Akademiepreis 2006

Den Akademiepreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften erhält

 

Professor Dr. Heino Falcke.
 

Heino Falcke, Jahrgang 1966, ist Astrophysiker und Radioastronom. Er hat an der Universität zu Köln und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Physik studiert, 1994 promoviert und wurde 2000 habilitiert.

H. Falckes wissenschaftliche Laufbahn ist bis heute eng verbunden mit der RFW-Universität Bonn und dem Max-Planck-Institut für Radioastronomie Bonn (MPIfR). Er weilte zwischenzeitlich als Research Associate an der University of Maryland, USA (1995 - 1997). Im Frühjahr 1999 ging er als Visiting Professor an das Department of Astronomy & Steward Observatory der University of Arizona, USA. Seit 2000 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter> am MPIfR, seit 2001 lehrt er als Privatdozent an der Universität Bonn. Im Frühjahr 2003 nahm er eine Lehrstuhlvertretung an der Universität zu Köln wahr, seit 2003 ist er Adjunct Professor für Hochenergie-Astrophysik an der Universität Nijmegen und International Project Scientist des Projekts LOFAR am Radio-Observatorium Westerbork, Niederlande. Er ist Gründer und war von 1996 bis 2003 Editor des Galactic Center Newsletter. Im Jahr 2000 erhielt er den Ludwig-Biermann-Förderpreis der Astronomischen Gesellschaft.

Heino Falcke hat bahnbrechende Leistungen in seinem Fach erbracht. Seine wichtigsten theoretischen Beiträge hat er zur Physik schwarzer Löcher und ihrer Wechselwirkung mit der umgebenden interstellaren Materie vorgelegt. Seine besondere Leistung besteht in der weithin analytischen Erfassung dieser Theorie, die es ermöglicht hat, eine inzwischen Allgemeingut gewordene vereinheitlichte Sicht aller schwarzen Löcher beliebiger Masse und beliebiger Leistungsstufe zu formulieren. Die Vorhersagen seiner Theorie führten ihn und seine Gruppe zur Entdeckung vieler schwarzer Löcher. Über seine theoretischen Arbeiten hinaus hat er sich früh an experimentellen und beobachtenden Arbeiten beteiligt und sie initiiert. 2004 gelang es seiner Gruppe erstmalig in einem speziellen Fall, die Plasmaschicht im Abstand von wenigen Schwarzschild-Radien vom Schwarzen Loch (so dicht war man bis11 lang noch nie herangekommen) mit bildgebender Radiointerferometrie zu entdecken und die Vorhersage seiner Theorie zu bestätigen.

In den letzten Jahren befaßt sich Falcke mit Themen aus dem neuen Bereich der Teilchenastrophysik. Er untersuchte auf theoretischem Wege die Radiostrahlung, die beim Auftreffen hochenergetischer Teilchen der kosmischen Strahlung auf die Erdatmosphäre zu erwarten ist und machte den Vorschlag, diese mit Niederfrequenz-Radioteleskopen zu beobachten. Aus diesem Vorschlag entstand beim Forschungszentrum Karlsruhe das Experiment LOPES, in dessen Ergebnis Natur und Herkunft der Teilchen der höchsten Energie studiert und eine der wichtigsten Fragen der Teilchenastrophysik aus einem neuen Blickwinkel angegangen werden kann. Die Ergebnisse fließen ein in den Bau des Projekts LOFAR, des größten Radioteleskops der Welt, das derzeit unter Falckes leitender Mitwirkung in Holland aufgebaut wird.

H. Falcke hat rund 200 Arbeiten zumeist in den angesehensten Fachjournalen sowie in Science und Nature publiziert. Seine Arbeiten haben großen Einflußauf die gegenwärtige Entwicklung der Astrophysik sowie der Teilchenastrophysik.

 

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