Email des Präsidenten vom 27.3.2020

Betr.: Corona-Krise: weitere Infos

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

ich möchte Sie wieder über einige der Entwicklungen der

Corona-Krise mit Bezug zur BBAW informieren.

 

1. Hinweise aus der Politik

a) Protokolle der Taskforce der Senatsverwaltung
    Ich erhalte jeweils die Protokolle der (fast) täglich stattfindenden

   Telekonferenzen der Taskforce-TSK unserer Senatsverwaltung.

    Die letzten Protokolle enthielten nur Sachverhalte, die

    entweder nicht für die BBAW relevant waren oder Dinge

    betrafen, die wir schon erfüllen oder erledigt haben.

b) neue FAQs zu arbeits- und dienstrechtlichen Aspekten
    Die Senatsverwaltung für Finanzen hat FAQs zu arbeits- und
    dienstrechtlichen Aspekten im Zusammenhang mit dem
    Coronavirus erstellt. Sie finden diese (Stand vom 25.3.20)
    auf unserer Webseite unter dem folgenden Link:

    http://www.bbaw.de/covid-19/200326%20faqs-umgang-mit-dem-coronavirus-arbeits-und-dienstrechtliche-aspekte.pdf 

    Die Sachverhalte sind z. T. komplizierter als sie in den

    FAQs dargestellt sind, da ein Teil der erwähnten

    Rahmendienstvereinbarungen nicht für die BBAW gelten.

    Wir haben aber im Prinzip alles, was beim derzeitigen

    Zustand geregelt werden kann, geregelt.

c) Personalrat
    Ein Problem für den Personalrat ist, dass  die Nutzung von

    Tele- und Videokonferenzen in den einschlägigen Gesetzen

    nicht vorgesehen ist und somit Unklarheit darüber besteht,

    wie der Personalrat rechtskonforme Beschlüsse fassen kann,

    ohne eine Sitzung mit persönlicher Anwesenheit abzuhalten.

    Die Politik hat dazu derzeit nur Appelle, siehe:

    https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Meldungen/2020/ministererklaerung-arbeit-der-betriebsraete-unterstuetzen.pdf 

    Wir versuchen hierzu für die BBAW eine Lösung zu finden.

d) Wissenschaft – Politik

    Auch wenn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,

    die bei der Bekämpfung des Coronavirus im Zentrum der

    öffentlichen Aufmerksamkeit stehen, nicht immer dieselbe

    Meinung vertreten, werden der Einsatz und die Ernsthaftigkeit

    der Bemühungen der wissenschaftlich Tätigen (und natürlich

    des gesamten medizinischen Personals) inzwischen von allen

    Bevölkerungsteilen außerordentlich geschätzt. Wissenschaft

    berät aber nur, Politik handelt. Ich bin persönlich durchaus

    sehr beeindruckt von den politisch Handelnden im Bund und

    in den Ländern. Entscheidungen mit großer medizinischer,

    wirtschaftlicher und sozialer Tragweite werden entschlossen

    und schnell getroffen. Bei der großen Unsicherheit der

    Datenlage werden sich einige Entscheidungen vielleicht als

    zu spät oder ungünstig herausstellen – aber das weiß man

    immer erst hinterher.

 

2. Nachtrag zur Unstatistik des Monats

Meine E-Mail vom 25. März zur „Unstatistik des Monats“ hat

zu mehreren Rückmeldungen geführt. Frau Lentz machte mich

z. B. auf einen Artikel in der FAZ  mit dem Titel „Die Macher der

Zahlen“ hingewiesen, der am 26. März erschienen ist und in

dem die (überall zitierte) Datenerzeugung an der Johns Hopkins

Universität analysiert wird, siehe

https://edition.faz.net//faz/politik/2020-03-26/58e5ab3d5e8d4c06dcf93868f2761459?GEPC=s5 

 

3. Zutritt zu BBAW-Gebäuden

Das bisherige Zutrittsverhalten der BBAW-Beschäftigten zu

unseren Gebäuden ist makellos, alle halten sich an die Regeln.

Ich habe dennoch eine Bitte zur Beachtung organisatorischer

Regeln, um den Aufwand gering zu halten.

Die ersten Beschäftigten bemerken nun, dass sie aus der
Akademie weitere Geräte oder Unterlagen benötigen. Bitte
schicken Sie diesbezüglich keine Rundmails an ganz viele
BBAW-Beschäftigte. Die Regelung hierzu ist klar und eindeutig,
bitte befolgen Sie diese:

• Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Dienstvorgesetzten
   (Arbeitsstellenleiter, Projektleiter, etc.) auf und besprechen

   Sie Ihren Wunsch mit diesem.

• Nach Einigung ist es dann die Aufgabe des Dienstvorgesetzten,

   an die E-Mail-Adresse leitung(at)bbaw.de  mitzuteilen, dass
   Person X am Tag Y gegen Z Uhr in eines der BBAW-Gebäude
   kommen möchte.

• Die in der BBAW anwesende Leitungsperson wird dann die

   erforderlichen Maßnahmen treffen und z. B. der Pforte in der

   Jägerstr. mitteilen, dass Person X am Tag Y gegen Z Uhr das

   Gebäude betreten kann und dies auch der Person X und dem

   Dienstvorgesetzten mitteilen.

Wir sind gehalten, dies so restriktiv zu handhaben, denn

„eigentlich“ ist unser Gebäude ja geschlossen. Wir sehen aber

natürlich die Notwendigkeit, die häusliche Arbeitsfähigkeit

aller Beschäftigten zu gewährleisten.

 

3. NFDI und Open Science

Ich denke, mittlerweile ist auch allen Nichtwissenschaftlern

klar geworden, wie wichtig Open Science ist. Ohne die offene
weltweite Zusammenarbeit hätte der Corona-Pandemie in
jeder Hinsicht ganz andere Ausmaße. Meine Position dazu
kennen Sie (zur Genüge), und mit der Verabschiedung

ihres „Leitbildes Open Science“ hat die BBAW ja eine

gewissen Vorreiterrolle übernommen.

Für diesen Themenbereich spielt die Initiative zur Einrichtung

einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) eine

besonders große Rolle.

Die für den 23./24.3.2020 vorgesehene Präsenzsitzung des
NFDI-Expert*innengremiums konnte leider nicht stattfinden.
Aufgrund der großen Tragweite der NFDI-Förderempfehlungen

an die GWK wurde von einer virtuellen Sitzung abgesehen.

Eine kleine Kerngruppe soll, soweit ich informell gehört habe,

nun zeitnah ein Alternativverfahren zur Entscheidungsfindung

für die erste NFDI Antragsrunde entwickeln, bei der die

Akademien zwei Anträge ( NFDI4Text+ und NFDI4Culture)

eingereicht haben. Die BBAW ist Co-Antragsteller zur

Einrichtung des NFDI-Konsortiums Text+. Am Starttermin
für die NFDI (1. Oktober 2020) soll festgehalten werden.

 

4. Nichtsemester

Derzeit zirkuliert ein Aufruf deutscher Professorinnen und

Professoren, die sich dafür aussprechen, das Sommersemester

2020 als "Nichtsemester" zu zählen, und die Unterschriften

für diese Maßnahme sammeln. Die Aufzählung der Argumente

für diese Maßnahme beginnt mit:

„Weder Lehrende noch Studierende sind in den meisten Fällen
mit den Methoden und Tools des E-Learning hinreichend
vertraut. Präsenzlehre lässt sich nicht umstandslos ins
Internet verlagern. Je nach Disziplin, Thema, Lernzielen
gestaltet sich die Online-Lehre spezifisch. Pauschale Lösungen
gibt es nicht. Das bedeutet zusätzlichen Aufwand für Lehrende
und Verwaltung.“

Ich habe diesen Text Personen gezeigt, die wirklich unter der

Corona-Krise leiden und mit Existenzbedrohung zu kämpfen

haben. Die Kommentare waren nicht gerade freundlich.

Es geht auch anders; die Berliner Universitäten engagieren

sich! Und so will ich nur auf den Artikel unseres Mitglieds

und FU-Präsidenten Günter Ziegler verweisen, der gestern

im Tagesspiegel erschienen ist:

https://www.tagesspiegel.de/wissen/uni-mit-minimalem-praesenzbetrieb-kann-klappen-auf-ins-kreativsemester/25677680.html 

 

 

Alles Gute, seien Sie kreativ und bleiben Sie gesund

Ihr

Martin Grötschel

© 2020 Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften