Balkan-Initiative der Berliner und Brandenburger Wissenschaft

Von den Mitgliedern der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit den Präsidenten und Rektoren der Berliner und Brandenburger Universitäten sowie den Leitern großer Wissenschaftseinrichtungen der Region initiiert, organisierte und leistete die Balkan-Initiative der Berliner und Brandenburger Wissenschaft während der Zeit ihres Bestehens von 1999 bis 2003 „Hilfe von Wissenschaftlern für Wissenschaftler“ im vormaligen Jugoslawien und dessen unmittelbaren Nachbarländern (abgeschlossene Initiative).

 

Im Rahmen der Festversammlung der Akademie zum Leibniztag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften hatte der damalige Akademiepräsident Professor Dr. Dr. h.c. mult. Dieter Simon am 25. Juni 1999 mit seiner programmatischen Rede über „Das Schweigen der Lämmer“ im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin im Namen der Mitglieder der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Präsidenten und Rektoren der Berliner und Brandenburger Universitäten (Freie Universität Berlin , Humboldt-Universität zu Berlin , Technische Universität Berlin , Brandenburgische Technische Universität Cottbus , Europa-Universität Viadrina Frankfurt/ Oder , Universität Potsdam , des wissenschaftlichen Vorstandes des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin Berlin-Buch (MDC) , des Rektors des Wissenschaftskollegs zu Berlin  und des Präsidenten des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB)  zur Gründung der Balkan-Initiative der Berliner und Brandenburger Wissenschaft aufgerufen.
 

Das gemeinsame Anliegen der Initiatoren der Balkan-Initiative bestand dabei darin, eine unmittelbare und unbürokratische Soforthilfe für die in der Krisenregion des Balkan lebenden und betroffenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu organisieren und zu leisten („Hilfe von Wissenschaftlern für Wissenschaftler“), diesen wieder Mut zu machen und sie verstärkt und explizit in den wissenschaftlichen Diskurs einzubeziehen. Pragmatische Hilfen sollten darüber hinaus zum Wiederaufbau und zur Stärkung des Lehr- und Forschungsbetriebs in den südosteuropäischen Staaten beitragen. Nach dem Ausbruch des sogenannten Kosovo-Krieges im Jahr 1999, der das politische, kulturelle und gesellschaftliche Selbstbewußtsein Europas erschüttert hatte, galten die allgemein auf internationaler Ebene unternommenen Anstrengungen vor allem und primär dem Aufbau einer zivilen und demokratischen Gesellschaft, die maßgeblich zu einer langfristigen und dauerhaften Stabilisierung Südosteuropas beitragen sollte.
 

Mit der Gründung der Balkan-Initiative der Berliner und Brandenburger Wissenschaft sollte in Reaktion auf den Kosovo-Krieg und der damit verbundenen NATO-Intervention gleichzeitig ein Beitrag dazu geleistet werden, die inhaltlichen und formalen Voraussetzungen für Lehre und Forschung in den südosteuropäischen Staaten zu stärken respektive – wo nötig – wiederherzustellen sowie die Ausbildung eines personellen und institutionellen Netzwerks zu befördern, das auch die regionale Kooperation der Forscher in Südosteuropa erleichtern sollte. Darüber hinaus verbanden die Initiatoren mit dieser Initiative nicht zuletzt auch die Intention, einen Selbstorganisationsprozeß mit dem Ziel der Etablierung eines dauerhaften Dialogs der Vernunft unter den Intellektuellen dieser Region zu initiieren. Ein Großteil der in Berlin und Brandenburg ansässigen Wissenschaftseinrichtungen war seinerzeit dem gemeinsamen Aufruf der Initiatoren der Balkan-Initiative gefolgt und hatte sich seitdem mit den unterschiedlichsten Formen und Maßnahmen der Soforthilfe (u.a. Einladungen von Gastwissenschaftlern, Postdocs und Doktoranden, Vergabe von Stipendien; Durchführung von Konferenzen, Symposien und Sommerschulen in Berlin und Brandenburg sowie in der Balkan-Region; wissenschaftliche Kooperationen; Bereitstellung von Sachspenden) beteiligt. Aufgrund dieser breiten Unterstützung hatte sich die Balkan-Initiative bereits innerhalb kurzer Zeit zu einer bis heute in der Bundesrepublik einzigartigen, regional ausgerichteten Hilfsaktion für den Balkan und Südosteuropa entwickeln und etablieren können.
 

Angesichts dieser erfolgreich und mit positiver Resonanz durchgeführten einzelnen Maßnahmen und Veranstaltungen kann man heute feststellen, daß nicht nur die mit der Balkan-Initiative der Berliner und Brandenburger Wissenschaft ursprünglich intendierte Maßnahme der Soforthilfe und der Hilfe zur Selbsthilfe für bedürftige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gelungen ist, sondern darüber hinaus der von den Initiatoren intendierte und geförderte Dialog der Intellektuellen auf dem Balkan initiiert und verfestigt werden konnte. Der angestrebte Selbstorganisationsprozeß war in den Jahren seit dem Bestehen der Balkan-Initiative weit genug vorangekommen, so daß der Zeitpunkt gekommen war, um diese von vornherein temporär befristete Initiative zum Jahresende 2002 – mit zwei weiteren, terminlich bedingten Folgeveranstaltungen im Jahr 2003 – nunmehr endgültig aus der Hand geben zu können.
 

Die im Zeitraum der Jahre 1999 bis 2003 im Rahmen der Balkan-Initiative erfolgten Hilfsmaßnahmen werden mit dem „Abschlußbericht über die Aktivitäten der Balkan-Initiative der Berliner und Brandenburger Wissenschaft (1999−2003)“, der im Auftrag des Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verfaßt wurde, in angemessener Form dokumentiert und somit auch durch die Publikation auf der Homepage der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Kontakt
Dr. Karin Elisabeth Becker
Leiterin des Präsidialbüros
Präsidialbüro
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