Technikwissenschaftlicher Preis der Akademie 2016

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Den Technikwissenschaftlichen Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften 2016, gestiftet vom Marianne und Heinz Duddeck-Fonds,

erhält

 

Professor Dr.-Ing. Jessica Burgner-Kahrs.

 

Professor Dr.-Ing. Jessica Burgner-Kahrs, Jahrgang 1981, studierte von 2000 bis 2006 Informatik an der Universität Karlsruhe. 2010 wurde sie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit einer Arbeit zum Thema „Roboter-assistierte Laserknochenablation“ zum Dr.-Ing. promoviert. Bevor Frau Burgner-Kahrs 2012 im Rahmen eines DAAD-Rückkehrstipendiums an die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover kam, war sie zwei Jahre lang als Research Associate an der Vanderbilt University in Nashville (Tennessee/ USA) tätig.


Seit November 2015 leitet sie den Lehrstuhl für Kontinuumsrobotik am Mechatronik-Zentrum der Leibniz Universität, der seinerseits aus ihrer Emmy Noether-Nachwuchsgruppe CROSS hervorging, welche seit 2013 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Derzeit entwickelt das Team um Jessica Burgner-Kahrs ein prototypisches Robotersystem zur Behandlung von Gehirnblutungen bei Schlaganfallpatienten.


Als Erste in Deutschland beschäftigt sich Jessica Burgner-Kahrs mit Kontinuumsrobotern, die sich ihrerseits von bekannten Konzepten der Robotik unterscheiden: So dienen als Roboterarme keine durch Gelenke verbundenen starren Arme, sondern ineinander gesteckte und relativ zueinander koaxial verschieb- und verdrehbare, vorgebogene Röhrchen aus superelastischen Nickel-Titan-Legierungen. Dadurch entsteht ein neuartiger Manipulator, dessen Arbeitsräume und Bewegungsverhalten mit Hilfe der bekannten Algorithmen für Pfad- und Bewegungsplanung der klassischen, starren Robotik nicht beschrieben werden können. Daher ist eine Steuerung derartiger Roboter mit den vorhandenen Algorithmen nicht möglich.


Die besonderen wissenschaftlichen Leistungen Jessica Burgner-Kahrs‘ bestehen darin, dass sie neuartige Algorithmen entwickelt und als Software für den reibungslosen Einsatz von Kontinuumsrobotern implementiert hat. Diese werden beispielsweise in der Chirurgie eingesetzt, so dass auch schwer zugängliche Räume minimalinvasiv erschlossen werden können, die bisher für konventionelle starre Werkzeuge unzugänglich sind.


Jessica Burgner-Kahrs‘ bisherigen wissenschaftlichen Verdienste sind bereits mit einer Reihe von Auszeichnungen gewürdigt worden: So erhielt sie u.a. 2015 den Heinz Maier-Leibnitz-Preis der DFG und den Wissenschaftspreis Niedersachsen in der Kategorie Nachwuchs. Darüber hinaus wurde sie durch das Karriereportal academics der Wochenzeitung Die ZEIT zur „Nachwuchswissenschaftlerin des Jahres 2015“ gekürt. Im Sommer dieses Jahres wurde sie in die „Junge Akademie“ gewählt, die gemeinsam von unserer Akademie und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen wird.


Durch die Verleihung des diesjährigen Technikwissenschaftlichen Preises der Akademie gestiftet vom Marianne und Heinz Duddeck-Fonds an Professor Jessica Burgner-Kahrs, würdigt die Akademie deren herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Kontinuumsrobotik.

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