Maß und messen

Salon Sophie Charlotte 2019

19. Januar 2019

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin

Eine Veranstaltung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt unter Beteiligung der Max-Planck-Gesellschaft, der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, der Jungen Akademie, der Arab-German Young Academy, der Studienstiftung des deutschen Volkes sowie der Villa Aurora – Thomas Mann House, gefördert von der Gerda Henkel Stiftung.

Maß und messen
Maß und messen

Die Welt des präzisen Messens steht vor einem fundamentalen Wandel. Max Planck hat 1900 zur Suche „nach Konstanten, die ihre Bedeutung für alle Zeiten und für alle, auch außerirdische und außermenschliche Culturen, … behalten“ aufgerufen. Dies ist jetzt geschafft und das Urkilogramm hat als Prototyp der Masse ausgedient. Die Basis des Internationalen Einheitensystems (SI), mit dem wir „die Welt vermessen“, wird ab dem 20. Mai 2019, am alljährlichen Weltmetrologietag, auf Naturkonstanten umgestellt und so die denkbar stabilste Grundlage erhalten – nur wenige Monate vor dem 250. Geburtstag Alexander von Humboldts, dessen „Vermessung der Welt“ uns bis heute fasziniert. Zwei gute Anlässe, den Salon 2019 unter das Motto „Maß und messen“ zu stellen.


Das Thema „Maß und messen“ ist aber längst nicht nur eine Domäne der Naturwissenschaften. Es berührt Kunst-, Geistes-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bis zur Medizin und wirkt in die Gesellschaft und unseren ganz persönlichen Alltag hinein.


Eine Veranstaltung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt unter Beteiligung der Max-Planck-Gesellschaft, der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, der Jungen Akademie, der Arab-German Young Academy, der Studienstiftung des deutschen Volkes sowie der Villa Aurora – Thomas Mann House, gefördert von der Gerda Henkel Stiftung.

Literarischer Salon

Gastgeber: Günter Ziegler, Mathematiker, Präsident der Freien Universität Berlin, Akademiemitglied

 

Der Literarische Salon vermisst das Feld der Literatur auf der Suche nach Messgewohnheiten, Maßstäben, messbaren Leistungen und sich messenden Protagonisten.

 

18.30 Uhr Versessen auf's Messen – Volker Mehnert im Gespräch mit Tobias Kraft über Alexander von Humboldt und die Lust am Messen | Lesung für Kinder

Ein Buch für Kinder. Volker Mehnert (Journalist und Reiseschriftsteller) im Gespräch mit Tobias Kraft (Akademienvorhaben Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung, BBAW)

 

Volker Mehnert stellt seine aktuelle Biographie Alexander von Humboldts vor und zeigt im Gespräch mit Tobias Kraft, wie versessen Humboldt auf‘s Messen war. Alexander von Humboldt war der größte Reisende und berühmteste Wissenschaftler seiner Zeit. Der „wahre Entdecker Amerikas“ kletterte auf die höchsten Vulkane, befuhr unbekannte Flüsse, erkundete Flora und Fauna exotischer Länder, beflügelte Zeitgenossen wie Goethe und Darwin und stand im Austausch mit dem amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson und dem Freiheitskämpfer Simón Bolívar.

 

19.30 Uhr Vom Messen menschlicher Leistung: „Die Erfindung der Leistung“

Nina Verheyen (Historikerin und Autorin) im Gespräch mit Carola Lentz (Ethnologin, Vizepräsidentin der BBAW)

 

Die Historikerin Nina Verheyen zeigt in ihrem neuen Buch  „Die Erfindung der Leistung“, wie sich das Verständnis von Leistung gewandelt hat, und erzählt die Geschichte einer Idee, die unser aller Leben prägt. Sie plädiert für eine historisch informierte und zugleich neue, sozialere Definition von Leistung, mit der sich überzeugend gegen Optimierungszwänge, Marktmechanismen und soziale Ungleichheit streiten lässt.

 

20.30 Uhr Der vermessene Mensch: Höchstleistung und soziale Dystopie in „Die Hochhausspringerin“

Julia von Lucadou (Filmwissenschaftlerin und Autorin) im Gespräch mit Carola Lentz

 

Julia von Lucadous gefeiertes Debüt „Die Hochhausspringerin“ führt in eine Welt von Selbstoptimierung und Höchstleistung, von vermessenem Leben und dem Ausstieg aus demselben: Riva ist Hochhausspringerin - ein perfekt funktionierender Mensch mit Millionen Fans. Doch plötzlich weigert sie sich zu trainieren. Kameras sind allgegenwärtig in ihrer Welt, aber sie weiß nicht, dass sie gezielt beobachtet wird: Hitomi, eine andere junge Frau, soll Riva wieder gefügig machen. Wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllt, droht die Ausweisung in die Peripherien, wo die Menschen im Schmutz leben, ohne Möglichkeit, der Gesellschaft zu dienen. Was macht den Menschen menschlich, wenn er perfekt funktioniert?

 

21.30 Uhr „Dunkle Zahlen“: Mathematiker messen sich

Matthias Senkel (Autor) im Gespräch mit Günter Ziegler

 

Matthias Senkel lässt in seinem Roman „Dunkle Zahlen“ Mathematiker aus aller Welt auf der internationalen Programmierer-Spartakiade in Moskau gegeneinander antreten und sich mit Fachkollegen messen, bis etwas Unerwartetes geschieht: Kurz vor der Eröffnung des Wettbewerbs verschwindet die kubanische Nationalmannschaft spurlos.

 

22.30 Uhr „Alles muss man selber machen“: Literatur vermessen – Maßstäbe setzen

Daniela Strigl (Literaturkritikerin) im Gespräch mit Günter Ziegler

 

Die bekannte österreichische Literaturkritikerin Daniela Strigl hat sich jüngst in ihrem Buch „Alles muss man selber machen“ (2018) mit ihrem eigenen Metier auseinandergesetzt und Fragen nach Maßstäben in der Bewertung von Literatur aufgeworfen. Was ist Kritik, und in welche Rituale ist sie eingepasst? Welche Möglichkeiten von Wissensvermittlung bieten sich im Essay? Ist literarisches Schreiben Kunst oder Handwerk? Wer definiert die Maßstäbe?

Maß und Schönheit

Gastgeber: Wilhelm Voßkamp, Literaturwissenschaftler, Akademiemitglied

 

Lässt sich Schönheit messen? Die klassische Ästhetik geht von Normen, Maßen, Symmetrie und Proportionen aus. Gilt das universell und auch für die Moderne? Wo sind die Grenzen des Maßes und Messens in den Künsten? Welche Rolle spielen Störung und Abweichung von Regel und Richtmaß?

 

18.30 Uhr Störung als Lebensprinzip. Die Botschaft der Nofretete.

Horst Bredekamp (Kunsthistoriker, Humboldt-Universität zu Berlin, Akademiemitglied)

Chaos und Ordnung. Empirische Maße poetischer Sprache

Winfried Menninghaus (Literaturwissenschaftler, MPI für empirische Ästhetik, Frankfurt/Main, Akademiemitglied)

Schiefe Maße der Musik

Hermann Danuser (Musikwissenschaftler, Humboldt-Universität zu Berlin, Akademiemitglied)

 

21.00 Uhr Kopf- und Gesichtsvermessung: Geschichte und Grenzen

Uta Kornmeier (Kunsthistorikerin, Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin), Stefan Zachow (Informatiker, Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin)

 

22.30 Uhr Ästhetik und der Mensch als Maß in der arabischen und deutschen Architektur

Gespräch in englischer Sprache zwischen den international renommierten Architekten Bernard Khoury (Beirut) und Friedrich von Borries (Berlin)
Moderation: Bilal Orfali (Arabist, Beirut, Libanon, AGYA-Mitglied), Kirill Dmitriev (Arabist, St. Andrews, UK, AGYA-Mitglied)

Schätze aus der Geschichte der Akademie

Gastgeberin: Vera Enke und ihr Team

 

Dazu gehört auch das handschriftliche Manuskript von Hermann von Helmholtz aus dem Jahre 1882 „Ueber absolute Maass-Systeme für elektrische und magnetische Grössen“.

Das Akademiearchiv verfügt zum Thema „Maß und messen“ über einen umfangreichen Fundus von Dokumenten und Exponaten aus der mehr als 300-jährigen Akademiegeschichte. Werfen Sie einen Blick in das handschriftliche Manuskript von Hermann von Helmholtz aus dem Jahre 1882 „Ueber absolute Maass-Systeme für elektrische und magnetische Grössen“. Studieren Sie das Labortagebuch des Nobelpreisträgers Otto Warburg aus dem Zeitraum 24.6. bis 13.7.1970 oder das Astronomische Beobachtungstagebuch des ersten Astronomen der Akademie, Gottfried Kirch, für die Zeit von August 1700 bis Dezember 1701. Zu den Objekten der wissenschaftshistorischen Gerätesammlung des Archivs gehört u. a. auch das Warburg-Manometer aus dem Labor von Karl Lohmann für die Messung des physikalischen Drucks von Flüssigkeiten und Gasen.

 

Führungen durch das Akademiearchiv: 19 / 20 / 21 / 22 Uhr

Treffpunkt: Foyer Jägerstraße (Speisen und Getränke sowie große Taschen dürfen nicht mit ins Archiv genommen werden)

Gastgeber: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, BBAW

 

Vermessung des deutschen Wortschatzes des 19. Jahrhunderts: Ein Besuch in der Werkstatt des Großwörterbuchs von Daniel Sanders

 

Das Wörterbuch der Deutschen Sprache von Daniel Sanders stellt eine der wichtigsten lexikographischen Arbeiten zur deutschen Sprache des 19. Jahrhunderts dar. Durch neueste computergestützte Verfahren ist es erstmals gelungen, den gesamten aufgenommenen Wortschatz zu extrahieren und für weitere Untersuchungen aufzubereiten. Neben diesen Erkenntnissen möchten wir aber auch Einblicke in eine „Wörterbuchwerkstatt“ liefern: Wie arbeitete ein Lexikograph des 19. Jahrhunderts, wie sah sein Arbeitsalltag aus, wie seine Arbeitsräume und welche Ressourcen standen ihm zur Verfügung? Auf diese und andere spannende Fragen geben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache Antworten.

18.30 / 19.30 / 20.30 / 21.30 / 22.30 Uhr

 

Vorstellung der Volltextdigitalisierung mit Methoden des maschinellen Lernens

Sebastian Göttel, Michael Solf, Lothar Lemnitzer, Kay-Michael Würzner, Alexander Geyken

19 / 20 / 21 / 22 Uhr

 

Werkstattbesuch

Science Meetup - Das Akademieprogramm

Gastgeberin: Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Moderation: Bernd Hillemeier, Technikwissenschaftler und Akademiemitglied

 

Drei Forschungsprojekte aus dem Akademienprogramm, dem gemeinsamen Forschungsprogramm der Wissenschaftsakademien, laden Sie zum interaktiven Kennenlernen ein: Erfahren Sie mehr über die die Bedeutung von Meilensteinen in der Antike, tauchen Sie ein in die stark reglementierte Lebenswelt eines mittelalterlichen Klosters oder lassen Sie sich Ihr persönliches Horoskop auf Grundlage einer mittelalterlichen Deutung der Sternenkonstellationen zu Ihrer Geburt erstellen.

 

Die präsentierten Forschungsprojekte sind Teil des von Bund und Ländern geförderten Akademienprogramms , das der Erschließung, Sicherung und Vergegenwärtigung unseres kulturellen Erbes dient. Das Akademienprogramm ist derzeit das größte geisteswissenschaftliche Forschungsprogramm der Bundesrepublik Deutschland.

 

18.30–22.00 Uhr Nicht ver-messen: Meilensteine antiker Raumerschließung

Corpus Inscriptionum Latinarum – Berlin-BrandenburgischeAkademie der Wissenschaften 

 

Inschriften zählen zu den wichtigsten Quellen für die Erforschung römischer Lebenswelt und Geschichte. In dem Forschungsprojekt „Corpus Inscriptionum Latinarum“ (CIL) der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften werden die antiken lateinischen Inschriften der gesamten römischen Welt gesammelt und ediert. Heute liegen vom CIL ca. 180.000 Inschriften, Ergänzungsbände mit Tafeln und speziellen Registern vor. Schon jetzt verfügt das CIL über die weltweit größte Foto- und Abklatsch-Sammlung lateinischer Inschriften, die auch auf einer Online-Datenbank abgerufen werden können. Aufgabe des Projekts ist es u.a. auch, das Straßennetz des Imperium Romanum zu dokumentieren. In der Projektstraße erläutern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Funktionen der einst weithin sichtbaren Meilensteine an den römischen Straßen von Hispanien bis Syrien in der Antike.

 

Maß und Maßlosigkeit im mittelalterlichen Kloster

Klöster im HochmittelalterHeidelberger Akademie der Wissenschaften  / Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig 

 

Die klösterliche Welt des Mittelalters als eine Wegbereiterin der Moderne  wird im Rahmen des Akademienprojekts „Klöster im Hoch¬mittelalter. Innovationsla¬bore europäischer Lebens-Entwürfe und Ordnungsmodelle“ erforscht. Im sozialen und religiösen Wandel des 11. bis 13. Jahrhunderts entwickelten mittelalterliche Klöster eine bislang unerreichte Rationalität der Lebensgestaltung. Damals entstanden Modelle jenes gesellschaftlichen wie kulturellen Aufbruchs, aus denen sich spezifische Ordnungskonfigurationen der europäischen Moderne ausformten. Diesen Forschungszielen widmen sich das Forschungsprojekt mit zwei Arbeitsstellen an der Heidelberger Akademie sowie der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Welche Rolle Regeln und Regelbrüche in Klöstern spielten, können die Besucherinnen und Besucher am Stand erfahren. Ein Skriptorienkoffer gibt zudem Einblicke in das mittelalterliche Schreiben und die Buchherstellung.

 

Die Vermessung der himmlischen Bewegungen – Erstellung Ihres persönlichen Horoskops

Ptolemæus Arabus et Latinus – Bayerische Akademie der Wissenschaften 

 

Claudius Ptolemaeus ist einer der einflussreichsten Wissenschaftler aller Zeiten. Sein Ruhm verdankt sich hauptsächlich zwei Schriften über die Sternkunde: dem Almagest und der Tetrabiblos. Das Ziel des Projekts “Ptolemaeus Arabus et Latinus” der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ist die umfassende Erschließung der arabischen und lateinischen Überlieferung von Ptolemaeusʼ astronomischem und astrologischen Werken. Dazu gehören Kataloge aller erhaltenen Handschriften, Editionen der ptolemäischen und pseudo-ptolemäischen Werke auf Arabisch und Lateinisch sowie der Kommentarliteratur und schließlich eine Reihe von Forschungswerkzeugen und Studien. Am Stand haben Sie die Möglichkeit, mehr über den bedeutenden Denker zu erfahren sowie sich ein persönliches Horoskop auf Grundlage einer originalen mittelalterlichen Deutung der Sternenkonstellationen zu Ihrer Geburt erstellen zu lassen.

Das Maß aller Dinge

Gastgeber: Joachim Ullrich, Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, Akademiemitglied

 

18.00 Uhr Eröffnung

Martin Grötschel (Akademiepräsident)

 

18.15 Uhr Weltverhältnisse – Isorhythmische Motetten des 14. und 15. Jahrhunderts

Susanne Langner (Alt), Minsub Hong (Tenor), Kai Roterberg (Tenor), Rudolf Preckwinkel (Bass) (Mitglieder des RIAS Kammerchors)

 

Wenn Gottfried Wilhelm Leibniz die Musik als ein unbewusstes Zählen der Seele ansah, konnte er sich auf eine lange Tradition berufen. Die Melodien und Rhythmen zugrunde liegenden Zahlenverhältnisse, die Messbarkeit von Dauern und Intervallen wurde schon seit der Antike herangezogen, um Musik in Beziehung zu herrschenden Weltbildern zu setzen. Im Mittelalter lieferte dies zunächst die theologische Begründung der Kirchenmusik und im 14. Jahrhundert zunehmend auch für eine weltliche Vokalmusik, die sich als kritische Kunstform auf Augenhöhe mit solcher kunstvollen Kirchenmusik bewegen wollte. Sie brachte sich auf zwei Weisen mit der Welt in Verbindung: über das Prinzip der Proportionen und über (nicht selten mehrere gleichzeitig gesungene und inhaltlich aufeinander bezogene) Texte – seien sie nun theologisch oder (gesellschafts-)politisch. Es entstanden hoch intellektuelle, literarisch wie musikalisch anspruchsvolle und prächtige Motetten. Durch ihre Messbarkeit wird Musik hier zu einer Möglichkeit, sich nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell zur Welt zu verhalten.

 

18.30 Uhr Vom Nobelpreis zu einem neuen Kilogramm

Nobelpreisträger Klaus von Klitzing (Physiker, MPI für Festkörperforschung, Stuttgart)

 

Der Nobelpreis für Physik 1985 wurde für die Entdeckung des „Quanten-Hall-Effektes“ verliehen. Von Beginn an war klar, dass hier ein neuer elektrischer Widerstand entdeckt wurde, dessen Wert nur von Naturkonstanten abhängt und heute durch die von-Klitzing-Konstante charakterisiert ist. Diese Entdeckung erlaubt es, zusammen mit dem Josephson-Effekt, alle elektrischen Größen auf Quantennormale zurückzuführen, die von der Planck-Konstanten h und der Elementarladung e abhängen. Damit ist es möglich, eine direkte Verbindung zwischen Planck-Konstante und Masse herzustellen.Mit der für den 20.5.2019 erwarteten weltweiten Einführung eines modifizierten Maßsystems mit festgelegten Werten für die Konstanten h und e wird es gelingen, nicht nur die elektrischen Einheiten in das SI-System (Système international d’unités) zu integrieren, sondern auch das Urkilogramm zu ersetzen.

 

20.00 Uhr Experimente am absoluten Temperatur-Nullpunkt

Nobelpreisträger Wolfgang Ketterle (Physiker, MIT, Cambridge, MA, USA)

 

Warum kühlen Physiker Materie zu extrem niedrigen Temperaturen? Warum ist es wichtig, Temperaturen zu erreichen, die mehr als eine Milliarde mal kälter sind als der interstellare Raum? In diesem Vortrag werde ich beschreiben, mit welchen Methoden man Atome auf Nanokelvin-Temperaturen abkühlt, wie man solche Temperaturen misst, und wie man neue Formen der Materie realisiert und beobachtet.

 

21.00 Uhr Die Vermessung des Universums

Matthias Steinmetz (Astrophysiker, Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam, Akademiemitglied)

 

Der Weltraum, unendliche Weiten – seit der Antike wissen wir, dass die Abstände im Kosmos groß, ja gigantisch sind. Aber erst in den letzten 175 Jahren fing man an, ein etwas quantitativeres Bild über die Abstände zu gewinnen. Seit nunmehr gut 20 Jahren entwickelte die moderne Weltraumastronomie dies zu Präzisionsmessungen – von dem Abstand zu den nächsten Sternen bis hin zur Grenze des uns zugänglichen Universums.

 

22.00 Uhr Der Mensch ist das Maß aller Dinge

Volker Gerhardt (Philosoph, Humboldt-Universität zu Berlin, Akademiemitglied), Gyburg Uhlmann (Gräzistin, Freie Universität Berlin)

 

Wenn es um das Maß und das Messen geht, sollte der nicht vergessen werden, der misst und den das Gemessene allein interessiert: nämlich der Mensch. Er hat sich mit seiner Fähigkeit, Maße und Gewichte festzulegen und mit ihnen zu rechnen, überhaupt erst auf den Weg in die Zivilisation begeben. Zusammen mit der Schrift und dem Recht hat das Maßnehmen das Leben in den großen Kulturen des Vorderen Orients überhaupt erst ermöglicht.

Demgegenüber erscheint der Spruch eines griechischen Philosophen aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert wie ein Rückschritt. Wie soll man es verstehen, dass der Mensch selbst ein „Maß“ ist – und zudem auch noch das „aller Dinge“?

Tatsächlich legt der Spruch des Sophisten Protagoras (etwa 490 – 411 v. Chr.) den Grund für das Verständnis allen Messens. Er formuliert eine starke These über die Stellung und die Leistung des Menschen in der Welt. Die ist nicht unwidersprochen geblieben. Schon sein Zeitgenosse Sokrates und dessen Schüler Platon haben ihre Brisanz für Ethik, Anthropologie und Erkenntnistheorie erkannt; schon Platon hat dazu kritisch Stellung genommen.

Die unterschiedlichen Positionen und ihre Bedeutung bis in unsere Gegenwart hinein stellen die Grä-zistin Gyburg Uhlmann (FU Berlin) und der Philosoph Volker Gerhardt (HU Berlin) in ihren Vorträgen dar und diskutieren es miteinander.
 

23.15 Uhr Das Grün und das Gelb

Abstraktes Puppentheater von Fred Schneckenburger mit Musik von Bernd Alois Zimmermann. Rekonstruktion der Uraufführungsfassung von 1952. Marionettenoper im Säulensaal, Musikwissenschaftliches Seminar der Universität Heidelberg

 

"Nach alter Sitte frage ich: Seid ihr alle da? Ja? Das freut mich. Danke. Doch auch wenn’s nicht der Fall ist, muss ich genauso weitermachen. Denn hinter mir läuft doch das Tonband weiter und kümmert sich den 'Pieps' drum, ob ihr ja sagt oder nein." So beginnt der Kaspar seine Rede in Fred Schneckenburgers Stücken. Die Puppen spielen live, der Ton kommt vom Band und liefert ein rigides Zeitregime, das vorbestimmte und unveränderbare Maß für alle Aktionen. Die Arbeit mit einem Zuspielband war 1952 für Bernd Alois Zimmermann (den Komponisten der Bühnenmusik, der auch das Tonband einspielte) eine entscheidende Erfahrung: Die hier erstmals erlebte Spannung zwischen live gespielter Musik und Bandzuspielungen, ermöglicht durch eine vollkommen durchkalkulierte Zeitorganisation, wird zum Dreh- und Angelpunkt in Werken wie der Oper Die Soldaten und dem Requiem für einen jungen Dichter. Rekonstruiert wurde das Puppentheaterstück durch Joachim Steinheuer und die Marionetten-Oper der Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Bernd Alois Zimmermann-Gesamtausgabe.

Rechtes Maß und Heilige Zahl

Gastgeber/in: Maria Deiters und Martin Schubert (beide: BBAW Mittelalterzentrum)
 

"Du aber hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet" (Sap 11,21) – für die mittelalterlichen Menschen waren Gott und die Welt Zahlen. Das Mittelalterzentrum lädt ein zu Kurz- und Mitmachvorträgen, musikalischen Beiträgen, Spielen und einer Ausstellung rund um die Themen: Heiligkeit der Zahl – gezählte Heiligkeit, Mikrokosmos – Makrokosmos, das falsche und das rechte Maß.
 

19.00 / 21.00 Uhr (jeweils 45 Min.) Vom Monochord und Symphonia bis zum Trumscheit – Mitmachvortrag über Musik und Zahl und mittelalterliche Musikinstrumente

Gaby Bultmann (Musikerin und Musikforscherin für Alte Musik)

Vermessung der Gesellschaft

Gastgeberin: Barbara Stollberg-Rilinger, Historikerin und Akademiemitglied

 

19.00 Uhr Vermessung der Gesellschaft: Sozialer Wandel und soziale Ungleichheit

 

Für die Vermessung der Gesellschaft wurde im 19. Jahrhundert mit der Amtlichen Statistik ein entscheidender Durchbruch erreicht, im 20. Jahrhundert mit der repräsentativen Umfrageforschung für Bevölkerungsquerschnitte. Das 21. Jahrhundert gilt häufig schon als das Jahrhundert von „Big Data“. Mindestens ebenso bedeutend oder noch bedeutender sind allerdings die großen sozialwissenschaftlichen Längsschnittstudien. Für die Beschreibung und Erklärung sozio-ökonomischer Strukturen und deren langfristigem Wandel sind sie für die Sozialwissenschaften was die Beschleuniger für die Teilchenphysik sind.

 

Es werden drei der wichtigsten deutschen Längsschnittstudien mit exemplarischen Befunden vorgestellt: das Sozio-ökonomische Panel von Prof. C. Katharina Spieß (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin/FU Berlin), das Nationale Bildungspanel von Prof. Heike Solga (BBAW/Wissenschaftszentrum für Sozialwissenschaften Berlin/FU Berlin) und die international vergleichende SHARE-Altersstudie von Prof. Axel Börsch-Supan (BBAW/ Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik).(...mehr (PDF, 52KB) )

 

20.00 Uhr Schöne neue Datenwelt? Chancen und Risiken der Quantifizierung des Sozialen

Steffen Mau (Soziologe, HU zu Berlin, Akademiemitglied) im Gespräch mit Constanze Kurz (Informatikerin, Sachbuchautorin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs), Gesine Schwan (Politikwissenschaftlerin, Präsidentin der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform, Berlin) und Gert G. Wagner (Wirtschaftsund Sozialwissenschaftler, DIW Berlin)

 

Scores, Likes, Ratings und Rankings – Daten spielen in allen Lebensbereichen eine immer größere Rolle. Unsere Produktivität, unser Mobilitätsverhalten, unsere Kreditwürdigkeit, unsere Konsumgewohnheiten, unsere Gesundheit, unsere Freundschaftsnetzwerke, sie alle werden datenmäßig erfasst und auslesbar gemacht. Ohne quantitative Bewertungsformen geht gar nichts mehr. Was gewinnen wir, was verlieren wir, wenn wir uns immer stärker auf die Quantifizierung des Sozialen einlassen? Wie verändern Daten und Algorithmen unsere Vorstellung des Wertvollen? Welche Risiken und Machtverschiebungen gehen mit der fortwährenden Klassifikation durch Daten einher?

 

21.00 Uhr Vermessung der Wissenschaft?

Peter Weingart (Soziologe, Akademiemitglied) im Gespräch mit dem Wissenschaftsforscher Stefan Hornbostel, den Akademiemitgliedern Martin Korte (Neurobiologe, TU Braunschweig) und Joachim Sauer (Chemiker, HU zu Berlin) sowie den Mitgliedern der Jungen Akademie Alkomiet Hasan (Mediziner, Universitätsklinikum München) und Christoph Lundgreen (Althistoriker, TU Dresden)

(...mehr (PDF, 75KB) )

 

22.00 Uhr Vermessung der Gesundheit

Annette Grüters-Kieslich (Humanmedizinerin, Universitätsklinikum Heidelberg, Akademiemitglied) im Gespräch mit Tobias Pischon (Epidemiologe, MDC), Susanna Wiegand (Medizinerin/ Kinderheilkunde, Charité) und Karl Sperling (Humangenetiker, Charité, Akademiemitglied)

 

Im Roman „Die Vermessung der Welt“ skizziert Daniel Kehlmann die fiktiven Biografien zweier sehr unterschiedlicher Forscher; zum einen Carl Friedrich Gauß, der sich der Mathematik und abstrakten Berechnungen  verschrieben hatte, zum anderen Alexander von Humboldt, der sich durch Reisen umfassende Erkenntnisse über die Welt und den Kosmos aneignete. Gauß und Humboldt verkörpern Forschertypen mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen von dem was Wissenschaft denn sei. Beide wollten die Welt vermessen - ihre Herangehensweise war jedoch denkbar verschieden: Während Humboldt die Natur als ein großes Ganzes verstand, suchte Gauß Erkenntnisse in abstrakten mathematischen Formeln. Übertragen auf die aktuellen Entwicklungen und Fortschritte in der Medizin stellen sich heute ähnliche Fragen für die Gesundheitsforschung:
 

Wird es gelingen durch zahlreiche Messdaten zur individuellen und populationsbezogenen Gesundheit im Sinne von „Big Data“ und durch die Anwendung von Algorithmen und künstlicher Intelligenz eine bessere Prävention, Diagnostik und Therapie von sogenannten Volkskrankheiten zu erreichen? Welchen Stellenwert haben umfassende und ganzheitliche Ansätze in der Gesundheitsforschung?
 

Die Diskutanten werden anhand von Fallbeispielen aus ihrer eigenen Expertise, die Chancen, aber auch die Grenzen der Vermessung der Gesundheit aufzeigen.
 

Gesellschaft gestalten

Gastgeberin: Studienstiftung des deutschen Volkes e.V.

 

19.00 Uhr Messbares und Unmessbares. Das Beispiel der Fotografie

Peter Geimer (Kunsthistoriker, Freie Universität Berlin)

 

Es gehört zur besonderen Faszination der Fotografie, dass sie einerseits fest im System der bildenden Künste etabliert ist, zugleich aber einen ihrer Ursprünge im Wissen der Naturwissenschaften (Chemie, Physik) hat. Am Beispiel konkreter Bildanalysen geht der Vortrag dieser zweifachen Bestimmung des Mediums Fotografie nach: als Verfahren der Messung und Speicherung von Licht und als Werkzeug einer Imagination, mit der das Ideal der Messbarkeit und Zählbarkeit an seine Grenzen gelangt.

 

20.00 Uhr Die Vermessung des Menschen. Bürgerbewertung in Chinas gesellschaftlichem Bonitätssystem

Mareike Ohlberg (Sinologin, Mercator Institute for China Studies)

 

Was wäre, wenn jeder Bürger vom Staat eine Punktzahl zugeteilt bekäme, die sein Verhalten bewerten und steuern soll? Dies könnte in China bald zur Realität werden. Seit 2014 arbeitet die chinesische Regierung intensiv am Aufbau eines sogenannten „gesellschaftlichen Bonitätssystems“. Während die Zentralregierung vor allem bemüht ist, den Datenaustausch zwischen Behörden zu optimieren, experimentieren Provinzen und Städte bereits mit verschiedenen Methoden, Daten zu sammeln und unliebsames Verhalten zu sanktionieren. Chinas große IT-Konzerne haben zudem eigene Bonitätssysteme eingeführt, die teilweise bereits von Lokalregierungen genutzt werden. Im diesem Vortrag soll der aktuelle Stand des Großprojektes vorgestellt sowie Auswirkungen auf die Gesellschaft diskutiert werden.

 

21.00 Uhr Maßgeschneiderte Medikamente – Zukunftsmusik oder längst Realität?

Christian Hackenberger (Chemiker, Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie und Humboldt-Universität zu Berlin), Carl Friedrich Nising (Leiter Corporate R&D, Bayer AG)

 

Mehr als 100 Jahre nach Paul Ehrlichs visionärem Konzept der Zauberkugel ("Magic Bullets") bleibt die Suche nach hochselektiven, nebenwirkungsarmen Molekülen zur Bekämpfung von Krankheiten eine große Herausforderung für die pharmazeutische Forschung. Neben klassischen Ansätzen der Medizinalchemie sorgt in den letzten Jahren ein neuer Ansatz für Furore, insbesondere in der Krebstherapie: Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, sogenannte "Antibody-Drug-Conjugates (ADCs)". Formal betrachtet handelt es sich hierbei um eine Verknüpfung komplexer Antikörper mit hochpotenten, oftmals cytotoxischen Wirkstoffen (Drugs) mit dem Ziel Medikamente durch die Spezifität der Antikörper zielgerichtet zum Tumorgewebe zu bringen. Erste ADCs für die Krebstherapie sind seit einigen Jahren auf dem Markt und befeuern intensive Forschungen sowohl im universitären wie im industriellen Umfeld. In diesem Vortrag setzen sich zwei erfahrene Protagonisten auf dem Feld der pharmazeutischen und chemischen Forschung mit aktuellen Beispielen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven dieses Forschungsfeldes auseinander.

 

 

22.00 Uhr Körperschall – Die Vermessung des filmischen Raums

Gespräch mit Filmausschnitten zwischen den Filmemacherinnen Luise Donschen (Berlin) und Helena Wittmann (Hamburg)

Der filmische Raum ist deutlich weiter, als das, was im Bild zu sehen ist. Die Anwesenheit von Anderen und Anderem außerhalb des Bildausschnittes kann von entscheidender Bedeutung für die Erzählung sein. Das Bild deutet ihn an und der Ton ist sein Botschafter. Betrachtet man den filmischen Raum auch situativ, bezogen auf den Prozess des Filmemachens, so treten die Körper des Filmapparates selbst hinzu. Er besteht neben der Technik aus den Menschen, die sich etwa für Regie, Kamera oder Ton verantwortlich zeichnen und den Film gestalten.
Anhand des Sound-Stücks OFF (Donschen/Wittmann 2018, 12 min.), des Kurzfilms 21,3°C (Wittmann 2014, 16 min.) und Ausschnitten aus CASANOVAGEN (Donschen 2018, 67 min.) wird ein Bogen gespannt, der diese verschiedenen Zugriffe auf den filmischen Raum mit einbezieht. Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch statt.
 

Grenzen des Messbaren überschreiten

Gastgeberin: Max-Planck-Gesellschaft

 

18.00 Uhr Das Leben in Zahlen gemessen (Konferenzraum)


Eröffnung der Ausstellung „Hundert Jahre alt werden – aber wie?“ 

 

19.00/22.00 Uhr Menschen, die Maßstäbe verschoben. Die Nobelpreisträger der Max-Planck-Gesellschaft

 

Führung (Treffpunkt Fahrstuhl, 1. OG) 

 

20.00 Uhr Maße jenseits menschlicher Dimensionen. Naturkonstanten und Paralleluniversen (Gespräch, Konferenzraum)

Alexander Blum (Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Wissenscahftsgeschichte, Berlin), 
Hermann Nicolai (Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut), Potsdam), Moderation: Max Rauner (Die ZEIT)

 

Zur Bedeutung von Naturkonstanten für die moderne Wissenschaft und als Maß alles Messbaren.

 

21.00 Uhr Einstein als Experimentalphysiker. Einblicke in das neue Buch „Einsteins Berlin“ (Vortrag und Gespräch, Konferenzraum)

Dieter Hoffmann (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, em.), Max Rauner (Die ZEIT)

 

18.00–24.00 Uhr Hundert Jahre alt werden – aber wie? (Atrium)

 

Eine Ausstellung des europäischen Forschungsnetzwerks „ Population Europe“
 

Vorhang auf für Kilogramm, Kelvin und Co.!  

Gastgeber: Physikalisch-Technische Bundesanstalt

 

Der inhaltliche Schwerpunkt im PTB-Salon wird die bereits im Eröffnungsvortrag von Prof. von Klitzing thematisierte Revision des Internationalen Einheitensystems (SI) sein. Diese Revision bewirkt einen Konzeptwechsel in der Definition der Grundlage aller Einheiten im SI. Diese Grundlage bilden dann nicht mehr die sieben Basiseinheiten (kg, m, s, A, K, mol, cd) sondern sieben sogenannte ‚definierende Konstanten‘ (h, c, DnCs, e, k, NA, Kcd). Weltweit arbeiteten in den letzten Jahrzehnten Nationale Metrologie-Institute wie die PTB (Metrologie = die Wissenschaft des Messens) an einer möglichst präzisen Messung der Naturkonstanten, insbesondere an der Messung von h, e, k und NA.

 

18.30 Uhr Wir zählen bis 21,525... Quadrillionen

Experimentalvortrag Jens Simon und Katharina Salffner

 

Diese Arbeiten zur Bestimmung der definierenden Konstanten in einem ca. 30-minütigen Vortrag zusammenzufassen ist eigentlich genauso unmöglich wie in dieser Zeit bis 21,525… Quadrillionen zu zählen. Dennoch möchten wir (das Unmögliche?) versuchen, in dieser halben Stunde einen Eindruck von den Herausforderungen des präzisen Messens zu vermitteln und die Konzepte hinter diesen präzisen Messungen und des „Neuen SI“ zu erläutern.

  

19.30 Uhr Was Sie schon immer über Basiseinheiten wissen wollten (und sich nie zu fragen trauten)

Wissenschaftliches Speeddating mit sieben Wissenschaftlern der PTB

 

In 7 Minuten erzählen parallel 7 Wissenschaftler der PTB an jeweils einem Tisch von „ihren“ Basiseinheiten bzw. definierenden Konstanten. Und natürlich können und sollen die Gäste des Salons Fragen zu den Einheiten bzw. Konstanten und deren Messung stellen. Nach den sieben Minuten gibt es eine kurze Wechselpause und die Gäste wechseln zum nächsten Tisch.

 

21.00 Uhr Wir zählen bis 21,525... Quadrillionen 

Experimentalvortrag Jens Simon und Katharina Salffner (Wiederholung)

 

22.00 Uhr Messen der Wissenschaftsdisziplinen

Science Slam zwischen WissenschaftlerInnen (ohne Physiker/-innen!)

 

„Messen“ als Wettstreit, „Messen“ als Werkzeug, „Messen“ als Konzept, …  – die Bedeutungen sind vielfältig und somit nicht den Metrologen und Metrologinnen vorbehalten. In diesem Science Slam werden sich vier Wissenschaftler/innen aus verschiedenen Disziplinen (z. B. Linguistik, Philosophie) „messen“ und auch in den Slams geht es – in unterschiedlicher Weise – um das Messen. Die Bewertung / Messung(!) der Slams erfolgt durch das Publikum.

 

Messen zwischen Himmel und Erde
Gastgeberin: Gitta Kutyniok, Mathematikerin, Einstein-Professorin, TU Berlin, Akademiemitglied

 

18.30 Uhr Die Vermessung des Erbguts: Was der Blick in unsere Genkarte verrät

Karl Sperling, Charité Berlin

 

Zwei Angaben reichen aus, um in der Genkarte jeden Baustein des Erbguts wiederzufinden (z. B. Chromosom11/Position 5.246.695). Dies ist das Ergebnis des Humangenomprojekts, des größten biologisch-medizinischen Forschungsvorhaben überhaupt. Die Genkarte ist das zentrale Ordnungsprinzip der Genetik und Basis für die individualisierte Medizin. Sie ist Grundlage molekularer Anatomie und Pathologie sowie Spiegel des evolutionären Geschehens. Vergleichbar ist dies mit dem Blick in die heutige Landkarte, um uns auf dem Globus zu orientieren, in die alten Atlanten, um das Geschehene zu begreifen.

 

19.30 Uhr Die Messung der Zeit - eine physikalische Herausforderung

Thomas Elsässer, Physiker, Max-Born-Institut Berlin, Akademiemitglied

 

Die Messung von Zeitintervallen und die Erfassung zeitlicher Abläufe sind zentrale Themen der Physik. Die Entwicklung von den Sonnenuhren des Altertums zu den Atomuhren unserer Zeit hat die Genauigkeit der Zeitmessung extrem gesteigert. Moderne optische Methoden gestatten darüber hinaus die Erfassung ultraschneller Prozesse im Zeitbereich eines Milliardstels einer Millionstel Sekunde. Damit lassen sich Vorgänge im atomaren Bereich, etwa die Bewegung von Atomen und Elektronen oder chemische Reaktionen direkt verfolgen. Der Vortrag verbindet eine Einführung in die Konzepte der Zeitmessung mit einer Diskussion aktueller Forschung an ultraschnellen Vorgängen in der Natur.
 

20.30 Uhr Wie tickt die innere Uhr der Erde?

Friedhelm von Blanckenburg, GeoForschungsZentrum GFZ Potsdam

 

Die innere Uhr der Erde besteht aus vielen kleinen Sanduhren, die alle unterschiedliche Dinge messen.
Es ist der Zerfall kleinster Mengen radioaktiver Elemente, der „Isotope“, dessen Produkte wir Geochemiker mit hochempfindlichen Massenspektrometern messen. Aus den Mengen dieser Isotope und deren Halbwertzeit ergeben sich geologische Alter.
Paradoxerweise jedoch gibt die Erde selber ihr Alter nicht preis, denn sie wird durch tektonische Kräfte ständig umgewühlt und jede Erinnerung an ihre Geburt somit ausgelöscht. Zum Glück finden wir Meteorite, die mit der Erde entstanden sind, und ihre Erinnerung behalten haben. Sie geben unserem Planeten ein Alter von 4567 Millionen Jahren. Die ältesten Gesteine der Erde sind 4000 Millionen Jahre alt. Der Asteroid, der die Dinosaurier vernichtete, schlug vor ziemlich genau 65,5 Millionen Jahren ein. Und die Hügel, die Berlin umgeben, sind vor 15 Tausend Jahren von Gletschern hierher geschoben worden.
Mit den Chronometern der Erde haben wir die Erdgeschichte inzwischen in unglaublichem Detail rekonstruiert und jeder Stein, jeder Berg, und sogar der Mond hat seine Zeit bekommen.

 

21.30 Uhr Die Messung von Materie, Raum und Zeit in Chemie und Physik

Martin Quack, Physikalische  Chemie, ETH Zürich


Physikalisch-chemische Prozesse verbinden die Physik der unbelebten Materie mit den biochemisch-biologischen Prozessen des Lebens. Die genaue Definition und Messung von Materie (als Stoffmenge mit der Einheit ‚mol‘ oder Masse mit der Einheit kg), der räumlichen Struktur von Molekülen in der Stereochemie, sowie der Zeit beim Ablauf der physikalisch-chemischen Vorgänge und Reaktionen gehört zum Kern der Naturwissenschaften. Wir beginnen mit einem historischen Überblick solcher Messungen unter Einschluss der neuesten Entwicklungen bei den Definitionen des internationalen Einheitensystems und illustrieren die Messungen mit einigen Beispielen. Dann betrachten wir einige Grundfragen der Struktur von  Raum, Zeit und Materie in Bezug zu einer absoluten Messung der Richtung der Zeit und des Raumes. Diese führen zur Frage der prinzipiellen Messbarkeit und Beobachtbarkeit durch Symmetrieverletzungen und zu teils ungelösten kosmologischen Fragen der Asymmetrie zwischen Materie und Antimaterie, der Spiegelbildsymmetrie des Raumes und von Biomolekülen und der Frage einer absoluten Zeitrichtung und ihrer Messung mit molekularen Prozessen mit einer ‚absoluten Moleküluhr‘.
 

22.30 Uhr Warum ist die Vermessung von Wolken so schwierig?

Jost Heintzenberg, Meteorologe, Akademiemitglied


Vielleicht sollte man erst die Frage stellen: Warum will man so etwas Flüchtiges wie Wolken überhaupt vermessen oder warum sind Wolken denn so wichtig, dass man sie vermessen sollte? Zumindest aus zwei Gründen: Erstens bestimmen Wolken die Energiebilanz der Erde. Dabei haben sie sowohl einen Abkühlungseffekt durch ihre Reflektion von Sonnenstrahlung als auch einen Erwärmungseffekt, indem sie die Wärmeausstrahlung der Erde verringern. In der Summe beider Effekte führt dies heute global zu etwa fünf Grad Abkühlung am Boden. Zweitens gäbe es uns ohne Wolken nicht, weil ohne Wolken mit ihrem Niederschlag kein Leben wie wir es kennen auf dem Lande möglich wäre.
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Das rechte Maß

 

20.00 / 22.00 Uhr Der Akademiechor tritt auf

Künstlerische Leitung: Jürgen Trapp

Maß und Messen an der Seidenstraße

Gastgeber:Akademienvorhaben Turfanforschung, BBAW

 

Die Berliner Turfansammlung ist eine weltweit einzigartige Sammlung von Handschriftenfragmenten, Malereien und Artefakten aus dem vorislamischen Zentralasien, die während der vier deutschen Turfan-Expeditionen zwischen 1902 und 1914 aus der Turfan- Oase in der heutigen Uigurischen Autonomen Region Xinjiang VR China nach Berlin gebracht worden sind. Was das Textmaterial aus den Oasen an den nördlichen Seidenstraßen betrifft, ist sie die reichste und bedeutendste Sammlung von Handschriftenfragmenten. Seit 1992 sind alle Teile der Sammlung als Eigentum der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften wieder vereinigt. Die Edition der mitteliranischen und altuigurischen Texte der Sammlung ist die Hauptaufgabe des Akademienvorhabens Turfanforschung. Im Rahmen des diesjährigen Salon Sophie Charlotte werden speziell die Besonderheiten von Maß und Messen an der Seidenstraße durch einen öffentlichen Vortrag und eine Führung zur entsprechenden Textgruppe in der Berliner Turfansammlung vorgestellt. Der öffentliche Vortrag „Maß und Messen an der Seidenstraße zwischen dem 4. und 14. Jahrhundert“ von Alisher Begmatov und Márton Vér stellt thematisch ausgewähltes Material und seinen historischen Hintergrund vor. In der Führung werden Fragmente in den Sprachen Altuigurisch und Sogdisch, in denen es um Maße und Messen geht, durch Vorstellung der Originaltexte und eine Powerpoint-Präsentation kurz vorgestellt.

 

18.30–22.00 Uhr Führung und Präsentation

 

 

19.30 / 20.30 / 21.30 Uhr Ein- und Aussteigen
Performance für Sänger/-innen, Paternoster und Raum

 

Der PerformanceChor für Experimentellen Gesang Berlin verwandelt bei dieser Performance drei Mal für je 20 Minuten den Paternoster des Akademiegebäudes der BBAW in ein auf- und abschwebendes, tönendes Objekt. Frei improvisierend entsteht ein choreographisches Spiel von Menschen, die ein- und aussteigen, auf Ebenen verweilen, für mehrere Paternoster-Runden unterwegs sind… Dabei tönen sie, so dass die Töne durch die Etagen reisen, sich verdichten und wieder auseinanderstreben. Die Sängerinnen und Sänger treffen in immer wieder neuen, unvorhersehbaren Kombinationen, in den einzelnen Etagen und in den Kabinen des Paternosters, improvisierend aufeinander. Die Abläufe werden per Strichlisten, die die Anzahl der ein- und aussteigenden Personen festhalten, einer Statistik unterzogen. Doch konterkariert die Handlung in der freien Improvisation den Versuch der messbaren Systematik.

 

Parallel zur Handlung läuft ein Video: Eine Sanduhr, die das unentwegte Rinnen der Zeit symbolisiert - Zeit, als den aller Handlung zugrunde liegenden Maßstab.

 

Ein Spiel mit den Phänomenen „Ein- und Aussteigen“ in den und aus dem immerwährenden Lauf (der Dinge), aus messbaren und vorhersehbaren Handlungsmustern und dem Entstehen und Auflösen von immer neuen Begegnungen.
 

Rechtes Maß und Heilige Zahl
Gastgeber/in: Maria Deiters und Martin Schubert (beide: BBAW Mittelalterzentrum)

 

"Du aber hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet" (Sap 11,21) – für die mittelalterlichen Menschen waren Gott und die Welt Zahlen. Das Mittelalterzentrum lädt ein zu Kurz- und Mitmachvorträgen, musikalischen Beiträgen, Spielen und einer Ausstellung rund um die Themen: Heiligkeit der Zahl – gezählte Heiligkeit, Mikrokosmos – Makrokosmos, das falsche und das rechte Maß.
 
18.30–18.50 Uhr Friedrich III., der Kaiser und sein Kosmos

Jörg Feuchter (AV Regesta Imperii, BBAW)

 

19.30–19.50 Uhr Die Bedeutung des Messens in der spätmittelalterlichen Passionsfrömmigkeit

Lydia Wegener (Projekt Otto von Passau, BBAW)

 

20.30–20.50 Uhr Von rechter Verskunst und falscher Meisterschaft – ein Rätsellied in Regenbogens Langem Ton

Vortrag mit Gesang - Julia Siwek (Humboldt-Universität zu Berlin)

 

21.30–21.50 Uhr Heilige Zahl und geordneter Kosmos: Mittelalterliche Rosenfenster

Cornelia Aman (CVMA-Forschungsstelle, BBAW)

Maß und Messen in alter Zeit

Gastgeber: Philip van der Eijk, Altertumswissenschaftler, Humboldt-Universität zu Berlin, Akademiemitglied

 

18.30 Uhr Gilgamesch oder: Die Zähmung von Raum und Zeit im Zweistromland

Eva Cancik-Kirschbaum (Altorientalistin, Freie Universität Berlin, Akademiemitglied)

 

Der Blick auf die Uhr führt weit in die Vergangenheit: In das antike Zweistromland, wo vor gut 5000 Jahren ein Zeitkonzept entwickelt wurde, das konsequent Raum und Zeit zusammendenkt. Der Vortrag thematisiert die Entwicklung der Zeitmessung im Spannungsfeld von sozialer Komplexität, dem Überzeitlichkeitsanspruch des frühen Staates und der individuellen Erfahrung begrenzter Lebenszeit. 

 

19.30 Uhr Alexander von Humboldts erdmagnetische Messungen in Berlin – ein historischer Spaziergang

Ingo Schwarz (Akademienvorhaben Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung, BBAW)

 

Alexander von Humboldt hat seine in Lateinamerika begonnenen geomagnetischen Messungen auch in Berlin fortgesetzt. Im Vortrag werden, durch Briefstellen belegt, Orte vorgestellt, an denen er solche Beobachtungen vornahm.

 

Alexander von Humboldt und das Magnetfeld der Erde

Oliver Schwarz (Didaktik der Physik, Universität Siegen) und Ingo Schwarz

 

Wir verfolgen, wie die Einsicht reifte, dass es sich bei dem Magnetfeld der Erde nicht um eine statische Erscheinung handeln kann, sondern vielmehr um ein dynamisches, zahlreichen Einflüssen unterliegendes und zeitlich variables Phänomen, das prinzipiell auf einem elektromagnetischen Induktionsprozess beruht.

 

21.15 Uhr Goethe und die quantitative Methode der Physik: Zur Entkräftung einiger Vorurteile

Olaf Müller (Philosoph, Humboldt-Universität zu Berlin) und Michael Niedermeier (Goethe-Wörterbuch, BBAW)

 

Goethe hat es gewagt, Newtons Theorie des Lichts und der Farben anzugreifen und dabei u.a. dessen Missbrauch der Mathematik zu beklagen; daher gilt er vielen als Verfechter einer weichen Naturwissenschaft, in der man qualitativ vorgehen soll, nicht quantitativ. Doch Goethes Haltung zu Zahlen war nicht einfach nur von Unverstand und Verachtung geprägt. Anders als oft behauptet wird, hat Goethe in seinen optischen Experimenten sehr präzise nachgemessen. So stellt er auf seinen Farbtafeln ganze experimentelle Serien geometrisch akkurat dar, und zwar in einem cartesischen Koordinatensystem, dessen Maßstab sich recht genau rekonstruieren lässt. Indem Goethe seine Versuchsergebnisse idealisierte und von störenden Nebeneffekten bereinigte, folgte er einer gängigen Praxis damaliger und heutiger Naturwissenschaft. Er idealisierte anders als Newton, verstieß dadurch aber nicht gegen die Regeln der Experimentierkunst.

 

22.15 Uhr Maß und Messen an der Seidenstraße zwischen dem 4. und 14. Jahrhundert

 

Die Turfansammlung, eine weltweit einzigartige Sammlung von Handschriftenfragmenten aus Zentralasien, ist Eigentum der BBAW. Die mitteliranischen und altuigurischen Texte daraus werden vom Akademienvorhaben Turfanforschung ediert. Unser Vortrag stellt thematisch ausgewähltes Material und seinen historischen Hintergrund vor.

 

Die Sogder und ihr Netzwerk

Alisher Begmatov (Turfanforschung, BBAW)

 

Der erste Teil konzentriert sich auf das sogdische Handelsnetzwerk entlang der Seidenstraße und seine wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Auswirkungen auf die verschiedenen Regionen Eurasiens zwischen dem 4. und 8. Jh. u.Z. Die Präsentation stellt auch Ergebnisse der neusten archäologischen und philologischen Forschungen über die Sogder und die Seidenstraße vor.
 

Die Uiguren: Von der Vielfalt zur Vereinheitlichung (9.-14. Jh.)

Márton Vér (Turfanforschung, BBAW)

 

Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem altuigurischen Material, das in zwei chronologische Phasen unterteilt werden kann: die Zeit des Uigurischen Königreichs von Qočo (9.–12. Jh.) und die Mongolenzeit (13.–14. Jh.). Die Präsentation führt vor, wie die Veränderungen der Maßeinheiten die historischen Prozesse widerspiegeln und bietet auch einen Ausblick auf künftige Forschungsthemen.
 

Die Vermessung ultrakurzer Lichtblitze - Ein Experiment

Galerie via Foyer Leibniz-Saal, 1. OG

 

ab 18.30 Uhr Vorführungen

Uwe Griebner (Max-Born-Institut, Berlin)

Über Entwicklungen der Messtechniken

Gastgeberin: Eun Jeung Lee, Politikwissenschaftlerin und Koreanistin, Freie Universität Berlin, Akademiemitglied

 

18.30 Uhr „...so gieng es mir doch wie den Bierfiedlern, wenn sie eine rechte Musik zu hören bekommen“: Das Feldmesserbuch des Hyginus

Jens-Olaf Lindermann, Eberhard Knobloch, Cosima Möller
 

»Unter allen Ausführungen von Vermessungen soll die Festlegung der Grenzlinien die wichtigste sein.« So beginnt das ›Feldmesserbuch‹ eines sonst unbekannten Hyginus aus dem 1. Jh. n. Chr. Der Text gehört zu einer Sammlung von Feldmesser- oder Agrimensorenschriften, die zusammen mit der ins Lateinische übersetzten ›Geometrie‹ Euklids die einzige mathematische Quelle bildete, die das Mittelalter bis zum Beginn der arabischen Tradition besaß. Da gerade Linien und rechte Winkel sich am schönsten messen lassen, ging man bei Koloniegründungen von einem in Ost-West bzw. Nord-Süd konstruierten Achsenkreuz aus und erzeugte durch Parallellinien ein Schachbrettmuster. Doch wie wurde die Nord-Süd-Linie ermittelt? Welchen rechtlichen Nutzen hatte die Bestimmung von Grenzlinien? Interessant sind auch die Texte selbst; sie waren früh kommentierungsbedürftig für Leute, denen das alles ›obskur‹ vorkam. In den Texten finden sich etliche Glossen, Randnotizen und fremde Textfragmente. Außerdem 'glänzt' das Feldmesserbuch durch eine Vielzahl von den Text unterstützenden Illustrationen.
 

 

Philologische Aspekte

Jens-Olaf Lindermann (Klassischer Philologe/Latinist, TOPOI)

 

Wissenschaftsgeschichtliche Aspekte

Eberhard Knobloch (Wissenschafts- und Technikhistoriker, Akademiemitglied)

 

Juristische Aspekte

Cosima Möller (Zivilrechtlerin und Römischrechtlerin, Freie Universität Berlin)

 

20.30 Uhr „The Battle of the Standards“. Messen, Zählen und Wiegen in Westeuropa 1660 –1914

Peter Kramper (Wirtschaftshistoriker, Universität Bielefeld)

 
Warum ist ein Meter überall gleich lang? Die Frage mag banal erscheinen, doch standardisierte Maße und Gewichte sind keine Selbstverständlichkeit. Der Vortrag untersucht in historischer Perspektive, wie sie zustande kamen. Er konzentriert sich dabei auf Westeuropa zwischen 1660 und 1914 und nimmt politisch-administrative, wirtschaftliche und wissenschaftliche Aspekte des Themas gleichermaßen in den Blick.
 

21.30 Uhr Die Vermessung des Gehirns: Picoampere, Nanovolt, Mikrometer – mehr braucht’s nicht!

Yiannos Manoli (Mikroelektroniker, Universität Freiburg, Hahn-Schickard-Institut, Thomas Mann Fellow 2018)

Wenn Milliarden kleinster Nervenzellen im Gehirn miteinander kommunizieren, dann steht man ziemlich unter Strom. Unsere meist nur ein 1000-stel Millimeter kleinen Neuronen teilen sich so einiges durch das Aussenden elektrischer Signale mit. Kommt es bei dieser spannungsreichen Kommunikation zu Störungen, steht neben einer medikamentösen Behandlung die Tiefe Hirnstimulation zur Verfügung: Kerngebiete des Gehirns werden durch hochfrequente Spannung stimuliert, was zu einer Reduktion der Symptome bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen führt.
Seit den 80er Jahren wurden so weltweit zirka 85.000 – vornehmlich an Parkinson und Epilepsie – Erkrankte überaus erfolgreich behandelt. Zudem bietet diese Methode in Fällen der therapieresistenten Depression neue Ansätze.
Spannungsreiche Ausblicke werden mit Erläuterungen und Beispielen in ihren weitreichenden Möglichkeiten dargestellt.
 

22.30 Uhr Vermessen? Computer in den Geisteswissenschaften

Daniel Althof (TELOTA, BBAW)

 

Messen hat etwas mit Zahlen zu tun. Die Geisteswissenschaften zentrieren sich jedoch um Zeichen. Das Messen war daher eine natürliche Domäne der Naturwissenschaften, suchen sie doch ihren Zugang zur Wirklichkeit durch das Quantifizierbare. Computer und Naturwissenschaften gehen daher eine natürliche Symbiose ein, insofern der Computer als Rechenmaschine bei der Vermessung der Welt eine ungeheure Komplexität ermöglicht. Die Geisteswissenschaften grenzen sich aber von einem solchen Zugriff auf die Wirklichkeit entschieden ab. Sie erklären nicht die Wirklichkeit im Rückgriff auf Zahlen, sondern verstehen die Wirklichkeit durch Zeichen. Bisher sind die hermeneutischen Künste ohne Rechenschieber ausgekommen. Was würde der Computer in den Geisteswissenschaften Signifikantes leisten können? Die Frage drängt sich auf, was hier überhaupt sinnvoll vermessen werden kann. Auf Grundlage der Unterscheidung zwischen Zahl und Zeichen versucht der Vortrag eine Beantwortung dieser Fragen zu skizzieren.

Ver|mes|sen

Gastgeberin: Die Junge Akademie

 

„Messen, was messbar ist – messbar machen, was nicht messbar ist.“ Hatte Galilei mit diesem Diktum zunächst nur der modernen Naturwissenschaft ein Programm gegeben, ist das Messen heute in allen Wissenschaften und in den Gegenwartsgesellschaften selbst allgegenwärtig. Aber wo gemessen wird, besteht immer auch die Gefahr, sich zu vermessen. Ausgehend von dieser Tatsache werden sich im Rahmen des SSC 2019 die zehn neuen Mitglieder der Jungen Akademie vorstellen, indem sie sich mit drei unterschiedlichen Themenkomplexen befassen, die sich aus den drei Bedeutungen von vermessen ergeben.

 

19.00 Uhr ver|mes|sen: 1. (gehoben) etwas Unangemessenes [mit Überheblichkeit] tun oder sagen

 

Im ersten Teil soll vermessen im Sinne von „anmaßend“ im Mittelpunkt stehen. In einer Podiumsdiskussion werden die Mitglieder der Jungen Akademie mit Vertretern unterschiedlicher Disziplinen die Frage diskutieren, ob, und wenn ja, wie viel Vermessenheit eigentlich zur Wissenschaft gehört. Dabei reicht das Spektrum möglicher Themen von der Anmaßung selbst, die wissenschaftliches Forschen etwa aus bestimmten religiösen Perspektiven darstellen mag, über „vermessene“ Thesen und Hypothesen bis hin zu Fällen der Manipulation von Zahlen in der Wissenschaft.

 

Podiumsdiskussion zur (notwendigen?) Vermessenheit der Wissenschaft mit Waltraud Schelkle (Politikökonomin, London School of Economics) und Stefan Selke (Soziologe, Hochschule Furtwangen)

 

20.00 Uhr ver|mes|sen: 2. falsch messen; sich beim Messen irren

 

Im zweiten Teil des Programms wird vermessen im Sinne von „fehlerhaft messen“ thematisiert, und zwar gleich zweifach: Im ersten Teil werden die zehn neuen Mitglieder der Jungen Akademie in einem Science Slam mit kurzen Vorträgen über eigene Erfahrungen des Vermessens und Falschmessens oder auch über bekannte und weniger bekannte wissenschaftliche Messfehler gegeneinander antreten. Welcher der beste Vortrag war, das wird selbstverständlich gemessen! Im zweiten Teil wird durch einen musikalischen Beitrag die Differenz zwischen „hard science“ und „soft science“ performativ thematisiert, und zwar durch verschiedene Interpretationen desselben (unter anderem metrisch) genau „vermessenen“ Musikstücks.

 

Science Slam der Mitglieder der Jungen Akademie, gefolgt von einer musikalischen Performance zum Thema

 

21.15 Uhr ver|mes|sen: 3. etwas genau in seinen Maßen festlegen

 

Im dritten Teil soll schließlich dem Thema vermessen im Sinne von „messen“ bzw. „ausmessen“ nachgegangen werden. Dabei stellt das Thema des Messens und Vermessens als Programm der Wissenschaft nur den Ausgangspunkt dar für die kritische Diskussion des Messens als allgemeinem Programm in den Gegenwartsgesellschaften. Immer mehr wird die Zahl zum Maß allen gesellschaftlichen Werts, aber auch des Werts und der Werte ihrer Mitglieder. Eine solche „Quantifizierung des Sozialen“ hat unter anderem der Berliner Sozialwissenschaftler Steffen Mau kürzlich unter dem Titel Das metrische Wir kritisiert. Gemeinsam mit Mau und weiteren Gästen soll die kritische Dimension des Messens und Vermessens diskutiert werden.

 

Podiumsdiskussion zum Thema „Die Quantifi zierung des Sozialen” mit Steffen Mau (Soziologe, Humboldt-Universität zu Berlin, BBAW-Mitglied) und Peter Kirsch (Neurowissenschaftler, Universität Heidelberg)

 

22.00 Uhr Den Abend über werden bei uns auch Sie vermessen!

 

Die zehn neuen Mitglieder wollen nicht nur sich selbst vorstellen, sondern auch die Gäste des Salons näher kennenlernen ‒ freilich indem sie diese „vermessen“. Den ganzen Abend soll den Gästen die Möglichkeit gegeben werden, Fragen zu beantworten, die im letzten Teil des Abends mit ihnen gemeinsam ausgewertet werden.

Das rechte Maß aus arabischer Perspektive

Gastgeberin: Verena Lepper, Projektleiterin Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA)

 

18.30 AGYA nimmt Maß. Eine Einführung

Verena Lepper (Ägyptologin, Berlin, AGYA-Projektleiterin)

 

18.30–23.00 HörBAR und FühlBAR

Stationen zur Live-Messung von Emotionen und Akustiksimulation historischer Bauten

 

19.00 Uhr Die Welt steht Kopf.
Arabische und deutsche Maßstäbe in der Kartographie

Gegenüberstellung arabischer und deutscher historischer Karten mit den AGYA-Mitgliedern Luise Fischer (Humangeographin, Leipzig), Christian Fron (Althistoriker, Heidelberg) und Konstantin Klein (Althistoriker, Bamberg)

 

19.30 Uhr Das rechte Maß.
Historische, juristische und philosophische Aspekte

Podiumsdiskussion in englischer Sprache über kulturelle und historische Begriffe vom „rechten Maß“ mit den AGYA-Mitgliedern Pierre Thielboerger (Jurist, Bochum), Fatima Kastner (Juristin, Bielefeld) und Mohammad Alwahaib (Philosoph, Kuwait). Moderation: Beate Ulrike La Sala (Philosophin, Berlin)

 

20.00 Uhr Neue Maßstäbe: Spektral-mikrotonale Komposition als Brücke zwischen arabischer und westlicher Musik

Vortrag von Rami Chahin (Musikologe und Komponist, Oldenburg, AGYA-Mitglied), illustriert durch Aufführungen seiner Kompositionen auf orientalischen und westlichen Instrumenten

 

20.30 / 22.00 Uhr HörBAR und FühlBAR

Über die Messung von Emotionen sprechen Oliver Korn (Informatiker, Offenburg, AGYA-Mitglied) und Thomas Bächle (Medienwissenschaftler, Berlin). Die Simulation von antiker Raumakustik wird präsentiert von Christian Fron (Althistoriker, Berlin, AGYA-Mitglied) und Peter Scholz (Althistoriker, Stuttgart)

 

21.00 Uhr Vermessenheit. Instrumentarische und methodische Grenzen der Wissenschaften

Podiumsdiskussion zwischen den AGYA-Mitgliedern Djamel Djenouri (Informatiker, Algier), Luise Fischer (Humangeographin, Leipzig), Jan Friesen (Hydrologe, Leipzig). Moderation: Ahmend Hegazy (Humanmediziner, Berlin)

 

22.00 Uhr Zwischentöne – Neuvermessung ästhetischer Ausdrucksformen in Literatur und Musik

Salongespräch mit den AGYA-Mitgliedern Barbara Winckler (Arabistin, Münster), Rami Chahin (Musikologe und Komponist, Oldenburg) und Christian Junge (Arabist, Marburg) mit musikalischer Interpretation einer Graphic Novel und arabischen Gedichten

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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