Geisteswissenschaft im Dialog: Wege der Migration. Europas große Herausforderung

Öffentliche Abendveranstaltung

13. April 2011

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Leibniz-Saal, Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin

Ist Deutschland ein Einwanderungsland? - diese Frage wird nach wie vor in der deutschen Öffentlichkeit diskutiert. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Migration kein Phänomen unserer Zeit ist, sondern ein zentrales Element der europäischen Kulturgeschichte. Migration ist verbunden mit dem stetigen Aushandeln von Formen des Zusammenlebens unter sich wandelnden Bedingungen. Über Erfolg und Misserfolg historischer und aktueller Migrationsbewegungen diskutieren Andreas Gestrich, Peter Haslinger, Michael Borgolte und Volkhard Krech.

„Migration gehört zur Conditio humana wie Geburt, Vermehrung, Krankheit und Tod; denn der Homo sapiens hat sich als Homo migrans über die Welt ausgebreitet“, schreibt Klaus J. Bade, einer der führenden Migrationsforscher in Deutschland. Migration ist dennoch für jede Generation eine große Herausforderung.
Und sie ist im Europa des 20. und 21. Jahrhunderts ein zentrales Sorgenthema geworden. Viele Menschen fühlen sich heute mit einer historischen Ausnahmesituation konfrontiert. Ein historischer Rückblick zeigt jedoch, dass dieses Phänomen seit jeher ein zentrales Element der europäischen Kulturgeschichte war.

 

Auch in Deutschland ist Migration kein Phänomen unserer Zeit. Der Einwanderung von französischen Hugenotten nach Preußen im 17. Jahrhundert und der von Polen im 19. Jahrhundert ins Ruhrgebiet standen jeweils große Auswanderungswellen von Deutschen auf den Balkan und nach Nordamerika gegenüber.

 

Öffentlich wird heute nach wie vor die Frage diskutiert, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist. Derzeit leben in Deutschland nach amtlichen Angaben knapp 6,7 Millionen Angehörige anderer Staaten, die ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft nach Deutschland verlagert haben. Die späte Anerkennung dieser Wirklichkeit hat Integration in Deutschland jahrzehntelang erschwert und die positive Wirkung von Einwanderung beeinträchtigt. Migration ist verbunden mit dem stetigen Aushandeln von Formen des Zusammenlebens unter sich wandelnden Bedingungen. Die neuen Bürger bringen Veränderungen in die deutsche Gesellschaft, wie neue Religionen und Bräuche. Für den Bundespräsidenten Christian Wulff beispielsweise gehört der Islam bereits zu Deutschland.

 

Der Erfolg der Migration ist sehr unterschiedlich. Wie sahen Migrationsprozesse in der Vergangenheit aus? Gibt es historische Vorbilder für gelungene Prozesse dieser Art?  Wann kann man von erfolgreicher Migration sprechen? Welche Hindernisse und Probleme sind mit Migration verbunden? Welche sozialen Folgen bringt die Migration mit sich? Kann kulturelle und ethnische Vielfalt eine Chance sein? Zu einer Diskussion dieser und weiterer Fragen laden wir Sie herzlich ein!

 

Statements und Positionen

 

Wenige Neue verändern die Gesellschaft
Migration in globalhistorischer Perspektive

Michael Borgolte

Humboldt-Universität zu Berlin

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften


Zurückbleiben und Remigration
Perspektiven auf die Auswanderungsgesellschaften

Andreas Gestrich

Historisches Institut London, Stiftung DGIA

 

Zwangsmigration und Geschichtspolitik

Zur Frage einer Europäisierung von „Flucht und Vertreibung“

Peter Haslinger

Herder-Institut, Leibniz-Gemeinschaft


Multikulturell – multiethnisch – multireligiös

Beobachtungen zum Verhältnis von Migration und Religion

Volkhard Krech

Ruhruniversität Bochum

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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