbaus, wo er seine besonderen Kenntnisse im Bereich des wirtschaftlichen Bauens einsetzen konnte. Als Leiter interdisziplinärer Planungsteams erzielte er für seine Auftraggeber erhebliche Kosteneinsparungen bei deren Großprojekten. Bereits Anfang der 1980er Jahre konnte Alois Schader systematische Mängel in den von ihm betreuten Wohnungsbauprogrammen feststellen. Der Bedarf nach neuen Haushaltsformen und die Tendenz zu kleineren Haushalten wurden zwar von den Gesellschaftswissenschaften wahrgenommen, nicht aber von den für die Wohnungsbauprogramme zuständigen Behörden. Unter dem Eindruck dieser wechselseitigen Verständnisprobleme entschloss er sich 1988 zur Gründung einer gemeinnützigen Stiftung, deren Ziel es seitdem ist, die Praxisorientierung der Gesellschaftswissenschaften und damit zugleich die Akzeptanz der Gesellschaftswissenschaften in der Praxis zu fördern.

 

Angesichts der demographischen Entwicklung und den sich daraus ergebenden Folgen für den Wohnungsbau galt das besondere Interesse des Stifters zunächst dem Thema „Wohnen im Alter“. Mit dem Bundesbauministerium initiierte er ein gemeinsames und von der Schader-Stiftung finanziertes Forschungsprojekt und konnte wichtige Beiträge zur Forschung leisten.

 

Durch Änderung der Stiftungssatzung hat der Stifter inzwischen das Aufgaben- und Fördergebiet der Stiftung erweitert: Im Fokus ihrer Arbeit stehen nunmehr auch umfassendere Fragen zu den Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf das Leben in urbanen Gesellschaften, internationale Stadtgesellschaft, demographischer Wandel sowie Kunst und Gesellschaft, die praxisorientiert untersucht werden. Zu den von der Stiftung geförderten Projektthemen gehören u.a. der Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaft und Praxis, Wohnen in einer alternden Gesellschaft, Integration von Zuwanderern, Stadtentwicklung im Zeichen demographischen und sozialen Wandels, urbane Transformationen, Wohnungspolitik in den osteuropäischen EU-Beitrittsländern sowie die öffentliche Daseinsvorsorge.

 

Im Einvernehmen mit seiner Familie hat Alois Schader einen wesentlichen Teil seines Vermögens auf die Stiftung übertragen und ihr den verbleibenden Teil zur Nutzung überlassen. Der Stifter ist aktives und engagiertes Mitglied im Stiftungsvorstand und dort für die Finanzen zuständig. Öffentlich besonders sichtbar ist die jährliche Vergabe des Schader-Preises an Gesellschaftswissenschaftler, die sich um die Verständigung zwischen Theorie und Praxis verdient gemacht haben.

 

Die Schader-Stiftung ist eine der wenigen, aus der Mitte der Zivilgesellschaft heraus entstandenen privaten Stiftungen in Deutschland, wenn nicht die einzige, die sich speziell die Förderung der Sozialwissenschaften zum Ziel gesetzt hat. Die Stiftung ist neben vielem anderen insbesondere eine Herausforderung für die Sozialwissenschaften, ihre Fähigkeit auszubilden und nachzuweisen, auf praktische Fragen praktikable Antworten zu geben.

 

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Alois M. Schader ihre Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie dessen eindrucksvolle und beispielhafte, wissenschaftsfördernde private Initiative zur Gründung der Schader-Stiftung.

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