Walter de Gruyter-Preis der Akademie 2016

© Foto: Saied Sharifi

Den Walter de Gruyter-Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

erhält

 

Dr. Bettina Hitzer.
 

Dr. Bettina Hitzer, die Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes war, studierte von 1990 bis 1999 Geschichtswissenschaft, Romanistik, Germanistik sowie Erziehungs- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Ein Stipendium des DAAD und der französischen Regierung führte sie 1993 für ein Jahr an die Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne. 1999 legte sie das Erste Staatsexamen ab, 2004 wurde sie an der Universität Bielefeld zum Dr. phil. promoviert.


Von 1999 bis 2007 war Bettina Hitzer Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld. 2007 wechselte sie an das Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, wo sie seit 2014 Minerva-Forschungsgruppenleiterin ist.


Bettina Hitzers vielgelobte Monographie „Im Netz der Liebe“ widmet sich dem Thema der Migration und Zuwanderung im Preußen der Jahre 1849 bis 1914 – eine Entwicklung, die von der protestantischen Kirche und der Inneren Mission sorgenvoll betrachtet wurde und diese zu einem beeindruckenden gesellschaftlichen Engagement veranlasste. In ihrer Berliner Lokalstudie unterzog Bettina Hitzer die diesbezügliche Tätigkeit der zahlreichen lokalen Vereine und Verbände einer eingehenden Analyse und erlangte dabei Aufschlüsse über das Gesellschaftsbild der Akteure, ihre Selbst- und Problemwahrnehmung sowie ihre Vorurteile und Lernprozesse beim Umgang mit den Zuwanderern. Das Ergebnis ist zwiespältig: Einerseits ging der Protestantismus aktiv auf soziale Probleme zu und spann ein ungemein facettenreiches Tätigkeitsnetz, das andererseits aber durch Vorurteile, Vorannahmen und entsprechend interpretierte Erfahrungen blockiert wurde.


Im Rahmen ihrer Tätigkeit im Forschungsbereich „Geschichte der Gefühle“ untersucht Bettina Hitzer derzeit das Thema der Angst vor Krebs im 20. Jahrhundert. Im Mittelpunkt dieser emotionsgeschichtlichen Arbeit, mit der sie sich zugleich habilitiert, stehen Mediziner, Pharmaindustrie und Medien, die ihrerseits Angst schüren und zugleich versprechen, sie zu bewältigen.


Neben diesen beiden großen Forschungsschwerpunkten sind zwei weitere herausragende Veröffentlichungen aus dem Jahr 2010 zu nennen, und zwar die gemeinsam mit Thomas Welskopp herausgegebene Publikation „Die Bielefelder Sozialgeschichte. Klassische Texte zu einem geschichtswissenschaftlichen Programm und seinen Kontroversen“, das deutliche theoretische und methodologische Interessen verrät. Demgegenüber zeigt das mit Michael Häusler herausgegebene Buch „Zwischen Tanzboden und Bordell. Lebensbilder Berliner Prostituierter aus dem Jahr 1869“ die Begeisterung für historische Quellen und die neugierige Lust auf deren Kontextualisierung und Interpretation.


Diese empirisch vielfältigen und theoretisch anspruchsvollen Publikationen weisen Bettina Hitzer, die zudem Mutter dreier Kinder ist, als eine äußerst vielseitige, kreative und sorgfältig-kluge Historikerin aus, die ebenso feinfühlige wie analytisch klare Bücher schreibt.


Durch die Verleihung des diesjährigen Walter de Gruyter-Preises der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an Dr. Bettina Hitzer würdigt die Akademie deren herausragende wissenschaftliche Leistungen im Bereich der Geisteswissenschaften.

© 2021 Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften