Walter de Gruyter-Preis der Akademie 2011

Den Walter de Gruyter-Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

erhält

 

Professor Dr. Monique Scheer.
 

Monique Scheer arbeitet zum Thema „Religiöser Enthusiasmus“. Sie ist in den USA geboren und aufgewachsen und hat ihren B.A. 1989 an der Stanford University gemacht, mit einem major in Geschichte. Schon während ihres Bachelor- Studiums und unmittelbar danach ging sie an die Universität Heidelberg und von hier 1990 zunächst für vier Jahre als Redakteurin zum Stuttgarter Georg Thieme Verlag. Anschließend setzte sie ihre akademische Ausbildung fort, zuerst mit einem Magisterstudium an der Universität Tübingen in den Fächern Empirische Kulturwissenschaft und Religionswissenschaft (MA 2000), dann mit einer Promotion ebendort (2005). 2011 folgte sie einem Ruf an das dortige Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft.

Aus ihrer Magisterarbeit ging bereits ein weitbeachteter Aufsatz hervor, den sie 2002 in der Fachzeitschrift American Historical Review publizierte. Der Text, der sich mit dem Bedeutungswandel schwarzer Madonnen zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert beschäftigt, vereint geschichts-, religions- und kulturwissenschaftliche Perspektiven. Auch in ihrer Dissertation blieb M. Scheer dieser Multiperspektivität treu. Sie untersuchte Marienerscheinungen im 20. Jahrhundert, vor allem in und nach den beiden Weltkriegen, und stellte sie in einen erfahrungsgeschichtlichen Kontext. Religiöse Traditionen, alltagsweltliche Kultpraxis und politische Instrumentalisierung bilden die Eckpunkte einer Studie, die sich als Beitrag zu einer empirischen Kulturwissenschaft versteht, aber ebenso gut in religions- oder geschichtswissenschaftliche Diskurse passt. Von 2008 bis zu ihrer Rückkehr nach Tübingen war M. Scheer, nach einigen kreativen Jahren im Tübinger Sonderforschungsbereich „Kriegserfahrungen“ (2005-2007), wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (bis 2011). Sie hat sich nun gleichsam mit ihren Forschungen von den Katholiken zu den Protestanten begeben, den Zeitraum erweitert (18. Jahrhundert bis heute) und den räumlichen Fokus bis in die USA ausgedehnt. Ihrem Interesse, Religion, Geschichte und Ethnologie zu verbinden, ist sie treu geblieben. Deshalb arbeitet sie auch nicht nur mit Texten, in denen sie die Spuren schwärmerischer Gefühle verfolgt, sondern auch mit teilnehmender Beobachtung und mit Interviews bei den protestantischen „mega-churches“, die sich rund um Stuttgart angesiedelt haben. Sie hat einen starken Sinn für theoretische Fragen und Konzepte, ist aber immer darauf bedacht, diese Konzepte am empirischen Material zu testen. Und sie ist eine Meisterin disziplinärer Verknüpfung.

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