Akademiepreis 2013

Den Akademiepreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften erhält

 

Professor Dr. Helmut Cölfen

 

für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen.

 

Helmut Cölfen, Jahrgang 1965, hat in Duisburg Chemie studiert, wurde dort 1993 mit summa cum laude promoviert und habilitierte sich 2001 in Potsdam. Er war zunächst Forschungsassistent für Angewandte Physikalische Chemie in Duisburg (1991-1993), ging dann 1995 als Wissenschaftler an das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, wo er eine Forschungsgruppe leitete, und war von 2004 bis 2010 Privatdozent an der Universität Potsdam. Seit Mai 2010 ist er Professor für Physikalische Chemie in Konstanz. Er hat verschiedene Vorlesungen an externen Institutionen gegeben und war Gastprofessor an der ETH Lausanne.

 

H. Cölfen erhielt in seiner bisherigen Laufbahn bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Studienabschlusspreis des Fonds der Chemischen Industrie (1993) und den Dr. Hermann Schnell Preis der Deutschen Chemischen Gesellschaft für den besten Nachwuchswissenschaftler in der Polymerforschung (2000). 2006 hielt er die Steinhofer Vorlesung in Freiburg, 2011 wurde er in der von Thomson Reuter herausgegebenen Liste der TOP-100 Chemiker weltweit in den Jahren 2000-2010 aufgeführt, in der auch mehrere Nobelpreisträger genannt sind. Von seiner international herausragenden Stellung als Wissenschaftler zeugen auch die (Ko)-Organisation von sieben internationalen Symposien, mehr als 130 eingeladene Vorträge und Vorlesungen sowie die Berufung in Editorial und Advisory Boards namhafter Fachzeitschriften.

 

Auf der Grundlage seiner Ausbildung als physikalischer Chemiker hat Helmut Cölfen ein äußerst breit gefächertes Forschungsspektrum entwickelt. Seine Untersuchungen decken Bereiche der Biologie, der Chemie und der Physik ab und tragen in bemerkenswerter Weise zum fachübergreifenden Grundlagenverständnis bei. Er hat bereits als junger Forscher international anerkannte fundamentale Durchbrüche erzielt und gilt als herausragender Fachmann in den Forschungsfeldern Kristallisation, Biomineralisation, selbstorganisierte Materialien, Hybridmaterialien und hochaufgelöste Analyse von Nanopartikeln und Makromolekülen. Sein bisheriges Gesamtwerk mit mehr als 220 Publikationen in renommierten wissenschaftlichen Journalen wie Science und Nature Materials ist nach Umfang und Qualität überragend, und seine Forschergruppe gilt als weltweit führend.

 

Seine wohl bemerkenswerteste Leistung stellen seine jüngeren Arbeiten zu Kristallisationsmechanismen dar, mit denen er wie kein anderer die moderne Sichtweise der Kristallisation geprägt hat. Er entdeckte, dass ein Kristallisationsprozess nicht nur, wie es seit dem 19. Jahrhundert anerkannt war, über die Fusion von Atom/Molekül-Baueinheiten stattfindet, sondern auch durch die gerichtete Fusion nanopartikulärer Einheiten ablaufen kann. Dies ist ein bahnbrechendes Ergebnis von fundamentaler Bedeutung, das die Sichtweise von Kristallisationsmechanismen geändert und vielfältige Anwendungen in der theoretischen und der angewandten Forschung gefunden hat. Gleichfalls ein Durchbruch war die Entdeckung von stabilen Prenukleationsclustern, also einer Erweiterung der nichtklassischen Spezies von Kristallwachstum auf die Nukleations- und Prenukleationsphase, die nach allen Kristallisationstheorien, die in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurden, nicht existieren sollte.

 

Die Pionierarbeit von Helmut Cölfen hat nicht nur neue analytische Werkzeuge geschaffen, sondern auch die Möglichkeiten der Kontrolle von Kristallisationsreaktionen und der Selbstorganisation von Nanopartikeln signifikant erweitert. Seine Forschungsergebnisse haben bestehende Theorien und Lehrbuchmeinungen überholt, neue Paradigmen an ihre Stelle gesetzt und ein international intensiv bearbeitetes Forschungsgebiet eröffnet. In der Würdigung von Cölfens fraglos bahnbrechenden Leistungen ist vor allem auch die Eleganz seiner Arbeit hervorzuheben, in der sich theoretische Tiefe und experimentelle Virtuosität in seltener Weise verbinden.

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