Akademievorlesungen im Wintersemester IAG Gentechnologiebericht GENTECHNOLOGIE IN DEUTSCHLAND Anna M. Wobus und Klaus Tanner

09. Februar 2006

Akademiegebäude, Einstein-Saal

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Zur Einführung:
Gentechnologie ist keine Hochtechnologie wie andere. In weiten Bereichen der Grundlagenforschung, der medizinischen Diagnostik und Forensik und der Wirtschaft fest etabliert, sind ihre möglichen Anwendungen in der Landwirtschaft und in der humanmedizinischen Therapeutik umstritten und umkämpft. Ist Deutschland hier Vorreiter eines sensiblen Umgangs mit einer Risikotechnologie oder fällt es ohne Not aus spezifischen Gründen auf einem Gebiet zukunftsweisender Innovation zurück? Unbestritten tun wir Deutschen uns hier besonders schwer. Die Akademievorlesungen gehen den spezifisch deutschen Befindlichkeiten und dem Stand der Technik u. a. auf den Gebieten der "Grünen Gentechnik", der medizinischen Diagnostik und der Stammzellforschung in unserem Lande nach. Sie analysieren diesen Konflikt, indem sie Naturwissenschaftler, Mediziner und Ethiker zu einem interdisziplinären Diskurs vereinigen.

 

Anna M. Wobus, Leiterin der Arbeitsgruppe "In Vitro Differenzierung" am Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, Gatersleben und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften:

"Stammzellforschung - Perspektiven und Probleme in Deutschland"

 

Zusammenfassung: Stammzellen bilden die Grundlage des Lebens höherer Organismen. Sowohl die embryonale Entwicklung im Verlauf der Ontogenese und die Regeneration von Gewebe- und Organfunktionen im erwachsenen Organismus beruhen auf der Wirkung von Stammzellen.

Ausgehend von der Darstellung der Eigenschaften embryonaler und gewebespezifischer (adulter) Stammzellen wird der Vortrag die Perspektiven des Einsatzes von Stammzellen in der Grundlagenforschung und in der regenerativen Medizin aufzeigen. Die potentiellen Möglichkeiten für eine Nutzung embryonaler Stammzellen werden ebenso behandelt wie der Einsatz adulter Stammzellen für die Regeneration von Gewebefunktionen und die Nutzung von Stammzellen im Tissue engineering.

Dabei werden auch die offenen wissenschaftlichen Fragen der Stammzellbiologie sowie die derzeit ungelösten Probleme im Zusammenhang mit der Forschung an embryonalen Stammzellen in Deutschland diskutiert und Lösungsmöglichkeiten vorgeschlagen.

Eine Grundaussage des Vortrags ist, daß nur die gleichberechtigte Forschung an embryonalen und adulten Stammzellen zu einem Verständnis der zahlreichen noch offenen Fragen der Stammzellbiologie und der zellulären Regeneration beitragen wird.


Klaus Tanner, Professor für Systematische Theologie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg:

"Ethische Aspekte der Stammzellenforschung"

 

Zusammenfassung: Die Verabschiedung des Stammzellgesetzes hatte eine Beruhigung der öffentlichen Debatten und die Ermöglichung des Beginns von Forschung in Deutschland zur Folge. Intensiv wurden allerdings ethische Schlüsselfragen, z. B. nach dem sog. „Status des Embryos“, weiter diskutiert. Zunehmend deutlich wurde die begrenzte Leistungskraft dieses Begründungsmodells, bzw. die Mehrdimensionalität der Urteilsbildungsprozesse, aus denen heraus dann Zuschreibungen von Schutzwürdigkeit entstehen. Durch Fortschritte in der Forschung, etwa die Herstellung nichtkontaminierter Zell-Linien und die internationale Vernetzung der Forschung, ist für deutsche Wissenschaftler eine neue Sachlage entstanden, die eine Diskussion um die derzeitig gültige Stichtagsregelung ausgelöst hat.

Der Vortrag wird einige Schlüsselprobleme aus den ethischen Debatten beleuchten, die wichtig sind für die weiteren Diskussionen um die Gestaltung des Rahmens, der eine verantwortungsvolle Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen in Deutschland ermöglicht.


Ferdinand Hucho stellt die Referenten vor und moderiert die Veranstaltung.


Veranstaltungszeitraum:

18.30 Uhr

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