Akademievorlesung Sommersemester 2008:
"Weltbilder"


Jochen Brüning: Weltbilder der Naturwissenschaft

15. Mai 2008

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Einstein-Saal, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin

<b>Jochen Brüning: Weltbilder der Naturwissenschaft</b>

Akademievorlesung Sommersemester 2008: "Weltbilder"

Einführung und Moderation:
Horst Bredekamp, Humboldt-Universität zu Berlin, Wissenschaftskolleg zu Berlin

 

In diesem Vortrag bespricht Jochen Brüning - dem Titel gemäß - "Weltbilder der Naturwissenschaft" an ausgewählten Beispielen aus verschiedenen Epochen. Auch wenn der Begriff vielfach verwendet wurde und immer noch verwendet wird, ist jedoch a priori keineswegs klar, was damit gemeint ist. Jochen Brüning  beginnt deshalb mit einer kurzen Betrachtung der Wortgeschichte, woran sich eine Diskussion der Problematik des Weltbild-Begriffes anschließt, die insbesondere auf die Frage der hier gemeinten Bildlichkeit eingehen wird.

Mit diesen begrifflichen Vorbereitungen lässt er dann einige historisch bedeutsame Perioden der Wissenschaft von der Natur Revue passieren, im Hinblick auf die von ihnen erstellten – oder nicht erstellten – Weltbilder und den heutigen Vorstellungen, die sich damit verbinden.

Zum Abschluss wirft Brüning einen Blick auf die Naturwissenschaft unserer Zeit und stellt ein, nach seiner Ansicht, typisches "Weltbild" vor.

Jochen Brüning wurde 1947 geboren. Er hatte Professuren für Mathematik in München, Duisburg und Augsburg inne; seit 1995 ist er Professor für Mathematik / Analysis an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er war von 1990 bis 1995 Direktor des Instituts für Europäische Kulturgeschichte in Augsburg. Seit 1999 ist er Direktor des Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik an der Humboldt-Universität zu Berlin, seit 2002 ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Jochen Brüning forscht und publiziert im Bereich der Mathematik, insbesondere zur Geometrischen Analysis und Spektraltheorie, sowie auf dem Gebiet der Kulturgeschichte, insbesondere zur Theorie und Geschichte der Kulturtechniken, vor allem des Sammelns.

Zur Akademievorlesung im Sommersemester 2008 "Weltbilder"

Ob in Religion oder Politik, in Wissenschaft oder Kunst – "Weltbilder" sind in unserer Kultur allgegenwärtig. Sie geben unserem Wissen eine Struktur und sollen unser Handeln leiten. Weltbilder sind ein Versprechen auf Übersichtlichkeit in einer unübersichtlichen Welt. Die grundlegenden Fragen, die mit ihrer Hilfe beantwortet werden, haben sich dabei kaum verändert: Welche Gestalt hat die Welt? Welche Kräfte und Ideen wirken in ihr? Woraus besteht sie? Wie ist sie entstanden? Wie sieht ihre Zukunft aus? Es handelt sich um Fragen nach einer umfassenden Ordnung, die den Menschen umgibt, und in der er seinen Platz einnimmt.

Der Begriff des "Weltbildes" kann hierbei ganz wörtlich genommen werden: Als ein Bild von der Welt unterstreicht er die Bedeutung der Anschaulichkeit für unsere Orientierung in der Welt. Denn diese wird nicht allein sprachlich erschlossen, sondern immer auch visuell. Aus geistes- und aus naturwissenschaftlichen Perspektiven sollen daher die historischen und die gegenwärtigen Rollen von Weltbildern kritisch beleuchtet werden. Das Sehen sowie die konkreten Bildmedien stehen im Mittelpunkt der Ausführungen.

Die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Die Welt als Bild untersucht seit 2005 systematische und historische Aspekte des Zusammenspiels von Weltanschauungen und ihren visuellen Modellbildungen. Ihre Forschung zielt auf ein besseres Verständnis der Rolle visueller Medien für unsere Weltvorstellungen und Weltordnungen. Leiter der Interdisziplinären Arbeitsgruppe sind Christoph Markschies, Peter Deuflhard und Jochen Brüning. Ansprechpartner sind Ingeborg Reichle, Steffen Siegel, Achim Spelten. E-Mail: bildwissenschaft(at)bbaw.de 

Im Frühjahr 2009 werden im Akademie Verlag die Ergebnisse der Weltbildforschung der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Die Welt als Bild in Form eines "Atlas der Weltbilder" vorgelegt werden.

Veranstaltungszeitraum:

18.30 Uhr

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