Leibniz-Medaille 2019

© Foto: Wonge Bergmann

Die Leibniz-Medaille der Akademie erhält

 

Traudl Herrhausen

 

in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die Förderung der Wissenschaften.

 

Traudl Herrhausen ist Medizinerin und Philanthropin. Ihre Berufung hat sie jedoch in der aktiven und äußerst erfolgreichen Vermittlung an der Schnittstelle von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft gefunden.

 

Frau Herrhausen wurde im österreichischen Dornbirn geboren, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule für Welthandel in Wien mit einem Abschluss als Diplom-Kauffrau. Nach verschiedenen beruflichen Zwischenstationen studierte Traudl Herrhausen Medizin in Innsbruck und Düsseldorf. Anschließend war sie unter anderem als Assistenzärztin der Chirurgie am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main tätig.

 

Unvergessen bleibt die Ermordung ihres Ehemannes, Dr. Alfred Herrhausen, des seinerzeitigen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, durch ein Bombenattentat am 30. November 1989, das für die Bundesrepublik eine große Erschütterung, für Frau Herrhausen und ihre Familie jedoch eine persönliche Katastrophe darstellte. Die meisten Menschen hätten sich nach einem derartigen Verlust wohl ins Private zurückgezogen, Frau Herrhausen jedoch entschied sich für den gegenteiligen Weg: Sie begann, sich auf politischer Ebene zu engagieren.

 

Während ihrer zwölfjährigen Mitgliedschaft im Hessischen Landtag war sie als hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion unter anderem im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst tätig. Dabei beschränkte sich ihr Wirken nicht nur auf die Gestaltung politischer Entscheidungen, sondern sie unterstützte zudem deren Umsetzung im hochschulpolitischen Alltag und setzte sich aktiv für verschiedene Fachbereiche und Institute, wie beispielsweise die Informatik an der Universität Kassel, ein.

 

Neben ihrer politischen Laufbahn ist in besonderem Maße Traudl Herrhausens ehrenamtliches und außerordentlich vielseitiges Engagement im Bereich der Gesundheits-, Wissenschafts-, Kunst- und Kulturförderung hervorzuheben. Lassen Sie mich einige signifikante Beispiele nennen:
Von 2002 bis 2009 war Traudl Herrhausen Vorsitzende des Kuratoriums des Zentrums für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale der Universität Karlsruhe. Zwischen 2003 und 2012 gehörte sie den Hochschulräten der Technischen Universität Darmstadt und der Medizinischen Hochschule Hannover an. Darüber hinaus war sie von 2003 bis 2018 Mitglied des Stiftungsrats des Deutschen Rheumaforschungszentrums Berlin, dessen Präsidentin sie von 2011 bis 2017 war. Zudem war sie Mitglied der Kuratorien des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung und des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main. Seit 2015 ist Frau Herrhausen Mitglied des Hochschulrats der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main.

 

Für ihre vielfältigen ehrenamtlichen Aufgaben wurde Traudl Herrhausen bereits mehrfach ausgezeichnet: So erhielt sie unter anderem das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und den Hessischen Verdienstorden. 2014 wurde ihr die Kussmaul-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e. V. verliehen.

 

Über ihr intensives, vielseitiges und herausragendes persönliches Engagement hinaus ist Traudl Herrhausen auch menschlich eine herausragende Persönlichkeit. Dank ihrer Professionalität, ihrer humorvollen Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit gelingt es Frau Herrhausen immer wieder, unterschiedlichste Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen. Besonders hervorgehoben wird von allen, die mit ihr zu tun hatten, ihr ganz individuell geprägter Einsatz, ihre sehr persönliche Art und nicht zuletzt auch der nachhaltige Erfolg ihrer Bemühungen. Neben ihrer Überzeugungskraft halfen Frau Herrhausen dabei auch ihr interdisziplinärer Hintergrund sowie ihr unvoreingenommenes Interesse an wissenschaftlichen Diskursen und ihr weitgespanntes Netzwerk.

 

Nur wenigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ist es wie Traudl Herrhausen gelungen, derart produktiv zwischen verschiedenen Disziplinen und gesellschaftlichen Instanzen zu vermitteln und die Aufmerksamkeit auf Bildung und Forschung zu lenken.


Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Traudl Herrhausen ihre Leibniz-Medaille verleiht, würdigt sie eine herausragende Persönlichkeit, die mit ihrem persönlichen und dabei ehrenamtlichen Einsatz in eindrucksvoller Weise gezeigt hat, wie viel ein einzelner Mensch mit Leidenschaft, Phantasie und festem Willen auf verschiedenen Ebenen in der Wissenschafts- und Hochschulförderung zu erreichen vermag.

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