Ehrenmitglieder

© Foto: Bernd Schuller

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften verleiht

Professor Dr. rer. nat. Dr. h. c. mult. Hubert Markl

ihre Ehrenmitgliedschaft in Anerkennung seiner herausragenden Lebensleistung.


Mit der Ehrenmitgliedschaft der Akademie kann ausgezeichnet werden, wer sich durch seine Lebensleistung um die Wissenschaft oder deren Anwendung in besonderer Weise verdient gemacht hat. Dies trifft auf Hubert Markl in geradezu exemplarischer Weise zu.

Als Zoologe und Verhaltensforscher von internationalem Rang ist der im Jahre 1938 geborene Regensburger weit über die Grenzen seiner Disziplin hinaus bekannt und anerkannt und wurde in beeindruckender Weise gewürdigt. Als Biologe hat er sich vor allem der Evolutions- und Verhaltensforschung gewidmet, ohne dabei die Breite seines Faches aus den Augen zu verlieren. Er hat über Natur- und Umweltschutz, Wissenschafts- und Forschungsförderung sowie über das Verhältnis von Wissenschaft und Öffentlichkeit gearbeitet. Wir kennen und schätzen ihn als Naturwissenschaftler und begnadeten Essayisten, als streitbaren Geist und brillanten Denker. Mit seinem Namen verbindet sich ein leidenschaftliches Interesse für die Grundfragen unserer Zeit – von den Möglichkeiten der modernen Wissenschaft und ihrer ethischen Verantwortung bis hin zur Bedrohung unseres Planeten durch Umweltzerstörung und exponentiellen Populationszuwachs. Mit der gleichen Leidenschaft vermochte er es, einer breiten Öffentlichkeit komplexe Zusammenhänge verständlich zu vermitteln; er hat als Kommunikator der Wissenschaft Brücken geschlagen, hohe Maßstäbe gesetzt und im besten Sinne des Wortes Gesellschaftsberatung betrieben. Er wurde als wohl wichtigster Forschungslobbyist Deutschlands wahrgenommen, als Mentor und Anwalt für die Freiheit der Wissenschaft.

Hubert Markl studierte Biologie, Chemie und Geographie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wurde dort 1962 zum Dr. rer. nat. promoviert, um sich 1967 – ebenfalls für Fach Zoologie – an der Universität Frankfurt am Main zu habilitieren. Nachdem er von 1968 bis 1974 ordentlicher Professor und Direktor des Zoologischen Instituts der Technischen Hochschule Darmstadt war, wurde er 1974 als ordentlicher Professor an die Universität Konstanz berufen, der er bis heute – seit 2003 im Ruhestand – verbunden ist.

Bereits mit 36 Jahren wurde Hubert Markl in den Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gewählt und hatte das 40. Lebensjahr noch nicht erreicht, als diese ihn 1977 zum Vizepräsidenten berief – eine Zeit, die er einmal als mehrjähriges Praktikum der angewandten Verhaltensforschung in der Wissenschaftspolitik bezeichnete und die sowohl für seinen eigenen beruflichen Werdegang als auch für das Wissenschaftssystem der Bundesrepublik folgenreich war.

Wissenschaftspolitik, Wissenschaftsmanagement und akademische Spitzenämter prägen in der Folgezeit seinen beruflichen Alltag: als Präsident der DFG von 1986 bis 1991 – zeitgleich als Vizepräsident der Alexander von Humboldt-Stiftung –, anschließend als Gründungspräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, danach bis 2002 als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Mehr als anderthalb Jahrzehnte hat er die Entwicklung von Wissenschaft und Forschung an entscheidender Stelle maßgeblich mitgeprägt, Weichen gestellt, neue Akzente gesetzt, unübersehbar Spuren hinterlassen. Den schwierigen Umgestaltungsprozess der Wissenschaft im Zuge der deutschen Wiedervereinigung gestaltete er aktiv mit, scheute nicht die Verantwortung für einschneidende Veränderungen und unpopuläre Entscheidungen, erkannte und nutzte zugleich die sich eröffnenden Chancen. Seine Amtszeit als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft ist verbunden mit dem Aufbau der Institutsstandorte in Dresden, Leipzig, Halle (Saale), Rostock und Potsdam, die heute internationale Spitzenpositionen einnehmen, mit der Gründung der „International Max Planck Research Schools“ sowie mit dem beeindruckenden Anstieg der an Max-Planck-Instituten forschenden Doktoranden von über 2.500 auf rund 4.300 – eine enorme wissenschaftspolitische Leistung, bei der er einmal mehr sein scharfes Urteilsvermögen, seine überzeugende Argumentationskraft, seine wissenschaftspolitische Weitsicht und sein Durchsetzungsvermögen unter Beweis stellte. Als erster Präsident der Max-Planck-Gesellschaft ermöglichte er es, die Verbrechen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft während des Nationalsozialismus vorbehaltlos zu untersuchen, um sich schließlich öffentlich in beeindruckender und zutiefst ehrlicher Weise bei den Opfern zu entschuldigen – eine Haltung, die große Hochachtung verdient.

Hubert Markl hat sich nicht nur Verdienste um die Wissenschaft erworben, sondern auch „um sein Land und seine Menschen“, wie es 2004 in der Begründung für die Verleihung des Ehrenrings der Eduard-Rhein-Stiftung heißt. Seit Mitte der 1980er Jahre erfahren seine Leistungen fast jährlich, oft mehrfach, besondere öffentliche Anerkennung mit hohen Auszeichnungen, darunter der Karl-Winnacker-Preis (1991), der Ernst-Robert-Curtius-Preis (1995), die Harnack-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft (2004) und der Hanns-Martin-Schleyer-Preis (2005). Mehrere Bundesländer verliehen ihm ihre höchsten Orden – darunter der Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg (1997), der Bayerische Verdienstorden (2001) und die Bayerische Verfassungsmedaille in Silber (2002). Die Bundesrepublik Deutschland ehrte ihn ihrerseits mehrfach: mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1990), dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens (1992) sowie mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern (1999). Ehrendoktorate von Universitäten in aller Welt – darunter Dublin, New York, Tel Aviv, Jerusalem und das Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel) –, Mitgliedschaften in fast allen Akademien der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, in der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sowie in ausländischen Akademien, darunter die American Academy of Arts and Sciences (seit 1985), die Academia Europaea (seit 1988), die Indian Academy of Sciences (seit 1991), die Polnische Akademie der Wissenschaften (seit 2000) und die Royal Society (seit 2002) sowie natürlich die Ehrenmitgliedschaft der Max-Planck-Gesellschaft zählen zu der schier endlos anmutenden Liste von Auszeichnungen, mit denen das Lebenswerk Hubert Markls gewürdigt wurde.

Die Akademie möchte diesen Auszeichnungen nun mit ihrer Ehrenmitgliedschaft eine weitere hinzufügen. Neben all dem bislang Gesagten möchte sie auf diese Weise vor allem auch die besonderen Verdienste Hubert Markls um die Akademie selbst in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Als Gründungspräsident war er maßgeblich daran beteiligt, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften mit über die Geisteswissenschaften hinaus interdisziplinärer Ausrichtung und mit überregionaler und internationaler Mitgliederschaft als eine moderne Arbeitsakademie mit innovativen Arbeitsformen auf den Weg zu bringen und mit dem ihm eigenen Geschick und wissenschaftspolitischer Weitsicht in dem bislang streng regional organisierten Akademiensystem in Deutschland zu etablieren, um ihr darüber hinaus im gesamten Wissenschaftssystem und in der Politik Platz und Stimme zu verleihen. Seine Aufbauarbeit war im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig – und sie war im besten Sinne des Wortes ein Stück lebendige deutsche Wiedervereinigung, ist doch die Akademie selbst ein Kind der Wiedervereinigung.

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften ist sich dieser herausragenden Leistung bewusst und würdigt sie mit der Ernennung von Hubert Markl zu ihrem Ehrenmitglied.

© Foto: Amélie Losier

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften verleiht

Professor Dr. phil. Dr. h. c. Eberhard Lämmert

ihre Ehrenmitgliedschaft in Anerkennung seiner außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen.


Eberhard Lämmert gehört zu den großen Gelehrten der älteren Generation in der Allgemeinen und germanistischen Literaturwissenschaft, der sich große Verdienste um die Neubegründung der Germanistik nach dem Zweiten Weltkrieg erworben hat. Er wurde 1924 in Bonn geboren und studierte Geologie und Mineralogie in Bonn sowie Germanistik, Geschichte und Geografie in München und Bonn, wo er auch promoviert und habilitiert wurde. Zunächst lehrte er von 1961 bis 1970 als Professor für Deutsche Philologie und Allgemeine Literaturwissenschaft in Berlin, wechselte dann nach Heidelberg, um schließlich von 1977 bis zu seiner Emeritierung 1992 erneut an der Freien Universität Berlin Allgemeine Literaturwissenschaft zu lehren. Gastprofessuren führten ihn nach Aarhus (Dänemark), Princeton (USA), Cambridge (Großbritannien), St. Louis (USA) und São Paulo (Brasilien). Von 1976 bis 1983 war Eberhard Lämmert zugleich Präsident der Freien Universität Berlin, steuerte sie in sehr schwieriger Zeit und richtete in dieser Funktion auch das Institut der „Universitätsvorlesung“ für eine breitere Öffentlichkeit ein. Des Weiteren war er von 1996 bis 1999 Gründungsdirektor des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin und von 1998 bis 2004 Direktor am Forschungszentrum für Europäische Aufklärung Potsdam.

In der seit dem 19. Jahrhundert bestehenden wissenschaftlichen Tradition ist Eberhard Lämmert Philologe: in der Germanistik bedeutet dies, dass das Fach sowohl die ältere als auch die neuere Literatur umfasst. E. Lämmert wurde in der neueren Literatur promoviert und hat sich in der älteren (mit einer editionsphilologischen Arbeit zum Spätmittelalter) habilitiert. Seine bahnbrechende Dissertation ist eines der bedeutendsten Werke der deutschen Nachkriegsgermanistik: Die „Bauformen des Erzählens“ markieren eine wissenschaftsgeschichtliche Zäsur, weil sie die an der traditionalen Hermeneutik Diltheys orientierte Interpretation durch eine Strukturanalyse ablösen und eine moderne Narratologie begründen. Durch den verstärkten Austausch zwischen Sprach- und Literaturwissenschaft konnte sich dann auch ein neuer Literaturbegriff entwickeln, der für die Folgezeit in allen Philologien wichtig wurde.

Der zweite für die Entwicklung der neueren Philologien zentrale Forschungsbereich Eberhard Lämmerts ist die moderne Fachgeschichtsschreibung. Wiederholt und zu Recht ist darauf hingewiesen worden, dass erst mit dem bedeutsamen Münchner Germanistentag von 1966 eine selbstkritische Analyse der Geschichte der Literaturwissenschaft einsetzte, die in der Wissenschaftsgeschichtsschreibung bis heute weiterwirkt. Vor allem zusammen mit Karl Otto Conrady hat Eberhard Lämmert diesen historischen Moment noch vor der 68er-Bewegung genutzt, um auf die Notwendigkeit einer Wissenschaftsgeschichte der Geisteswissenschaften aufmerksam zu machen.

Über die Jahrzehnte hinweg hat Eberhard Lämmert als Wissenschaftler, Wissenschaftsorganisator, öffentlicher Intellektueller und engagierter Bürger das kulturelle Leben Berlins gefördert, im Wissenschaftsbereich der Region eine wirkungsvolle Rolle gespielt und die öffentliche Diskussion im Überschneidungsfeld von Wissenschaften, Kultur und Politik nachhaltig bereichert. Über die Jahrzehnte hinweg ist er ein herausragender Vertreter der deutschen Geisteswissenschaften auf nationaler und internationaler Ebene geblieben. Gleichzeitig blieb er der produktive Wissenschaftler – 2009 erschien der Sammelband „Respekt vor den Poeten. Studien zum Status des freien Schriftstellers“, der literaturwissenschaftliches und historisches Denken verbindet und seinem Fach unverwechselbare Anstöße gegeben hat. Er gehört zu den Mitbegründern eines neuen Faches, der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, an der Freien Universität Berlin.

Ob als langjähriger Präsident der Deutschen Schillergesellschaft, ob als Präsident der Freien Universität Berlin, als Kuratoriumsvorsitzender des Einstein Forums Potsdam, als Mitglied des Kuratoriums und des Vorstandes des Deutschen Akademischen Austauschdienstes oder als Gründungsdirektor des Zentrums für Literaturforschung Berlin – wohl kaum ein anderer seiner Generation hat sich in dieser Weise um die Zukunft der geisteswissenschaftlichen Forschung verdient gemacht wie Eberhard Lämmert. Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Eberhard Lämmert ihre Ehrenmitgliedschaft verleiht, würdigt sie seine außerordentliche wissenschaftliche Lebensleistung.

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften verleiht

Professor Dr. rer. nat. Dr. h.c. mult. Gerhard Ertl

ihre Ehrenmitgliedschaft in Anerkennung seiner außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen.


Gerhard Ertl wurde 1936 in Stuttgart geboren. Er studierte Physik in Stuttgart, Paris und München, wo er 1965 auch zum Dr. rer. nat. promoviert wurde. Zwei Jahre später habilitierte er sich und wurde 1968 zum Professor und Direktor am Institut für Physikalische Chemie der Technischen Hochschule Hannover (heute Gottfried Wilhelm Leibniz­ Universität Hannover) ernannt. 1973 ging er für die folgenden 13 Jahre nach München zurück und wurde ordentlicher Professor und Direktor am Institut für Physikalische Chemie der Ludwig-Maximilians-Universität. 1986 wechselte er nach Berlin, wo er zum Direktor der Abteilung für Physikalische Chemie am traditionsreichen Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft berufen wurde. 2004 wurde er emeritiert.

Gerhard Ertl ist einer der bedeutendsten Chemiker unserer Zeit. Zu seinen Hauptarbeitsgebieten gehören die Chemie und Physik von Oberflächen und das umfassende Phänomen der heterogenen Katalyse, deren physikalische Begründung er revolutionierte. Obwohl ein Großteil der Prozesse in der chemischen Industrie auf der Anwendung der heterogenen Katalyse beruhen, hielt die physikalische Durchdringung des Phänomens und das Verständnis seiner atomaren Grundlagen nicht mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt. Die Aufklärung der Elementarschritte dieser Reaktion und der atomaren Struktur war deshalb ein zentrales Ziel der Katalyseforschung.

Ein Problem dieser Größenordnung, das einen Paradigmenwechsel zu seiner Lösung erforderte, reizte Gerhard Ertl. Mit klassischen Arbeiten, die eindeutige Oberflächenstrukturen mit exakten Informationen über deren Wechselwirkung mit Wasserstoff verbinden, lieferte er Eichmarken für die theoretische Beschreibung katalytischer Prozesse. Durch Entwicklung, Nutzbarmachung und Nutzung von Methoden der Oberflächenphysik konnte er die Ammoniak-Synthese und gleichzeitig die komplexe Struktur des Eisenkatalysators aufklären und korrekt beschreiben. Seine Arbeiten zur Katalyseforschung haben wesentlich dazu beigetragen, dass viele weitgehend unverstandene Prozesse der technischen Katalyse im Ansatz aufgeklärt werden konnten. Die Erkenntnisse, die aus seiner Arbeit gewonnen werden konnten, sind für viele wirtschaftlich genutzte Prozesse von großer Bedeutung: So wurden erst durch seine Forschung die Vorgänge in den Katalysatoren von Autos vollständig nachvollziehbar.

Durch die außergewöhnliche Qualität seiner Arbeiten hat sich Gerhard Ertl großes Ansehen und unumstrittene internationale Autorität erworben. Gastprofessuren führten ihn bereits früh in die USA. Er ist Honorarprofessor aller drei Berliner Universitäten und Ehrenmitglied der Technischen Universität Berlin. In Anerkennung seiner vielfältigen und bedeutenden Verdienste um die Wissenschaft wurde er mit vielen deutschen und internationalen Preisen, wie dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem israelischen Wolf-Foundation Prize in Chemistry, dem Japan-Prize sowie mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern geehrt. Darüber hinaus ist er Mitglied zahlreicher deutscher und ausländischer Akademien der Wissenschaften und wurde mit einer Vielzahl von Ehrendoktoraten ausgezeichnet. 2007 schließlich erhielt Gerhard Ertl den ungeteilten Nobelpreis für Chemie „für seine Untersuchungen chemischer Prozesse auf festen Oberflächen“.

Als langjähriger Direktor des Fritz-Haber-Instituts machte er Berlin zu einem anerkannten Standort der Katalyseforschung. Herr Ertl und seine Kollegen haben die Berliner Universitäten stets als Partner auf diesem Weg gesehen und insbesondere das Exzellenzcluster auf dem Gebiet der Katalyse sowie mehrere Sonderforschungsbereiche initiiert. Darüber hinaus war Gerhard Ertl nicht nur ein gefragter Ratgeber bei der Neustrukturierung der naturwissenschaftlichen Einrichtungen in Berlin nach 1989, sondern er hat sich auch als Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften bleibende Verdienste erworben.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Gerhard Ertl ihre Ehrenmitgliedschaft verleiht, würdigt sie zum einen seine außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen bei der Erforschung der Grundlagen der Katalyse. Zum anderen stellt die Auszeichnung auch eine Wertschätzung seiner Verdienste um die Förderung der Naturwissenschaften in der Hauptstadtregion sowie seines herausragenden Engagements beim Aufbau der Akademie als Gründungsmitglied und erster Sekretar der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse dar.

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften verleiht

Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Harald zur Hausen

ihre Ehrenmitgliedschaft in Anerkennung seiner außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen.


Harald zur Hausen ist ein Pionier der medizinischen Virologie. Er wurde 1936 in Gelsenkirchen-Buer geboren und studierte Medizin und Biologie in Bonn, Hamburg und Düsseldorf, wo er 1960 zum Dr. med. promoviert wurde. Nach Stationen als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Düsseldorf sowie als Assistant Professor an der University of Philadelphia habilitierte er sich 1969 für das Fach Virologie an der Universität Würzburg. Von 1972 bis 1977 hatte er den Lehrstuhl und die Leitung des Instituts für Klinische Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg inne, 1977 übernahm er den Lehrstuhl für Virologie und Hygiene an der Universität Freiburg im Breisgau. Von 1983 bis zu seiner Emeritierung 2003 war er Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstandes des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Darüber hinaus ist er seit 1988 Honorar-Professor an der Universität Heidelberg. Anfang 2010 hat Harald zur Hausen das Amt des Präsidenten der Deutschen Krebshilfe e.V. übernommen.

Das vorrangige Forschungsinteresse Harald zur Hausens gilt seit langem dem Einfluss von Viren bei der Tumorentstehung. Bereits vor mehr als dreißig Jahren vermutete er gegen die herrschende Lehrmeinung einen Zusammenhang zwischen Infektionen mit humanen Papilloma-Viren (HPV) und Gebärmutterhalskrebs. Anfang der 1980er Jahren konnte er mit seiner Arbeitsgruppe erstmals die Virentypen HPV 16 und HPV 18 aus einer Gebärmutterhalskrebsprobe isolieren – eine medizinische Sensation. Seine Entdeckung führte zur Charakterisierung der natürlichen Geschichte der HPV-Infektion, zu einem Verstehen der Mechanismen der HPV-ausgelösten Krebsentstehung und zur Entwicklung vorbeugender Impfstoffe gegen eine Ansteckung mit humanen Papilloma-Viren. Der auf Grundlage seiner Forschungsergebnisse entwickelte Impfstoff eröffnet völlig neue Perspektiven der Prävention und ist zugleich auch ein eindrucksvolles Beispiel für erfolgreichen Technologietransfer aus der Grundlagenforschung.

Neben seinen herausragenden wissenschaftlichen Leistungen, mit denen Harald zur Hausen in geradezu revolutionärer Weise ein überkommenes medizinisches Dogma brach, ist er auch stets ein begeisternder akademischer Lehrer gewesen. Darüber hinaus entwickelte sich das Deutsche Krebsforschungszentrum unter seiner Ägide und Führung innerhalb weniger Jahre zu einer Institution mit internationaler Geltung und Ausstrahlung: Er erweiterte die Zusammenarbeit des Deutschen Krebsforschungszentrums mit Universitätskliniken, und die klinischen Kooperationseinheiten sichern so die Verzahnung von Grundlagenforschung und klinischer Medizin, so dass Forschungsergebnisse so schnell wie möglich in die Praxis übertragen werden können.

Zahlreiche Ehrendoktorate und Mitgliedschaften in- und ausländischer Akademien der Wissenschaften – u.a. war er auch Vizepräsident der Leopoldina – zeugen von der hohen Wertschätzung, die diesem Forscher seit Jahrzehnten entgehen gebracht wird. Seine wissenschaftlichen Leistungen sind mit hohen Ehrungen wie u.a. dem Robert-Koch-Preis (1975), dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstädter-Preis (1994), dem Großen Bundesverdienstkreuz (2004), dem thailändischen Prince Mahidol Award (2006) und dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern (2009) gewürdigt worden.

Im Jahr 2008 schließlich wurde Harald zur Hausen für seine Entdeckung, das humane Papilloma-Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung zuteil, der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Mit der Verleihung ihrer Ehrenmitgliedschaft würdigt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Harald zur Hausens außerordentliche wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Krebsforschung, die einen entscheidenden Durchbruch bei der Aufklärung und Bekämpfung dieser heimtückischen Krankheit darstellen und wirksame Wege zur Vorsorge eröffnet haben.

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften verleiht

Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Werner Albring

ihre Ehrenmitgliedschaft in Würdigung seines wissenschaftlichen Lebenswerkes.


Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Werner Albring, geboren 1914 im westfälischen Schwelm, ist einer der maßgeblichen Strömungsdynamiker unserer Zeit – mit reichem Schrifttum und zahlreichen praktischen Weiterungen gilt er als einer der Väter der heutigen Strömungsmechanik. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften nimmt seinen bevorstehenden 90. Geburtstag zum Anlass Werner Albring in besonderer Weise zu ehren.

Das Curriculum vitae von Werner Albring ist in hohem Maße durch die Brüche und politischen Wechsel des vergangenen Jahrhunderts geprägt: Von 1934 bis 1939 studierte er Maschinenbau an der Technischen Hochschule (heute: Universität) Hannover, wo er 1941 mit einer Arbeit über „Kraftmessungen am schwingenden Tragflügel“ zum Dr.-Ing. promoviert wurde. Nach zweijähriger Assistenz arbeitete er von 1941 bis 1945 als Stellvertretender Leiter am Institut für Aeromechanik und Flugtechnik an der Technischen Hochschule in Hannover. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm W. Albring eine Tätigkeit bei den Zentralwerken im thüringischen Bleicherode auf und wurde 1946 zum Abteilungsleiter für Aerodynamik berufen. Noch im gleichen Jahr wurden er und seine Familie gemeinsam mit anderen ausgewählten Spezialisten in die damalige Sowjetunion zwangsverpflichtet. Für die Dauer von sechs Jahren arbeitete W. Albring als Aerodynamiker auf der im Seligersee gelegenen Insel Gorodomlia (Institut Nr. 88, Ostaschkow). In strenger Abgeschiedenheit war er in dieser Zeit maßgeblich an der Entwicklung und Konstruktion von Trägerraketen beteiligt. Über dieses wenig bekannte Kapitel deutscher Wissenschaftsgeschichte, das erst vergleichsweise spät in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses rückte, berichtete Albring selbst in eindrucksvoller Weise in der 1991 erschienenen Publikation „Gorodomlia. Deutsche Raketenforscher in Rußland“. 1952 kehrte Werner Albring aus der Sowjetunion zurück und wurde zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule (später: Technische Universität) Dresden und zum Direktor des neugegründeten Instituts für Angewandte Strömungslehre berufen. Ab 1955 war er zugleich für die Dauer von fünf Jahren nebenamtlicher Bereichsleiter für Forschung in der Forschungs- und Versuchsanstalt für Strömungsmaschinen in Dresden. Für mehr als ein Vierteljahrhundert prägte Werner Albring mit seinen herausragenden wissenschaftlichen Leistungen den Stil des Instituts für Angewandte Strömungslehre der Technischen Universität Dresden und begründete dessen hohes Ansehen sowohl im In- als auch im Ausland. Auch nach seiner Emeritierung im Jahre 1979 blieb er seiner Dresdner Wirkungsstätte auf das engste verbunden.

Zu Albrings Hauptarbeitsgebieten gehören Strömungsprobleme der Turbomaschinen und die Turbulenzforschung sowie insbesondere die strömungstechnische Auslegung und Optimierung von Turbomaschinen und Schaufelgittern, die vielgestaltige Anwendung der Ähnlichkeitsmechanik bei Strömungsvorgängen und das Turbulenzproblem, also die Beschreibung der Bewegung von Einzelwirbeln, von ganzen Wirbelfeldern und Wirbelsystemen. Zu diesen und weiteren Themen hat er eine Vielzahl wissenschaftlicher Vorträge gehalten sowie zahlreiche Publikationen vorgelegt – exemplarisch genannt seien in diesem Zusammenhang Albrings „Angewandte Strömungslehre“ (erstmals 1961), die zu einem Standardwerk der Strömungsmechanik avancierte und in mehreren Auflagen vorliegt, sowie sein Beitrag über „Elementarvorgänge fluider Wirbelbewegungen“ (1981).

Werner Albring war und ist zunächst ein Spezialist der Strömungsmechanik von exzellenter Fachkompetenz. Dabei hat er jedoch immer versucht, die Forschungsergebnisse seines eigentlichen Fachgebiets in größere Kontexte einzuordnen. Auch wenn er in seinen Forschungen bestimmte spezielle Strömungsprobleme behandelte, so leitete Albring daraus meist neue, physikalisch begründete Systematiken ab. Sein interdisziplinäres Denken und Wirken ging dabei weit über den Bereich der Technikwissenschaften hinaus: So beschäftigten ihn Fragen der Folgen des technischen Fortschritts auf das menschliche Zusammenleben ebenso wie Probleme der gesellschaftlichen Umwelt des Technikwissenschaftlers, strömungsmechanische Arbeiten auf dem Gebiet der Biologie und der Lebewesen sowie wissenschaftshistorische Aspekte und Problemstellungen. Ein bei Albring immer wiederkehrendes Thema ist seine Auseinandersetzung mit ethischen Fragen, insbesondere mit dem Problem der Entwicklung und des Baus von Waffen – davon zeugen u.a. Arbeiten wie z.B. „Entwicklungsimpulse von Physik und Technik: Anwendungen zum zivilen Gebrauch und zu Waffen“ (1985) sowie „Gedanken eines Technikers über die Ethik“ (1987).

Während seines Wirkens als Hochschullehrer und Wissenschaftler an der Technischen Universität Dresden, hat er den Lebensweg seiner Schüler entscheidend beeinflusst. Seine wissenschaftliche Exzellenz, seine auf Forschung und die Grundlagendisziplinen bezogene universitäre Ausbildung, seine anschauliche, verständliche und anwendungsfreundliche Darstellungsweise als Hochschullehrer sowie eine immer wieder bewiesene Balance zwischen theoretischen und experimentellen Untersuchungen ermöglichten es einer Persönlichkeit vom Format Werner Albrings, das Technikstudium ganzer Studentengenerationen von der Mitte der 50er bis in die 80er Jahre hinein in maßgeblicher Weise zu prägen. Zahlreiche Lehrstühle für Strömungstechnik und verwandte Gebiete an den Hochschulen und Universitäten der ehemaligen DDR wurden von Albrings Schülern eingenommen.

Von der hohen Wertschätzung seiner wissenschaftlichen Leistungen und Verdienste zeugen eine Reihe von Auszeichnungen und Ehrungen: So gehörte er der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (später Akademie der Wissenschaften der DDR genannt) seit 1959 als korrespondierendes Mitglied, seit 1961 als ordentliches Mitglied an und wirkte auch hier in aktiver Weise weit über sein unmittelbares Fachgebiet hinaus. 1972 wurde Albring mit dem Nationalpreis der DDR für Wissenschaft und Technik ausgezeichnet, 1984 erfolgte die Berufung in die Evangelische Forschungsakademie Berlin. Die Technische Universität Leningrad (St. Petersburg) und die Technische Universität Budapest verliehen ihm 1985 bzw. 1991 die Ehrendoktorwürde; 1995 erhielt er mit dem Ludwig-Prandtl-Ring die höchste Auszeichnung, welche die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt „für Verdienste durch hervorragende eigene Arbeiten um die Flugwissenschaften in all ihren Disziplinen“ zu vergeben hat. Humanistischen Idealen verpflichtet, hat Werner Albring seine Integrität als Wissenschaftler und seine politische Unabhängigkeit im System der DDR bewahrt. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften wählte ihn bereits 1994, unmittelbar nach ihrer Neukonstituierung, zum Außerordentlichen Mitglied. Seit 2002 ist W. Albring Mitglied von „acatech – Konvent für Technikwissenschaften der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften e.V.“.

Indem die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften ihrem Außerordentlichen Mitglied Werner Albring nunmehr die Ehrenmitgliedschaft der Akademie verleiht, würdigt sie mit dieser Auszeichnung das wissenschaftliche Lebenswerk dieses international anerkannten Strömungsmechanikers und Hochschullehrers.

Kontakt
Dr. Karin Elisabeth Becker
Leiterin des Präsidialbüros
Präsidialbüro
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