Preis der Akademie - gestiftet von der Commerzbank-Stiftung 2009

Den Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

– gestiftet von der Commerzbank-Stiftung – erhält

Professor Dr. Weyma Lübbe.

Weyma Lübbe (Jahrgang 1961) studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Soziologie und Volkswirtschaftslehre in Zürich, Konstanz und München. In Konstanz wurde sie 1989 mit der Arbeit „Gibt es eine Legitimität kraft Legalität? Über Sinnverstehen und Institutionenanalysen bei Max Weber und seinen Kritikern“ promoviert und habilitierte sich 1997 im Fach Philosophie mit einer Arbeit über „Verantwortung in komplexen kulturellen Prozessen“. Sie war Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, Heisenberg-Stipendiatin und erhielt 2007 das Opus Magnum-Stipendium der VolkswagenStiftung. 1999 folgte sie einem Ruf an die Universität Leipzig; seit 2009 ist sie Professorin für Praktische Philosophie an der Universität Regensburg.
 

W. Lübbe ist eine der profiliertesten deutschsprachigen Vertreter/innen der Forschung über Grundlagen der Praktischen Philosophie, der Sozialwissenschaften, der Wirtschaftswissenschaften und der Rechtswissenschaften. Sie gilt als Begründerin der so genannten Allokationsethik, die sich im Schnittbereich von philosophischer Ethik und medizinischen, ökonomischen und juristischen Fragestellungen bewegt. Ihre Arbeiten zeugen von beeindruckender Grundlagenkenntnis, ungewöhnlichem analytischem Scharfsinn und großer systematischer Kraft. Der Schwerpunkt Ihrer Forschungen liegt im Bereich der Grundlagen der Ethik, der Sozialwissenschaften, der Rechtswissenschaften und der Ökonomie. Bereits die Dissertation von 1989, in der sie anhand einer Weber-Analyse, in kritischer Distanz zur Weber-Kritik von Habermas und Luhmann, zeigt, wie durch legale Setzung Legitimität erzeugt wird, weist diese Thematik auf, eindrucksvoll weitergeführt in der Habilitationsschrift von 1997, die einen wesentlichen Beitrag zur Reformulierung des Problems der kollektiven Zurechnung bzw. der kollektiven Verantwortung in komplexen kulturellen Prozessen leistet.

Auch ihre weiteren Arbeiten bewegen sich im Rahmen der Ethik, speziell der Angewandten Ethik, der Sozialphilosophie, der Rechtsphilosophie und der Theorie und Geschichte der Sozialwissenschaften. Spezielle Themen sind der Normgeltungsbegriff, Handeln und Verursachen, Handlungsfolgenverantwortung, der Begriff der Rationalität, Wirtschaftlichkeit und Gerechtigkeit, das Problem der Gleichheit, Determinismus und Probabilismus. Es sind hochaktuelle Themen, die bewegen und die jeden angehen, Fragen, deren Beantwortung mitentscheidet über die Zukunft und die ethisch-moralische Verfassung unserer Gesellschaft. Hinzu treten drei für die Grundlagendiskussion in den genannten Bereichen wichtige Herausgaben: Politik und Kultur nach der Aufklärung (Stuttgart 1992), Kausalität und Zurechnung (Berlin 1994) und Tödliche Entscheidung (Paderborn 2004).

© 2021 Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften