Email des Präsidenten vom 28.4.2020

Betr.: Absagen des Leibniztages, der Versammlung, von Wahlen und mehr

An die Mitglieder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BBAW

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich vermute, dass selbst den größten Pessimisten bewusst ist, in welch privilegierter Lage sich fast alle Beschäftigten öffentlicher Arbeitgeber während der jetzigen Krisenzeit befinden. Insbesondere in den Akademien bestehen nur sehr wenige gesundheitliche Gefährdungen. (Heute früh schrieb mir ein Vertreter einer Mitarbeitergruppe:  „…dass das Hauptrisiko für die Mitarbeiter der BBAW meiner Meinung nach nicht in den BBAW-Gebäuden, sondern auf dem Weg zur Arbeit lauert,…“.) Falls doch Gefährdungspotential vorhanden ist, nehmen wir uns dieser selbstverständlich in lösungsorientierter Weise an. Insolvenzen und Entlassungen bedrohen uns glücklicherweise nicht, gleichwohl sollten wir uns auf konkret noch nicht absehbare finanzielle Konsequenzen als Folge der Corona-Krise vorbereiten.

Dennoch gibt es einige „Unannehmlichkeiten“, auf die ich Sie heute leider hinweisen muss.

1. Der Leibniztag am 4. Juli 2020 findet nicht statt

a) Der BBAW-Vorstand hat entschieden, den Leibniztag abzusagen. In der vergangenen Woche hat  der Berliner Senat eine Großveranstaltungsverbotsverordnung erlassen, durch welche das Konzerthaus am Gendarmenmarkt gezwungen war, der BBAW mitzuteilen, dass es bis zum 31. Juli 2020 keine Veranstaltungen durchführen darf. Auch in anderen Räumlichkeiten sind derartige Großveranstaltungen in Berlin nicht erlaubt; und Überlegungen, die Veranstaltung in irgendeiner virtuellen Form durchzuführen, wurden aus vielfältigen Gründen verworfen. Damit war unsere Entscheidung für eine Absage unumgänglich. (Das eigentlich vorgesehene Programm des Leibniztages finden Sie zu Ihrer Information im Attachment.)

b) Der größte Teil der Programmpunkte kann nicht einfach entfallen oder verschoben werden, sondern wird zu einem späteren Zeitpunkt in einer noch näher zu definierenden, angemessenen Form nachgeholt werden.

c) Um den Leibniztag herum finden viele Gremien-, Arbeitsgruppen- und Kommissionssitzungen der BBAW statt, zu deren Durchführung weitere Entscheidungen getroffen werden müssen. Über den Stand hierzu berichte ich nachfolgend.

2. Absage der Sitzung der Versammlung der Akademiemitglieder am 3. Juli 2020

Der Vorstand war einstimmig der Meinung, dass er unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen und den dabei notwendigen gesundheitlichen Sicherheitsvorkehrungen die Durchführung einer ordnungsgemäßen Sitzung der Versammlung nicht verantworten kann. Ich nehme an, dass Sie dafür Verständnis haben. Über einige für die BBAW wichtige, aus dieser Entscheidung folgende Konsequenzen berichte ich in den Punkten 6. und 7.

3. Durchführung der Ratssitzung am 2. Juli 2020 bleibt derzeit noch offen

Der Vorstand hat eine Entscheidung über eine Absage oder besondere Form der Durchführung der Ratssitzung (teils physisch, teils per Videokonferenz) noch offen gelassen und wird diese Frage abschließend im Rahmen der Vorstandssitzung am 14. Mai 2020, die teils physisch, teils über ein Videokonferenzsystem erfolgen wird, behandeln.

4. Klassensitzungen

Alle Klassen haben Anfang Juli turnusgemäß Klassensitzungen angesetzt. Die Klassen organisieren sich lt. Satzung der BBAW selbst. Den Klassensekretaren bzw. der Klassensekretarin bleibt es überlassen, sich mit den Mitgliedern ihrer jeweiligen Klassen darüber zu verständigen, ob Klassensitzungen (und wenn ja wie) im Juli 2020 stattfinden oder nicht.

5. Weitere Sitzungen von IAGs, Ausschüssen, Kommissionen, etc.

Auch hier obliegt den jeweils verantwortlichen Personen die Entscheidung darüber, wann Sitzungen durchgeführt werden und ob diese physisch oder in Form von einer Videokonferenz oder einer Kombination aus beidem stattfinden. Ich bitte alle verantwortlichen Personen, die Entscheidungen in Absprache mit den Mitgliedern der betroffenen Gremien vorzunehmen.

Bei Bedarf kann die BBAW für die Klassen-, AG- und sonstigen Sitzungen ausreichend große Räume, in denen die erforderlichen Abstände gewährleistet sind, zur Verfügung stellen. Auch Videokonferenzen können von der BBAW aus durchgeführt werden.

6. Rechtskonforme Wahlen und andere Gremienentscheidungen

Die Satzung und die Geschäftsordnung der BBAW sind auf Präsenzsitzungen ausgerichtet. Niemand hat bei ihrer Abfassung (teilweise) virtuelle Sitzungen in Erwägung gezogen, und so fehlen diesbezügliche Regelungen. Ich möchte mich bei Frau Windbichler herzlich dafür bedanken, dass sie  dem Vorstand einige der Konsequenzen dargelegt hat, die sich aus dieser juristischen Situation, den Sitzungsabsagen und einer teilweisen virtuellen Durchführung von Sitzungen ergeben können. Ich fasse Frau Windbichlers Ausführungen kurz zusammen:

a) Die Geschäftsordnung verbietet Wahlen auf schriftlichem Wege. Wahlbeschlüsse, die dagegen verstoßen, sind im Zweifel anfechtbar.

b) Die Versammlung könnte ausnahmsweise eine geheime Briefwahl (elektronisch oder auf Papier, ohne Kugeln) zulassen. Eine solche Entscheidung müsste aber in einer Präsenzsitzung der Versammlung getroffen werden. Da die nächste Versammlungssitzung abgesagt ist, hilft uns diese Möglichkeit nicht weiter.

c) Beschlüsse, die keine Wahlen sind, können in dringenden Fällen schriftlich gefasst werden (im sog. Umlaufverfahren). Einer Sitzung bedarf es dann nicht. Das gilt für alle Organe der BBAW. Deutet man „schriftlich“ als vereinbarte Form, so genügt auch eine telekommunikative Form, § 127 Abs. 2 BGB, d.h. z.B. in Form eines PDF per E-Mail. Hierbei ist jeweils vorab zu klären, wie der Begriff „Mehrheit“ zu verstehen ist, wenn Beschlüsse mit der Mehrheit der „anwesenden“ Mitglieder zu fassen sind.

d) Sonstige Entscheidungen können auch in „gemischten Sitzungen“ (mit Präsenz und Zuschaltungen) getroffen werden. Die Möglichkeit der Teilnahme und der Vertraulichkeit ist dabei sicherzustellen.

7. Einige Konsequenzen der Absage der Versammlungssitzung am 3. Juli 2020

Zu den wichtigsten Tagesordnungspunkten dieser Sitzung der Versammlung gehörten

a) die Wahl von zwei Vizepräsidenten/Vizepräsidentinnen

b) die Wahl von Wissenschaftlichen Mitgliedern des Vorstands

c) die Wahl von Wissenschaftlichen Mitgliedern des Rates

  • Die zu wählenden Vizepräsidenten/Vizepräsidentinnen sollten eigentlich zusammen mit dem (glücklicherweise bereits gewählten) neuen Präsidenten der Akademie, Herrn Markschies, ihr Amt am 1. Oktober 2020 antreten. Das ist nun leider nicht möglich, weil ihre Wahl durch die Versammlungsabsage nicht erfolgen kann. Damit sie gewählt werden und ihr Amt antreten können, wird es von größter Bedeutung sein, dass wir die für den 27. November 2020 vorgesehene nächste Sitzung der Versammlung durchführen können. Gemäß der Geschäftsordnung, § 3, Satz 5. gilt: "Nach Ablauf ihrer Amtszeit führen die Vizepräsidenten bzw. Vizepräsidentinnen die Amtsgeschäfte bis zum Amtsantritt ihrer Nachfolger bzw. Nachfolgerinnen weiter.“ Unseren beiden derzeitigen VPs, Frau Lentz und Herr Petermann, sind sich dieser Verpflichtung bewusst.

Leider ist die Sachlage nicht so klar geregelt für die

  • bis zu dreizehn von der Versammlung auf Vorschlag des Präsidenten oder der Präsidentin aus der Mitte der Ordentlichen, nicht entpflichteten Mitglieder für eine Amtszeit von drei Jahren in geheimer Abstimmung zu wählenden Wissenschaftlichen Mitglieder des Vorstandes
    und die
  • bis zu 15 von der Versammlung auf Vorschlag der Klassen, des Rates und gegebenenfalls ergänzenden Vorschlag der Versammlung aus der Mitte der Ordentlichen, nicht entpflichteten Mitglieder für eine Amtszeit von drei Jahren in geheimer Abstimmung zu wählenden Wissenschaftlichen Mitglieder des Rates.
     

Ich hatte die jetzigen Wissenschaftlichen Mitglieder des Vorstands und des Rates im vergangenen Jahr bereits gebeten, der Verlängerung ihrer Amtszeit (die regulär Ende 2019 geendet hätte) bis zum 30.09.2020 zuzustimmen, um meinem Amtsnachfolger die Möglichkeit zu geben, diese Organe neu zu besetzen. Nunmehr  erzwingen die Umstände leider eine weitere Verlängerung der Amtszeit. Die dafür notwendige Maßnahme klingt kompliziert: Hierzu werde ich den Vorstand bitten müssen, den Rat zu bitten, die Amtszeit der genannten Vorstands- und Ratsmitglieder bis zur Neuwahl dieses Personenkreises durch die Versammlung zu verlängern. Wenn der Rat so beschließt und die betroffenen Personen zustimmen, werden wir auch nach dem 30. September 2020 einen funktionsfähigen Vorstand und ebensolchen Rat haben.

Es tut mir leid, dass ich Sie mit derartigen Details behelligen muss, aber eine ordnungsgemäße Amtsführung beinhaltet auch meine Verpflichtung, Sie präzise über wichtige (und nicht völlig offensichtliche) Konsequenzen von Entscheidungen zu unterrichten, die aufgrund unabweisbarer äußerer Umstände getroffen werden mussten (bzw. noch getroffen werden müssen).

Mit den besten Grüßen

Ihr

Martin Grötschel

P.S.: Im Nachgang noch etwas Erfreuliches von Ann-Christin Bolay & Friederike Krippner:
         Akademie frei Haus!

Sie können immer noch nicht zu uns, daher kommen wir weiter zu Ihnen. Zweimal die Woche treffen Sie eines unserer Akademiemitglieder im Podcast „Auf ein Akademisches Viertel ...". Herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen über aktuelle Forschungsthemen und über ihren Forschungsalltag in Zeiten von Corona. Die Interviews führen Ann-Christin Bolay, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, und Friederike Krippner, wissenschaftliche Koordinatorin des Jahresthemas 2019|20 "Naturgemälde".

 

Sie können den Podcast in unseren Mediatheken abrufen. Sie können ihn aber neuerdings auch über mehrere Online-Portale abonnieren. So werden Sie immer informiert, wenn eine neue Folge erschienen ist.

 

Mediathek der BBAW: http://www.bbaw.de/mediathek/archiv2020/bbaw-podcast 

Mediathek des Jahresthemas: https://jahresthema.bbaw.de/podcast/ 

 

Online-Portale, auf denen Sie den Podcast abonnieren können:

Spotify: https://open.spotify.com/show/6b3yjAq2DmA1CSNXbfPqwX 

Deezer: https://www.deezer.com/show/1090172 

Google Podcasts: https://bit.ly/3bNrnXG 

 

Sie werden es hören: Unser Podcast hat einen neuen Jingle – ebenfalls hausgemacht und mit digitalen Mitteln im Home Office gemixt. Angelehnt an Bernd Alois Zimmermanns Musik zum Hörspiel "Die Befristeten" nach Elias Canetti, eingespielt und produziert vom Team des Akademienvorhabens "Bernd-Alois-Zimmermann-Gesamtausgabe" der BBAW: Matthias Pasdzierny am Kontrabass, Felix Marzillier am Klavier, gemixt von Ole Jana. Mehr dazu in der neuesten Folge mit Dörte Schmidt und Matthias Pasdzierny.

 

Die bisherigen Folgen:

 

Folge 8: DÖRTE SCHMIDT und MATTHIAS PASDZIERNY

Die Musikwissenschaftler*innen Dörte Schmidt und Matthias Pasdzierny sprechen über Hierarchien im digitalen Raum und sie erklären, warum

der Komponist Bernd Alois Zimmermann jammen in Zeiten von Social

Distancing wohl interessant gefunden hätte.

 

Folge 7:  GÜNTER ZIEGLER

Der Mathematiker und Präsident der Freien Universität Berlin Günter Ziegler spricht über das frisch gestartete Kreativsemester, seine Faszination für das 24-Zell und über neue Forschungsthemen der Berlin University Alliance angesichts der Pandemie.

 

Folge 6: OTTMAR ETTE

Der Romanist und Komparatist Ottmar Ette im Gespräch über Alexander von Humboldts „Naturgemälde", über Humboldts Interesse an Seuchen – und über Gelassenheit.

 

Folge 5: CAROLA LENTZ

Die Ethnologin, Vizepräsidentin der Akademie und designierte Präsidentin des Goethe-Instituts Carola Lentz spricht über ihr neues Buch zur Erinnerungspolitik, über ihre eigene Aufnahme in eine Familie in Ghana und über europäisch-afrikanische Beziehungen in Zeiten von Corona.

 

Folge 4: CHRISTOPH MARKSCHIES

Der Kirchenhistoriker Christoph Markschies spricht über antike christliche Literatur, seine Vorbereitungen auf das Amt des Akademiepräsidenten und über eine rote Ampel, die sein Leben entscheidend beeinflusst hat.

 

Folge 3: BÉNÉDICTE SAVOY

Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy spricht über afrikanische Kulturgüter in europäischen Museen, über geschlossene Archive und über ihre Sorge, dass die derzeitige Corona-Krise negative Effekte für die Vernetzung von europäischen und afrikanischen Forscher*innen haben könnte.

 

Folge 2: BARBARA STOLLBERG-RILINGER

Die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger erläutert, warum nachfolgende Generationen weitaus milder über Friedrich Wilhem I. urteilten als dessen Zeitgenossen, und sie erklärt, wie die Fellows am Wissenschaftskolleg zu Berlin in Zeiten von Corona arbeiten.

 

Folge 1: MATTHIAS STEINMETZ

Astrophysiker Matthias Steinmetz spricht über die Milchstraße als modernes Naturgemälde, den Carbon Footprint von Wissenschaftlern und darüber, welche Auswirkungen Corona auf den interplanetaren Raum hat.

 

In den kommenden beiden Folgen erleben Sie die Verhaltensforscherin JULIA FISCHER im Gespräch über das Sozialverhalten von Guinea-Pavianen, das frühe Aufstehen im Feld und warum die Corona-Krise auch eine Krise für die Langzeitforschung ist, und den Neurobiologen MARTIN KORTE über wissenschaftliche Kooperationen in Zeiten der Krise, über seine Vorliebe für Vorträge vor Publikum und seine Abneigung gegenüber dem Begriff „Social Distancing“.

 

Viel Freude beim Hören wünschen Ihnen

 

Ann-Christin Bolay & Friederike Krippner

 

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

 

 

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