Preis der Akademie - gestiftet von der Monika Kutzner Stiftung 2018

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Den Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

– gestiftet von der Monika Kutzner Stiftung zur Förderung der Krebsforschung –

erhält

 

Dr. Marieke Essers.

 

Marieke Essers, Jahrgang 1976, hat Medizinische Biologie an der Universität Utrecht in den Niederlanden studiert und ihre Promotion im Bereich der zellulären Stressregulation erfolgte ebenso am dortigen Universitätsklinikum. 2004 wechselte sie mit einem Longterm Fellowship der European Molecular Biology Organization (EMBO) als Postdoktorandin in die Arbeitsgruppe von Professor Andreas Trumpp an das Schweizerische Institut für Experimentelle Krebsforschung in Lausanne. 2008 folgte sie Andreas Trumpp an das Deutsche Krebsforschungszentrum nach Heidelberg, wo sie seit 2009 eine eigene Arbeitsgruppe innerhalb des Heidelberg Institute for Stem Cell Technology and Experimental Medicine leitet.


Marieke Essers‘ herausragende Grundlagenforschung genießt international höchste Anerkennung. Ihre Forschungsergebnisse wurden in renommierten Fachzeitschriften wie Nature, Science und Cell Stem Cell veröffentlicht. Im Februar dieses Jahres wurde sie mit dem angesehenen Förderpreis der Chica und Heinz Schaller-Stiftung ausgezeichnet.


Marieke Essers untersucht u. a. Zytokine, das sind Proteine, die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren. Sie erforscht insbesondere den Einfluss von Zytokinen auf die Aktivierung ruhender Blutstammzellen und trägt damit zur Entwicklung innovativer Therapieansätze bei Leukämie-Erkrankungen bei. Von einem gewissen pro-inflammatorische Zytokin namens IFNa, welches von virusinfizierten Immunzellen produziert wird, um die Infektion reifer Blutzellen zu blockieren, konnte Ihre Arbeitsgruppe unter anderem zeigen, dass dieses einen aktivierenden Einfluss auf den gesamten Pool von Blutstammzellen haben kann.


Mit ihren Forschungen versucht Marieke Essers, den Zusammenhang zwischen den Entzündungsreaktionen und Blutstammzell-Kompartimenten durch den Effekt entzündungsprovozierender Zytokine auf ruhende Blutstammzellen zu entschlüsseln. Gemeinsam mit ihrem Team konnte sie im Mausmodell zeigen, dass die Behandlung mit Lipopolysacchariden (LPS), einer wesentlichen Zellwandkomponente gramnegativer Bakterien, zu einer indirekten Aktivierung von Blutstammzellen durch die Produktion mehrerer pro-inflammatorischer Zytokine führt. Damit war es möglich, die koordinierende Rolle mehrerer entzündungsprovozierender Zytokine bei der Induktion einer Blutstammzell-Antwort während einer bakteriellen Infektion nachzuweisen.


Darüber hinaus konnte Marieke Essers mit ihrer Arbeitsgruppe grundlegende Mechanismen der Thrombozyten-Recovery nach einem entzündungsbedingten Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) nachweisen. Hierbei gelang es ihr auch, Mechanismen zu belegen, die dem klassischen Modell der Hämatopoese widersprechen, wodurch die Aufstellung eines neuen Konzepts für die Entwicklung bestimmter blutbildender Zellen möglich wurde.


Ein Ziel der Arbeiten von Marieke Essers besteht darin, therapeutische Interventionsmöglichkeiten aufzubauen, durch die sich leukämische Stammzellen aus ihrem Ruhezustand gezielt in den Zellzyklus und damit in das therapeutische Fenster für medikamentöse Interventionen bringen lassen. Ihre Arbeiten sind äußerst aktuell, denn die Rolle chronischer Entzündungsvorgänge im Knochenmark für die Expansion genetisch veränderter Stammzellpopulationen steht derzeit im Zentrum der translationalen Forschung.


Durch die Verleihung des diesjährigen Preises der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gestiftet von der Monika Kutzner Stiftung zur Förderung der Krebsforschung an Marieke Essers, würdigt die Akademie deren herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Entwicklung innovativer Therapieansätze bei Leukämie-Erkrankungen.

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