Preis der Akademie - gestiftet von der Commerzbank-Stiftung 2015

Den Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

– gestiftet von der Commerzbank-Stiftung –

für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Grundlagen des Rechts und der Wirtschaft erhält


Professor Dr. Roman Inderst, Frankfurt/Main.

 

Die Auszeichnung erfolgte im Rahmen einer gemeinsamen Festsitzung der Akademie und der Commerzbank-Stiftung am 23. November 2015 im Akademiegebäude am Gendarmenmarkt.

 

Roman Inderst gehört zu den weltweit angesehensten und forschungsstärksten deutschen Wirtschaftswissenschaftlern. Er war 2009 einer der Ersten, die den ERC-Grant erhalten haben, und 2010 mit 39 Jahren der jüngste Leibniz-Preisträger.

 

Er hat in vielen Bereichen der Wirtschaftswissenschaften grundlegende und international anerkannte Forschungsbeiträge erbracht. Besonders originell und wichtig waren seine Arbeiten zum Zusammenhang von Unternehmensfinanzierung und Unternehmenskontrolle sowie zur wettbewerbspolitischen Beurteilung von Zusammenschlussvorhaben von Unternehmen, die Vorprodukte für andere Unternehmen liefern, wie z. B. General Electric und Honeywell für Flugzeugbauer und Luftfahrt. Neuere Arbeiten betreffen den Verbraucherschutz bei Finanzprodukten. Mit originellen Ideen und methodisch sorgfältiger Arbeit gelingt es ihm immer wieder, überraschende neue Einsichten zu aktuellen Problemen zu gewinnen.

 

In seiner Dissertation hat er sich vor allem mit dezentralen Märkten beschäftigt, in denen die Verträge in bilateralen Verhandlungen bestimmt werden. Er war der Erste, der die sogenannten Analysetools der Literatur zu Such- und Matchingmärkten genutzt hat, um komplexere Verträge unter asymmetrischer Information zu analysieren. Im Vordergrund seiner Habilitation stand das Zusammenspiel von internen und externen Kapitalmärkten, also der Innen- und Außenfinanzierung von Unternehmen. Sein daraus entstandener Artikel „Internal vs. External Financing“ ist der erste theoretischen Beitrag überhaupt, der das Zusammenspiel der beiden Finanzierungsarten in einem modernen theoretischen Rahmen untersucht. Er bildete die Grundlage für die Ableitung weiterer Hypothesen. Zur gleichen Zeit entstanden die ersten Arbeiten zur Theorie der Nachfragemacht in vertikalen Beziehungen, wie sie etwa zwischen Handelsunternehmen und Konsumgüterherstellern bestehen, einem Thema, zu dem Inderst vielbeachtete „Handbook“-Artikel für Wettbewerbsökonomen und -juristen sowie Stellungnahmen etwa für die OECD-Roundtables vorgelegt hat. Seine theoretischen Untersuchungen zum Verbraucherschutz für Finanzprodukte bieten einen geschlossenen Modellrahmen zur Analyse der Interaktion von „product providern“ (wie Banken, die Zertifikate oder Hypotheken vergeben), Beratern oder Brokern und Kunden.

 

Nach dem Studium der Betriebswirtschaft, Soziologie und Volkswirtschaft in Reutlingen, Hagen und an der Humboldt-Universität zu Berlin wurde er 1998 an der Freien Universität Berlin promoviert und habilitierte sich 2002 in Mannheim. Es folgten Assistenzprofessuren in Mannheim und London, ein Associate Professorship am INSEAD, einer der weltweit größten und renommiertesten Business Schools, sowie eine Professur an der London School of Economics. Seit 2006 ist er Professor für Finanzen und Ökonomie im ‚Haus of Finance‘ an der Goethe-Universität Frankfurt/M. und Affiliated Professor am Imperial College London.

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