Preis der Akademie - gestiftet von der Commerzbank-Stiftung 2008

Den Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

– gestiftet von der Commerzbank-Stiftung – erhält

 

Professor Dr. Armin von Bogdandy.

Armin v. Bogdandy - geb. 1960, nach Studien der Rechtswissenschaften und der Philosophie Promotion in Freiburg (1988), Habilitation an der FU Berlin (1995), Professor für Öffentliches Recht in Frankfurt/Main (1997), seit 2002 Direktor am MPI für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht - erfüllt in Person und wissenschaftlichem Werk in hervorragender Weise die Anforderungen an einen Träger des hier zu verleihenden Preises:

 

  • Ein Forscher, der sich neben der Rechtsdogmatik den Grundlagenfragen der Rechtswissenschaft widmet,
  • ein Wissenschaftler, der neben dem nationalen Recht das internationale Recht und die Rechtsvergleichung pflegt, 
  • ein Jurist, der neben akademischen Aufgaben Verantwortung in der Wissenschaftspolitik (2005-2008 Mitglied des Wissenschaftsrats) und der Rechtspraxis (seit 2001 Richter am OECD-Kernenergiegericht) wahrnimmt.


Ein nach den Grundlagen des eigenen Faches fragendes Interesse bestimmt bereits die ersten Studiensemester: Neben dem Jurastudium wird 1980 ein Zweitstudium der Philosophie aufgenommen. Die Frucht ist die 1988 vorgelegte Dissertation über den Gesetzesbegriff bei Hegel. Über „Hegel und der Nationalstaat“ (in: Der Staat 1991, S. 513ff.) führt der Weg zu einem anspruchsvollen Konzept, das dem europäischen Mehrebenen-System im Gedanken eines supranationalen Föderalismus eine angemessene, auf Freiheit angelegte Herrschaftsform geben soll. In derselben Linie steht das Bestreben, die Positionen des Völkerrechts von menschenrechtlichen und demokratietheoretischen Ansätzen her zu bestimmen.

 

v. Bogdandys Entwürfe wollen ein neues konzeptionelles Denken in den von ihm gepflegten Gebieten des Verfassungs-, Völker- und Europarechts; vor radikalen Brüchen mit überkommenen Grundannahmen juristischer Dogmatik wird nicht zurückgeschreckt. Solche Versuche bleiben zwar nicht unwidersprochen: Die „Konstitutionalisierung des europäischen öffentlichen Rechts in der europäischen Republik“ (in: Juristenzeitung 2005, S. 529ff.) so wenig wie das Anliegen eines stärker kulturwissenschaftlichen (statt souveränitätsorientierten) Völkerrechtsverständnisses. Aber v. Bogdandy weiß, warum man auf der Öffnung traditioneller Dogmen bestehen muß, er weiß es auch auf Grund seiner Studien zur Rechtsvergleichung, die für ihn nicht nur ein Vergleich der Rechtssysteme, sondern auch des Rechtsdenkens sind.
 

Das Interesse an Grundlagenproblemen hat die Arbeiten zu konkreten Themen des positiven Rechts nicht zu kurz kommen lassen. Mit bewundernswürdiger Energie hat v. Bogdandy bereits in recht jungen Jahren ein umfangreiches wissenschaftliches Werk auch auf diesem Felde geschaffen. Die Schwerpunkte liegen im Recht der Europäischen Gemeinschaft und im Öffentlichen Wirtschaftsrecht. v. Bogdandy ist Kommentator wichtiger Vorschriften des EG-Vertrages in dem eingeführten Kommentar von Grabitz und Hilf (Das Recht der Europäischen Union, Stand: 2005) und des WTO-Übereinkommens in einem neuen, an seinem Institut herausgegebenen Kommentar zum Welthandelsrecht (2006). Er hat zusammen mit Jürgen Bast und Felix Arndt die wichtigste Studie zu den Handlungsformen des Unionsrechts vorgelegt (ZaöRV 2002, S. 77ff.) und im selben Jahr ein „Europäisches Verfassungsrecht“ herausgegeben, dessen Konzept durch seine Prinzipienlehre geprägt ist und das im Untertitel das wissenschaftliche Denken seines Gründers treffend ausdrückt: „Theoretische und dogmatische Grundzüge“. Das große rechtsvergleichende Handbuch Ius Publicum Europaeum schließlich, das v. Bogdandy zusammen mit P. Cruz Villalón und P.M. Huber ediert und dessen erste beiden Bände 2007 und 2008 in schneller Abfolge erschienen sind, stellt eine beeindruckende Leistung dar, die nur von Wissenschaftlern erbracht werden kann, die in der europäischen und internationalen Wissenschaft einen herausragenden Rang haben.
Armin von Bogdandy - ein Preisträger mit Substanz und Ausstrahlung!

Die Veranstaltung zur Preisverleihung am 4. Juni 2008 ist in einer Broschüre dokumentiert (Wolfgang Schön - Laudatio, Ansprache des Preisträgers, Klaus von Dohnanyi – Festvortrag „Weltwirtschaft und föderaler Staatsaufbau – Hindernis oder Chance?“).

Die Broschüre ist erhältlich bei:
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Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin
E-Mail: iuk-sekretariat@bbaw.de

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