Junges Forum für Bildwissenschaft 2008 -
Öffentlicher Vortrag Sibylle Krämer:
Gibt es maßlose Bilder?

27. März 2008

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Einstein-Saal, Jägerstraße 22/23

Kritische Überlegungen im Horizont der Frage nach der Kraft von Bildern

Gibt es maßlose Bilder?

Die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Die Welt als Bild an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und die Schering Stiftung laden ein zu einem öffentlichen Abendvortrag von Professor Dr. Sybille Krämer (Freie Universität Berlin) zur Frage ›Gibt es maßlose Bilder‹ - ein philosophischer und kunstwissenschaftlicher Diskurs über die Kraft von Bildern. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm

19.30 Uhr
Begrüßung durch Steffen Siegel (IAG Welt als Bild)

Begrüßung durch Heike Catherina Mertens (Schering Stiftung, Berlin)

Vorstellung der Referentin durch Jochen Brüning (IAG Welt als Bild)

20.00  Uhr
Vortrag von Sybille Krämer: Gibt es ›maßlose Bilder‹?

21.00 Uhr
Diskussion des Vortrags, Moderation: Steffen Siegel

21.30 Uhr
Empfang im Dachgarten der Akademie mit Präsentation der Brotakademieein Modell zum Anbeißen der Berliner Künstlerin Käthe Wenzel sowie Vorstellung des Buches Visuelle Modelle

Kontakt:
eMail: bildwissenschaft@bbaw.de
Web: www.bbaw.de
Tel.: +49.30.20370-573

eMail: heike.mertens@scheringstiftung.de
Web: www.scheringstiftung.de
Tel.: +49.30.20622960

 

Zur Person der Referentin
Professor Dr. Sybille Krämer (geb. 1951) studierte von Philosophie, Geschichte und Sozialwissenschaften in Hamburg und Marburg und habilitierte 1988 mit einer Arbeit über »Berechenbare Vernunft. Kalkül und Rationalismus im 17. Jahrhundert« an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit 1989 ist Sybille Krämer Professorin für theoretische Philosophie an der Freien Universität Berlin.

Sie ist ferner Gründungsmitglied des Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2000 bis 2006 war sie Mitglied im Wissenschaftsrat und ist gegenwärtig im geisteswissenschaftlichen Panel des European Research Council. Seit 2006 ist Sybille Krämer Permanent Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin und seit 2008 Sprecherin des Graduiertenkollegs »Schriftbildlichkeit. Zur Materialität, Wahrnehmbarkeit und Operativität von Schriften« (Beginn Herbst 2008). Mit ihren vielfältigen, nicht zuletzt der Vielzahl visueller Medien gewidmeten Forschungsprojekten trägt Sybille Krämer seit vielen Jahren und in herausragender Weise zu einer methodischen Verbindung von theoretischer Philosophie, Medientheorie und Kulturgeschichte bei.


Abstract des Vortrags „Gibt es ‚maßlose Bilder’?“

Kritische Überlegungen im Horizont der Frage nach der Kraft von Bildern

Bilder begegnen uns in lebensweltlichen Zusammenhängen stets ‚abgezirkelt und eingegrenzt’. Außerdem folgt ihre Produktion nahezu lückenlos regulativen Prinzipien. Können Bilder also überhaupt maßlos sein? Auf eine solche Frage sind unterschiedliche Antworten möglich: (1.) Wenn die Kraft und Macht der Bilder ihnen nicht intrinsisch, das heißt notwendigerweise zukommt, sondern vielmehr angewiesen bleibt auf den Blick der Betrachter, so kann auch ‚Maßlosigkeit’ keine Eigenschaft des Bildes, sondern allenfalls unseres Umgangs mit ihm sein. Die Performanz des Bildes wurzelt nicht im Bild, sondern im Blick. (2.) Es lassen sich in der frühen Neuzeit drei Regime der visuellen Darstellung und Sichtbarkeit (Martin Jay) unterscheiden: ‚dreidimensionale’ Zentralperspektive, ‚zweidimensionale’ Kartographie und schließlich ‚vieldimensionaler’, anamorphotischer Barock (Buci-Glucksmann). Innerhalb dieser Typisierung betrachtet, sprengt die barocke Darstellung jene Maße mathematischer Homogenität, welche der Rationalisierung des zentralperspektivischen und kartographischen Sehens eigen ist. (3.) Mit seiner Unterscheidung von apollinischen und dionysischen Dimensionen, die nicht als ein Entweder-Oder aufzufassen sind, hat Nietzsche ein Spannungsfeld aller Kunst diagnostiziert – und zwar  am Maßstab von Maß und Maßlosigkeit (wobei er gerade das Bildliche primär mit dem Maßvollen assoziierte). Jedoch hat Nietzsche diese Differenz – ehe er sie kunsttheoretisch verallgemeinerte – am Phänomen der gesprochenen Sprache entdeckt. Damit zeigt sich das Rauschhaft-Dionysische - als eine Dimension aller symbolischen Vollzüge - und nicht etwa nur der Bilder. Ist es möglich, diese Differenz wieder zu finden in der für den Diskurs über die Bilder wichtigen Unterscheidung von ‚Transparenz’ und ‚Opazität’, im Sinne von ‚Durchsichtigkeit’ und ‚Störung’? Auf diese Fragen versucht der Vortrag Antworten zu geben.

 
Junges Forum für Bildwissenschaft; IAG Welt als Bild

Die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe »Die Welt als Bild« der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften veranstaltet im März 2008 zum dritten Mal das »Junge Forum für Bildwissenschaft«. In diesem Jahr ist die Tagung der Frage nach »Maßlosen Bildern« gewidmet. Eingeladen werden in jedem Jahr Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftler, die den Schwerpunkt ihrer aktuellen Forschungsarbeit auf die Analyse der Vielfalt von Bildmedien setzen. In der gemeinsamen zweitägigen Debatte des Jungen Forums sollen die Möglichkeiten einer interdisziplinären Bildforschung ausgelotet werden.

Bislang sind aus dem Jungen Forum zwei Sammelbände hervorgegangen, die von Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Die Welt als Bild (herausgegeben von Ingeborg Reichle, Steffen Siegel, Achim Spelten) vorgelegt worden sind: Verwandte Bilder. Die Fragen der Bildwissenschaft, Berlin (Kulturverlag Kadmos) 2007, durchgesehene Auflage 2008; Visuelle Modelle, München (Wilhelm Fink Verlag) 2008.

 

Schering Stiftung

Die Schering Stiftung wurde 2002 von der Schering AG als Zeichen ihres Engagements als Corporate Citizen gegründet. Hauptzweck der gemeinnützigen Stiftung ist die Förderung von Wissenschaft und Kunst. Die Schering Stiftung will Vorbilder aufzeigen, um Inspiration zu geben und zeichnet Menschen und Institutionen aus, die in der Wissenschaft und Kultur Pionierarbeit geleistet und Maßstäbe gesetzt haben. Grenzen überschreiten, um Horizonte zu erweitern ist das Ziel, das sie mit der Förderung von grenzüberschreitenden Projekten und dem Austausch von Wissenschaftlern und Künstlern verfolgt. Um den Nachwuchs zu fördern, und Entwicklung zu ermöglichen unterstützt die Stiftung besonders begabte junge Wissenschaftler und Künstler durch die Vergabe von Preisen und Stipendien und bietet Workshops und Programme zu Themen jenseits der rein fachlichen Ausbildung an.

Indem sie Kindern und Jugendlichen Einblicke in die Forschung gewährt und sie an kulturelle Fragestellungen heranführt, will sie die Jugend begeistern, um Interesse für Wissenschaft und Kultur zu stärken.

 

Empfang im Dachgarten und Kunstwerk von Käthe Wenzel

»Brotakademie. Ein Modell zum Anbeißen«

Im Rahmen des 3. Jungen Forums für Bildwissenschaften formt die Künstlerin Käthe Wenzel ein detailgenaues Modell der Akademie der Wissenschaften – aus Brot. Ausgehend von der Idee, dass Architektur fortwährend durch kulturelle, soziale und individuelle Nutzungen geformt und verformt wird, entsteht ein Modell zum Verzehr: Die knusprige Nachbildung der Akademie thematisiert einfache Formen der Inbesitznahme ebenso wie unser Verhältnis zum gebauten Raum und die kulturhistorische Verbindung von Körper und Brot. Am Abend wird die Brotakademie, anlässlich des Empfangs im Dachgarten der Akademie, zur freudigen Einverleibung durch die Gäste des Abendvortrags freigegeben.

Käthe Wenzel setzt sich künstlerisch und wissenschaftlich mit der kollektiven Produktion von Kultur und den Überschneidungen von Kunst und Wissenschaft auseinander. Sie realisierte unter anderem Ausstellungen und Projekte am Medizinhistorischen Museum (Berlin), in der Schafler Gallery (New York) und dem Museo de San Juan (Puerto Rico). Darüber hinaus unterrichtet sie an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und an der International Jacobs University in Bremen. Käthe Wenzel lebt in Berlin.

Veranstaltungszeitraum:

19.30 Uhr

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