Preis der Akademie - gestiftet von der Commerzbank-Stiftung 2007

Den Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

– gestiftet von der Commerzbank-Stiftung – erhält

 

Professor Dr. Christoph Halbig.

Christoph Halbig, Jahrgang 1972, wurde nach einem Studium der Klassischen Philologie, Philosophie und katholischen Theologie 1999 in Philosophie an der Universität Münster promoviert und dort im Jahre 2005 mit einer Venia legendi für Philosophie habilitiert. 2002 wurde er in die Junge Akademie aufgenommen. Nach Vertretungsprofessuren an der Humboldt-Universität zu Berlin und in Jena wurde er 2006 auf eine Professur für Philosophie in Jena berufen.
 

Christoph Halbig hat den Mut zu herausfordernden Thesen. Schon in seiner Dissertation über Hegels Erkenntnistheorie und Theorie des menschlichen Geistes vertritt er auf der Grundlage zentraler Teile von Hegels „Enzyklopädie“ die These, dass Hegels absoluter Idealismus mit einem „common-sense Realismus“ übereinstimme, dass es keine abgrenzbaren Bereiche des Begrifflichen und des Sinnlichen gebe. Die These des Idealismus, dass die Gedanken die Wirklichkeit ausmachen, und die These des „common-sense“ Realismus, dass die Dinge unabhängig von Akten des menschlichen Geistes existieren und als solche auch erkannt werden können, scheinen vereinbar.
 

In seiner Habilitationsschrift „Praktische Gründe und die Realität der Moral“ greift Halbig zentrale Themen der Metaethik auf. Es geht um den wissenschaftlichen Status der Ethik und den ontologischen Status ihrer Gegenstände. Er fragt, ob die Gründe und Motive moralischen Handelns auf subjektive Überzeugungen, Interessen und Anliegen der Handelnden zurückzuführen seien und vertritt die These, dass dieser moralische Subjektivismus zu kurz greift. Halbig versucht entgegen dem breiten Mainstream zu zeigen, dass es Werttatsachen gibt, die den vorgebrachten Gründen und Handlungsmotiven zugrunde liegen.
 

Halbig verteidigt einen moralischen Realismus, der weithin als obsolet gilt, mit einer eindrucksvollen „dialektischen“ Substanz unter Einbezug fast aller in den letzten Jahrzehnten vertretenen metaethischen Positionen, die von keiner der streitenden Parteien ignoriert werden kann.

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