Preisträger

© Foto: Klaus Michelmann

Den Technikwissenschaftlichen Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, gestiftet vom Marianne und Heinz Duddeck-Fonds,
erhält

Professor Dr.-Ing. Jessica Burgner-Kahrs.


Professor Dr.-Ing. Jessica Burgner-Kahrs, Jahrgang 1981, studierte von 2000 bis 2006 Informatik an der Universität Karlsruhe. 2010 wurde sie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit einer Arbeit zum Thema „Roboter-assistierte Laserknochenablation“ zum Dr.-Ing. promoviert. Bevor Frau Burgner-Kahrs 2012 im Rahmen eines DAAD-Rückkehrstipendiums an die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover kam, war sie zwei Jahre lang als Research Associate an der Vanderbilt University in Nashville (Tennessee/ USA) tätig.

Seit November 2015 leitet sie den Lehrstuhl für Kontinuumsrobotik am Mechatronik-Zentrum der Leibniz Universität, der seinerseits aus ihrer Emmy Noether-Nachwuchsgruppe CROSS hervorging, welche seit 2013 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Derzeit entwickelt das Team um Jessica Burgner-Kahrs ein prototypisches Robotersystem zur Behandlung von Gehirnblutungen bei Schlaganfallpatienten.

Als Erste in Deutschland beschäftigt sich Jessica Burgner-Kahrs mit Kontinuumsrobotern, die sich ihrerseits von bekannten Konzepten der Robotik unterscheiden: So dienen als Roboterarme keine durch Gelenke verbundenen starren Arme, sondern ineinander gesteckte und relativ zueinander koaxial verschieb- und verdrehbare, vorgebogene Röhrchen aus superelastischen Nickel-Titan-Legierungen. Dadurch entsteht ein neuartiger Manipulator, dessen Arbeitsräume und Bewegungsverhalten mit Hilfe der bekannten Algorithmen für Pfad- und Bewegungsplanung der klassischen, starren Robotik nicht beschrieben werden können. Daher ist eine Steuerung derartiger Roboter mit den vorhandenen Algorithmen nicht möglich.

Die besonderen wissenschaftlichen Leistungen Jessica Burgner-Kahrs‘ bestehen darin, dass sie neuartige Algorithmen entwickelt und als Software für den reibungslosen Einsatz von Kontinuumsrobotern implementiert hat. Diese werden beispielsweise in der Chirurgie eingesetzt, so dass auch schwer zugängliche Räume minimalinvasiv erschlossen werden können, die bisher für konventionelle starre Werkzeuge unzugänglich sind.

Jessica Burgner-Kahrs‘ bisherigen wissenschaftlichen Verdienste sind bereits mit einer Reihe von Auszeichnungen gewürdigt worden: So erhielt sie u.a. 2015 den Heinz Maier-Leibnitz-Preis der DFG und den Wissenschaftspreis Niedersachsen in der Kategorie Nachwuchs. Darüber hinaus wurde sie durch das Karriereportal academics der Wochenzeitung Die ZEIT zur „Nachwuchswissenschaftlerin des Jahres 2015“ gekürt. Im Sommer dieses Jahres wurde sie in die „Junge Akademie“ gewählt, die gemeinsam von unserer Akademie und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen wird.

Durch die Verleihung des diesjährigen Technikwissenschaftlichen Preises der Akademie gestiftet vom Marianne und Heinz Duddeck-Fonds an Professor Jessica Burgner-Kahrs, würdigt die Akademie deren herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Kontinuumsrobotik.

Den Technikwissenschaftlichen Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, gestiftet vom Unternehmen inpro - Innovationsgesellschaft,
erhält

Professor Dr.-Ing. Malte Kaspereit.


Malte Kaspereit, Jahrgang 1973, studierte an der TU Clausthal Verfahrenstechnik. Als Doktorand ging er im Jahre 2000 an das neu gegründete Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg, wurde 2006 an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg promoviert und habilitierte sich dort 2011 in Thermischer Verfahrenstechnik. 2011 wurde er als Professor (W2) für Thermische Verfahrenstechnik an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg berufen.

M. Kaspereit hat im zurückliegenden Jahrzehnt herausragende Beiträge auf dem Gebiet der Entwicklung integrierter Stofftrennprozesse zur Erzeugung hochreiner Stoffe geleistet. Bereits in seiner Diplomarbeit, an der er zeitweise am Chemical Engineering Department der Purdue University (USA) arbeitete, befasste er sich mit mit der Entwicklung effizienter chromatographischer Verfahren zur Abtrennung von Zielkomponenten aus Vielstoffgemischen. In seiner Dissertation wandte er sich der in der pharmazeutischen Industrie, der Biotechnologie und der Herstellung von Feinchemikalien essentiellen Aufgabe zu, die Zielprodukte abschließend aufzureinigen. Er spezialisierte sich auf die Trennung sehr ähnlicher Moleküle, insbesondere die von Enantiomeren, d.h. auf die Trennung von paarweise auftretenden und zueinander spiegelbildlich aufgebauten Molekülen − einer Aufgabe, deren außerordentliche Relevanz spätestens seit dem Contergan-Skandal allgemein bekannt ist. Er arbeitet sowohl theoretisch als auch experimentell insbesondere zur Entwicklung neuartiger Verfahren der präparativen Chromatographie. In enger Kooperation mit der Universität in Lappeenrants (Finnland) hat er eine leistungsstarke und erfolgreich eingesetzte Auslegungsmethode entwickelt, inzwischen patentiert und lizenziert. Während seiner Postdoc-Zeit in der Gruppe „Prozesssynthese und Prozesstechnik“ am Magdeburger MPI untersuchte er systematische Fragen der Optimierung und Führung von komplexen Trennprozessen. Im Rahmen einer internationalen Kooperation spielte er eine zentrale koordinierende Rolle bei der Entwicklung von Kombinationen aus Chromatographie und Kristallisation sowie bei der Berücksichtigung und Nutzung von Rückführströmen. In seiner Erlanger Arbeitsgruppe „Integrierte Trennprozesse“ befasst er sich mit vielversprechenden reaktiven Trennprozessen sowie mit weiteren Themenstellungen wie der Feinreinigung und der Nutzung regenerativer Energiequellen.

Seine wissenschaftlichen Ergebnisse sind in mehr als 30 Veröffentlichungen niedergelegt, darunter vielbeachtete Buchkapitel, u.a. in dem Buch „Preparative Chromatographie“.

© Foto:TU-Pressestelle/ Dahl

Den Technikwissenschaftlichen Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, gestiftet vom Unternehmen BIOTRONIK,
erhält

Professor Dr. Marc Alexa.


Marc Alexa, Jahrgang 1974, studierte Physik und Informatik an der Technischen Hochschule Darmstadt, wurde dort 2002 im Fachbereich Informatik promoviert und im selben Jahr zum Juniorprofessor ernannt. 2005 erfolgte der Ruf auf die Professur für Computergraphik an der TU Berlin, 2010 wurde er dort Ordinarius. Gastaufenthalte führten ihn an Hochschulen in der Schweiz, den USA, Israel und Indien. Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit den Walt Disney Forschungslaboratorien in den USA und der Schweiz.

M. Alexa zählt zu den führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Informatik, insbesondere der Computergraphik. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Darstellung, Modellierung und Entwicklung von dreidimensionalen Modellen sowie deren intuitive Benutzeroberflächen.

Schon während seiner Dissertation beschäftigte er sich mit dem Morphing-Verfahren. Als Morphing bezeichnet man die schrittweise, nahezu unmerkliche Verwandlung eines Objekts, Körpers oder Gesichts in ein anderes, die der Computer errechnet. Er entwickelte Algorithmen und Datenstrukturen, mit denen Objekte durch eine Menge von Abtastpunkten dargestellt werden können. Gängige Anwendungen vom Trickfilm bis zur chirurgischen Simulation verwendeten bis dahin Dreiecke zur Abbildung der Objekte. M. Alexas Verfahren ist einfacher und flexibler und daher für viele Anwendungen von Vorteil. Mit seinen Entwicklungen hat er den Beginn eines Trends in der gesamten Computergraphik angestoßen, in dessen Folge sich eigenständige Symposien, Fachzeitschriften und -bücher mit dem Thema der punktbasierten Computergraphik befassten. Auch seine Arbeiten zu intuitiven Benutzerschnittstellen für die Erzeugung dreidimensionaler Objekte stellen eine wegweisende Durchbruchinnovation dar. Die von ihm entwickelten Werkzeuge sind weltweit einzigartig. Sie verwenden neue komplexe Algorithmen und Datenstrukturen, um nach außen, also zum Anwender hin, so unkompliziert und intuitiv wie möglich zu sein. Sie ermöglichen auch Laien eine realistische Computergraphikgenerierung auf der Basis von skizzierten Linien und Drag & Drop-Metaphern. M. Alexas Forschungsergebnisse sind von großer wirtschaftlicher und praktischer Bedeutung. Sie finden Anwendung in der Animationsindustrie wie Walt Disney und in industriellen Ingenieursunternehmen. Die DFG ehrte ihn bereits 2003 mit dem Heinz Meier-Leibnitz-Preis. 2009 war er mit seinem Forschungsteam Apple Research & Technology Support (ARTS) Laureate Winner.

Den Technikwissenschaftlichen Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, gestiftet vom Unternehmen BIOTRONIK,
erhält

Dr. Till Schlösser.


Dr. Till Schlösser (Jahrgang 1965) ist im Bereich der Informationsspeicherung mit CMOS-Nanoelektronik eine der international führenden Persönlichkeiten. Von ihm stammt nicht nur eine große Anzahl von wichtigen Erfindungen, aus denen ganze Patentfamilien entstanden sind, sondern er hat auch in leitender Position diese Erfindungen in industrielle Volumenproduktionen umgesetzt.

Er hat in Konstanz und München Physik studiert (Diplom 1992) und dann in Konstanz mit einer Arbeit über Quantentransport im Jahre 1996 promoviert. Anschließend trat er in den Bereich Halbleiter der Siemens AG in München ein. Dort beschäftigte er sich mit innovativen Konzepten für dynamische und nichtflüchtige Informationsspeicherung im Gigabit-Bereich.

Nach seinem Wechsel zur Fa. Infineon in Dresden Ende 2000 war er verantwortlich für die Erstdurchläufe mehrerer neuer Generationen von dynamischen Speicherchips (DRAM-Chips). Ihm gelangen dabei bei Infineon und ab 2006 bei deren Tochterunternehmen Qimonda zahlreiche bedeutende Innovationen, für die ihn die Firmen auszeichneten und die in über 90 Patentschriften und -familien dokumentiert sind, bei denen er als Erfinder oder Miterfinder gewirkt hat.

Mit der von ihm maßgeblich entwickelten "Buried Wordline Technology" für dynamische Speicherchips hat er eine Spitzentechnologie bis zur Serienreife geführt. Ihm ist es mit diesem zukunftsweisenden Konzept gelungen, die kleinste jemals hergestellte dynamische Speicherzelle zu realisieren. Mit dieser Zelle lassen sich auf mehreren Ebenen erhebliche Verbesserungen erreichen. So konnte er die parasitären Kapazitäten wesentlich verringern und dadurch den Leistungsverbrauch der Speicherchips signifikant herabsetzen sowie die Lese- und Schreibgeschwindigkeit der Daten deutlich erhöhen. Weiterhin hat er durch die innovative Bauform der Speicherzelle die Leckströme erheblich reduzieren können, was sich in einer höheren Ausbeute bereits beim Hochfahren der Volumenproduktion bemerkbar macht. Die extrem kleinen Zellflächen bieten auch einen wichtigen wirtschaftlichen Vorteil, da sich bei gleichen Kosten mehr Chips pro Siliziumwafer fertigen lassen.

Bei T. Schlösser handelt es sich um einen brillanten Wissenschaftler der jüngeren Generation, der es in hervorragender Weise verstanden hat, in einem Hochtechnologiefeld mit wissenschaftlicher Methodik wichtige Erfindungen in ein Produkt einzubringen, dem DRAM-Speicherchip, der Bestandteil vieler Geräte des täglichen Lebens ist, um so dessen Leistungsfähigkeit wesentlich zu steigern und gleichzeitig die Herstellungskosten zu reduzieren. Er hat als Projektleiter mit hohem persönlichem Einsatz die Leistungsfähigkeit der industriellen Forschung und Entwicklung in der deutschen Mikroelektronik-Industrie, auch in schwieriger Zeit, unter Beweis gestellt. T. Schlösser ist mittlerweile für die Firma Global Foundries in Dresden tätig.

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften anerkennt mit der Verleihung ihres Technikwissenschaftlichen Preises die herausragenden wissenschaftlich-technischen Leistungen von Dr. Till Schlösser.

Kontakt
Dr. Karin Elisabeth Becker
Leiterin des Präsidialbüros
Präsidialbüro
Tel.: +49 (0)30 20370 241
becker@bbaw.de 
Jägerstraße 22/23
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