Projektdarstellung
Erhaltungsschema mit Erläuterungen

Aufgabe der Arbeitsstelle für Glasmalereiforschung des „Corpus Vitrearum Medii Aevi” (CVMA) in Potsdam ist es, mittelalterliche Glasmalereien zu inventarisieren, fotografisch zu dokumentieren, wissenschaftlich zu bearbeiten und nach den Richtlinien des CVMA zu publizieren. Das CVMA ist ein internationales Forschungsunternehmen, an dem alle europäischen Länder mitwirken, zu deren Kulturerbe mittelalterliche Glasmalereien zählen. Beteiligt sind daran auch die USA und Kanada.

 

Arbeitsaufgaben
Aufgabe des CVMA Potsdam ist es, die mittelalterlichen Glasmalereien in den Neuen Bundesländern zu inventarisieren, wissenschaftlich aufzuarbeiten und durch Publikation der Forschung zugänglich zu machen. Zu diesem Zweck werden die Glasmalereien in einer materialtechnischen Untersuchung auf eventuelle Ergänzungen bzw. Restaurierungen überprüft; sie werden fotografiert, auf Stil und Ikonographie untersucht sowie nach ihrer Entstehung und Funktion innerhalb des Kirchenraumes befragt. Die Ergebnisse münden in Publikationen, die alle nach einem einheitlichen Schema aufgebaut sind.

Zur Geschichte
Die von Richard Hamann 1953 gegründete und anfangs von Edgar Lehmann geleitete Arbeitsstelle für Kunstgeschichte an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (DDR) nahm sich 1954 auch der wissenschaftlichen Bearbeitung der mittelalterlichen Glasmalerei der DDR im Rahmen des Corpus Vitrearum Medii Aevi an. Als 1971 aus politischen Gründen die Auflösung der Arbeitsstelle verfügt wurde, konnten einige Arbeitsanliegen - darunter auch das des CVMA – als Teil des Instituts für Denkmalpflege beim Ministerium für Kultur der DDR weitergeführt werden. Unter der Leitung von Erhard Drachenberg wurde die Abteilung Glasmalerei (CVMA) Berlin aufgebaut. Die politische Wende zog 1989 auch die Auflösung des Instituts für Denkmalpflege der DDR nach sich. Das Fortbestehen der Abteilung Glasmalerei blieb so lange unsicher, bis ihre Zukunft ab April 1991 dank einer zeitbegrenzten Übergangsfinanzierung durch das Bundesministerium des Inneren bei gleichzeitiger organisatorischer Anbindung an das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege wenigstens vorläufig gesichert war. Am 1. Januar 1992 wurde aus ihr schließlich die Arbeitsstelle für Glasmalereiforschung des „Corpus Vitrearum Medii Aevi” (CVMA) an der seinerzeit in der Neukonstituierung begriffenen Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Zur Ausstattung
Die Arbeitsstelle für Glasmalereiforschung des CVMA in Potsdam ist im Besitz zahlreicher, im Zuge von Restaurierungskampagnen entstandener Dokumentationskarteien sowie eines Fotoarchivs mit ca. 50.000 Aufnahmen in Schwarzweiß und Farbe, die, angefangen bei den ältesten Aufnahmen aus der Zeit um 1900, nicht selten unterschiedliche Erhaltungszustände einzelner Fenster festhalten. Der in Dauerleihgabe in das Archiv gelangte fotografische Nachlaß des bedeutenden Glasmalereiateliers Linnemann ergänzt die Bestände. Für Aufnahmen, die im Rahmen der Corpus-Arbeit entstanden sind, nimmt das CVMA in Potsdam jederzeit Fotobestellungen und Reproduktionsanfragen entgegen. Ferner verfügt die Arbeitsstelle über eine Spezialbibliothek zum Thema Glasmalerei, deren seit 1997 erworbene Bestände im Online-Katalog der Bibliothek der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften einsehbar sind.

Zur Arbeit
Die wissenschaftliche Bearbeitung der mittelalterlichen Glasmalereien erfolgt nach den Richtlinien des Internationalen CVMA. Von den vorgesehenen zwölf Bänden für die neuen Bundesländer sind mittlerweile sieben erschienen. Sie behandeln die mittelalterlichen Glasmalereien in Erfurt, Stendal, Mühlhausen/Thür., Halberstadt, Werben, Kloster Neuendorf sowie Berlin und Brandenburg. Die Publikation der Bestände des südlichen Teils Sachsen-Anhalts ist derzeit in Vorbereitung. Ihnen werden die Bestandsaufnahmen und Veröffentlichungen mittelalterlicher Glasmalerei in den Bundesländern Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern folgen.

Neben der eigentlichen Corpus-Arbeit setzt sich die Arbeitsstelle für Glasmalereiforschung des CVMA in Potsdam zunehmend auch für die Sicherung und Wiederherstellung historischer Glasmalerei ein. Mit Hilfe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt  (DBU) und in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Materialforschung und –prüfung  (BAM) konnten mehrere Projekte in Angriff genommen werden, die nicht nur mittelalterliche, sondern auch nachmittelalterliche Glasmalereien instandsetzen halfen und so zahlreiche Verglasungskomplexe vor ihrer Zerstörung bewahrten.

 

Hierzu zählen:

  • Die Wiederherstellung der mittelalterlichen Glasfenster in der Johanniskirche zu Werben/Elbe (1993).
  • Die Entwicklung und Anwendung modellhafter Methoden zum Schutz national wertvoller Glasmalereien in Sachsen und Polen vornehmlich aus dem 19. Jh. vor negativen Umwelteinflüssen (1998-2001)
  • Die modellhafte Beseitigung von Umweltschäden an national wertvollen Glasfenstern unter Einbeziehung der Aus- und Weiterbildung (1994-1999)
  • Die modellhafte Evaluierung der Auswirkungen einer Hydrazinbehandlung bei umweltgeschädigten, stark verbräunten Glasfenstern am Beispiel der mittelalterlichen Fensterpartien im Kloster Marienstern/Sachsen (2000–2002)

 

Bei diesen Projekten wurden materialtechnische Veränderungen der Glasmalereien im Hinblick auf die Schadensursachen naturwissenschaftlich untersucht, wobei gleichzeitig Glasmalereiwerkstätten mit neuesten naturwissenschaftlichen Technologien vertraut gemacht wurden. Die darin zum Tragen kommende Zusammenarbeit zwischen Geisteswissenschaftlern, Naturwissenschaftlern und Kunsthandwerkern zeichnete auch die Werkstattgespräche aus, die in Potsdam regelmäßig stattfanden und an denen Kunsthistoriker, Denkmalpfleger, Chemiker und Glasmaler gleichermaßen teilnahmen, um sich in Materialfragen und Restaurierungstechniken auszutauschen und sich so gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen.

Kontakt
Prof. Dr. Maria Deiters
Arbeitsstellenleiterin
Corpus Vitrearum Medii Aevi
Tel.: +49 (0)331 2796 113
deiters(at)bbaw.de 
Am Neuen Markt 8
14467 Potsdam
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