Leibniz-Medaille 2013

© Foto: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

Die Leibniz-Medaille wird verliehen an

 

Professor Dr. Dr. h. c. mult. Paul Raabe

 

in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.

 

Als leidenschaftlicher Bibliothekar, namhafter Forscher, Publizist und erfolgreicher Kulturmanager kann Paul Raabe auf ein beeindruckendes Lebenswerk verweisen, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Besonders hervorzuheben sind seine Verdienste beim Aufbau der Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar, bei der Leitung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) sowie sein Einsatz als Projektleiter für das geistes- und kulturwissenschaftliche Langzeitvorhaben „Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen – Goedekes Grundriss“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

 

Paul Raabe, 1927 geboren in Oldenburg, hat eine Ausbildung zum Diplombibliothekar absolviert, Germanistik und Geschichte an der Universität Hamburg studiert, um sich schließlich 1967 in Göttingen zu habilitieren. Seine Bibliographie ist eindrucksvoll, von seinem germanistischen Œuvre zeugen vielbeachtete Bücher, Ausstellungskataloge, Zeitungsartikel und wissenschaftliche Aufsätze. Er veröffentlichte zahlreiche Werke zur Buch-, Bibliotheks- und Quellengeschichte, zur Literatur des Expressionismus, der Aufklärung und zur Weimarer Klassik. Von besonderem Reiz sind seine literarischen Reiseführer durch Orte Deutschlands.

 

In den Jahren von 1958 bis 1968 baute Paul Raabe die Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs Marbach auf, die er ein Jahrzehnt lang leitete. Dank seiner organisatorischen Aufbauarbeit gilt Marbach heute als das wohl wichtigste Literaturarchiv Deutschlands. Sein wissenschaftliches Interesse richtete sich in dieser Zeit vor allem auf die Erforschung des literarischen Expressionismus, der von den Nazis als entartete Kunst diffamiert worden war. 1968 wurde Paul Raabe die Leitung der traditionsreichen Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel übertragen, welche unter seiner Führung zu einer modernen, international anerkannten Studien- und Forschungsstätte für das Mittelalter und die frühe Neuzeit ausgebaut und für die Forschung geöffnet wurde, um heute zu den größten geisteswissenschaftlichen Einrichtungen in Europa zu gehören. Von Wolfenbüttel aus ging Paul Raabe 1992 als Direktor an die Franckeschen Stiftungen nach Halle (Saale) und wurde Mitglied des Stiftungsrats der Klassik Stiftung Weimar und des Kuratoriums Weimar Kulturhauptstadt Europas 1999. Nach seinem Ausscheiden aus dem Direktorenamt im Jahre 2000 wurde er in der Nachfolge Hans-Dietrich Genschers Vorsitzender des Kuratoriums der von August Hermann Francke 1695 als pietistisches Sozial- und Bildungswerk gegründeten Franckeschen Stiftungen, deren Rettung und Wiederaufbau nach 1990 aufs Engste mit seinem Namen verbunden sind.

 

Paul Raabes Lebenswerk erfuhr ab 1990 eine breite öffentliche Würdigung durch hochrangige staatliche und wissenschaftliche Auszeichnungen, darunter das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, die Niedersächsische Landesmedaille, der Sächsische und der Thüringer Verdienstorden sowie der Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt. Er wurde u.a. mit dem Karl-Friedrich-Schinkel-Ring des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz und mit dem Deutschen Stifterpreis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen geehrt. Darüber hinaus wurden ihm die Ehrendoktorwürden der Universität Krakau, der Technischen Universität Braunschweig sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zuteil. Er ist Ehrenbürger von Wolfenbüttel und Halle (Saale).

 

Mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ist Paul Raabe durch das Akademienvorhaben „Goedekes Grundriss“ seit langen Jahren eng verbunden, um das er sich bleibende Verdienste erworben hat. Unmittelbar nach der Wiedervereinigung hat er als Projektleiter Verantwortung für dieses Vorhaben aus dem Erbe der Akademie der Wissenschaften der DDR übernommen und dafür Sorge getragen, dass es den Anforderungen des Akademienprogramms gerecht wurde und planmäßig mit Erfolg abgeschlossen werden kann.

 

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Professor Paul Raabe ihre Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie dessen eindrucksvolles Engagement und seine herausragenden Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.

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