Wissenschaftliche Politikberatung - Hans-Heinrich Trute: Governance des Wissens

Auftaktveranstaltung der Vortragsreihe

14. Februar 2012

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Einstein-Saal, Jägerstrasse 22/23, 10117 Berlin

Was kann wissenschaftliche Politikberatung tatsächlich leisten? Was kann realistischerweise von ihr erwartet werden? Wann gelingt sie, und wann schlägt sie fehl? Die Vorlesungsreihe vermittelt einen Einblick in die komplexen Beziehungen zwischen wissenschaftlichen Experten und Politikern. Im ersten Teil der Reihe spricht Hans-Heinrich Trute zu dem Thema "Governance des Wissens".

Wissenschaftliche Politikberatung - Hans-Heinrich Trute: Governance des Wissens
Wissenschaftliche Politikberatung - Hans-Heinrich Trute: Governance des Wissens

Die wissenschaftliche Politikberatung wird von Politikern, Öffentlichkeit und Medien gleichermaßen mit übersteigerten Erwartungen konfrontiert wie mit unverhältnismäßiger Kritik überzogen. Ebenso haben nicht wenige der beratenden Wissenschaftler unrealistische Vorstellungen darüber, welchen Einfluss sie haben sollten. Bei nüchterner Betrachtung ist es deswegen keineswegs überraschend, dass die allseits überzogenen Erwartungen häufig zu Konflikten, Enttäuschungen und wechselseitigem Misstrauen führen.


Was also kann wissenschaftliche Politikberatung tatsächlich leisten? Was kann realistischerweise von ihr erwartet werden? Wann gelingt sie, und wann schlägt sie fehl?
 

Verschiedene Formen der wissenschaftlichen Politikberatung können unterschieden werden. Es gibt die spektakulären Fälle von Politikberatung: Klimawandel, Schweinegrippe, grüne Gentechnik und andere, die im Rampenlicht öffentlicher Aufmerksamkeit stehen. Aber ein erheblicher Teil der Politikberatung durch die Wissenschaft findet eher geräuschlos fernab der Medien und der Öffentlichkeit statt, z.B. in den Kommissionen und Beiräten der Ministerien.

Nachdem die BBAW 2008 ihre Leitlinien Politikberatung nostrifiziert und veröffentlicht hat, möchte sie – gemeinsam mit der Leibniz-Gemeinschaft – die Diskussion über das Thema in einer breiteren Öffentlichkeit fortführen. Die Vorlesungsreihe vermittelt einen Einblick in die komplexen Beziehungen zwischen wissenschaftlichen Experten und Politikern. Gegenstand der Vorträge sind u.a. die Möglichkeiten evidenzbasierter Entscheidungen und ihre Beschränkungen, die Gefahren politischer Instrumentalisierung von Expertenrat, die Bedeutung von Glaubwürdigkeit in der Beratung im Spannungsfeld mit medialer Beobachtung, der Einfl uss von Interessen und Werthaltungen auf die Qualität des Rates. Aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven sollen weitere Fragen am Beispiel verschiedener Gegenstände und Themen der Beratung erörtert werden. Die Reihe wird fortgesetzt.

 


Eröffnung

Günter Stock
Präsident der Berlin-Brandenburgischen
Akademie der Wissenschaften

 

Karl Ulrich Mayer
Präsident der Leibniz-Gemeinschaft

 

Einführung
Peter Weingart
Universität Bielefeld
Akademiemitglied

 

Gert G. Wagner
TU Berlin
Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
in der Leibniz-Gemeinschaft


Governance des Wissens
Hans-Heinrich Trute
Universität Hamburg

 

Legitimität und wissenschaftliche Rationalität gelten als Grundprinzipen moderner Demokratien, als Teil ihres verfassungsrechtlichen Rahmens. Die Jahrzehnte währende Diskussion um die Koppelung von Wissenschaft und Politik hat sich an darauf bezogenen Grundsatzfragen der wissenschaftlichen Politikberatung abgearbeitet. Nicht zuletzt in Folge von Krisen sind indes zunehmend die institutionellen Rahmenbedingungen als Teil der Qualität der Beratung in den Vordergrund gerückt. Governance des Wissens thematisiert die institutionellen Arrangements der Verkoppelung von Wissen und Politik. Zugleich erweitert sich mit der Governance-Perspektive das Blickfeld über die organisierte Politikberatung hinaus auf eine sich verändernde „Beratungslandschaft“. Stichworte sind etwa die Pluralisierung der beratenden Akteure, die Pluralisierung von Wissensansprüchen infolge von Ungewissheit und Nichtwissen, die Veränderung der Funktionen der Beratung durch deren strategischen Einsatz sowie die Verrechtlichung von Anwendungskontexten, nicht zuletzt infolge der Europäisierung von Politikfeldern. Daraus ergeben sich nicht nur Bauelemente einer normativen Qualitätssicherung von Beratungskontexten, sondern auch veränderte Funktionen staatlicher Qualitätssicherung in Kontexten außerhalb der organisierten Politikberatung.

 

Weitere Termine der Vortragsreihe:

 

Dienstag, 6. März 2012
Politikberatung in Krisenzeiten:
Die Ethikkommission nach Fukushima
Ortwin Renn
Universität Stuttgart
Akademiemitglied


Dienstag, 20. März 2012
From nuclear winter to climate change:
the political uses of scientifi c dissent
Naomi Oreskes
University of California, San Diego, USA
 

Dienstag, 17. April 2012
Lessons from 50 Years of Science Advice
to the US President
Robert Pielke jr.
University of Colorado, USA

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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