Zukunft mit Kindern, Teil 1

Akademievorlesung

18. Oktober 2012

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Einstein-Saal, Jägerstrasse 22/23, 10117 Berlin

Warum bleibt der Kinderwunsch vieler Paare unerfüllt? Warum entscheiden sich andere Paare gegen Kinder oder verschieben eine Entscheidung? Und welche Maßnahmen sind notwendig, um die Verwirklichung von Kinderwünschen zu erleichtern? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich die Akademievorlesungsreihe der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Zukunft mit Kindern – Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung“.

Zukunft mit Kindern, Teil 1
Zukunft mit Kindern, Teil 1

In den aktuellen Debatten über den demographischen Wandel, der einerseits durch sinkende Geburtenraten und andererseits durch eine steigende Lebenserwartung gekennzeichnet ist, stehen meist die Konsequenzen für die Gesellschaft im Vordergrund, die zudem häufig als düstere Zukunftsszenarien ausgemalt werden. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina haben im Frühjahr 2009 eine von der Jacobs Foundation geförderte interdisziplinäre Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich für eine andere Perspektive entschieden hat: Diese Arbeitsgruppe „Zukunft mit Kindern – Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung“ konzentriert sich auf die Ursachen der niedrigen Geburtenzahlen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nach rund dreijähriger intensiver Auseinandersetzung mit der Thematik legt die Arbeitsgruppe Analysen und Vorschläge vor, wie die Lebenssituation von Kindern und Eltern in der heutigen Gesellschaft zu verbessern ist, um dadurch die Realisierung von Kinderwünschen zu erleichtern. Zukunft mit Kindern heißt aus dieser Perspektive vor allem, die Gestaltung von Lebensläufen neu zu denken, damit allen – Frauen wie Männern – dauerhaft die gleiche Teilhabe an allen gesellschaftlichen Lebensbereichen ermöglicht wird.

 

Die Arbeitsgruppe führt in bisher nicht erreichter Weise den aktuellen Wissensstand aus Demographie, Geschichtswissenschaften, Medizin, Ökonomie, Politik, Psychologie und Soziologie zusammen. In den Akademievorlesungen werden Schwerpunkte aus den vielschichtigen Arbeitsergebnissen und Empfehlungen vorgestellt.

 


Einführung und Moderation: Günter Stock
Akademiepräsident


Demographische Daten und Fakten
zur Geburtenentwicklung
Alexia Fürnkranz-Prskawetz

Professorin für Mathematische Ökonomie am Institut für
Wirtschaftsmathematik der Technischen Universität Wien
und stellvertretende Direktorin und Arbeitsgruppenleiterin
am Institut für Demographie, Österreichische Akademie der
Wissenschaften, Wien
 

Nach einem kurzen Überblick zur Messung der Fertilität, wird die langfristige Fertilitätsentwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert. Im Vergleich zu Nord- und Westeuropa sind die drei Länder durch eine niedrige Perioden- und Kohortenfertilität gekennzeichnet. Können hohe Kinderlosigkeit, Bildung, veränderte Partnerschaftsformen, ein Aufschieben der Geburten in höheres Alter und ein geringer Kinderwunsch diese Trends erklären? Alexia Fürnkranz-Prskawetz diskutiert die Fertilitätsentwicklung in Bezug auf diese soziodemographischen Charakteristika. Abschließend beleuchtet sie die Datengrundlage im Bereich der Fertilitäts- und Familienforschung. Es werden Möglichkeiten und Analysepotenziale, aber auch Probleme und zukünftiger Reformbedarf thematisiert.

 

Sind wir auf dem Weg in die kinderlose Gesellschaft?
Johannes Huinink
Professor für Soziologie am Institut für empirische und
angewandte Soziologie (EMPAS) der Universität Bremen

 

Kinder zu haben gilt zu Recht als raison d’être des Menschen, sonst gäbe es ihn nicht. Doch die historische Entwicklung der menschlichen Fertilität ist nicht zu verstehen, wenn man nicht berücksichtigt, dass das reproduktive Handeln des Menschen grundsätzlich auch intentional und seiner persönlichen Willkür unterworfen ist. Will man die Frage nach den Ursachen der Geburtenentwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz beantworten und Aussagen zu deren zukünftigen Entwicklung machen, ist diesem Umstand Rechnung zu tragen. Neben (kultur)anthropologischen sind dabei soziale, politische, ökonomische und psychologische Bedingungsfaktoren menschlicher Fertilität und ihrer Konsequenzen für individuelle Lebensläufe unter sich wandelnden gesellschaftlichen Verhältnissen zu untersuchen.
Im ersten Teil der Vorlesung sollen die theoretischen Angebote dazu kurz erläutert und zu einem anschaulichen Erklärungspaket verdichtet werden. Dabei werden auch einige gängige Mythen als unzutreffend entlarvt. Im zweiten Teil der Vorlesung werden Schlussfolgerungen vorgestellt, die daraus abgeleitet werden können. Es wird sich zeigen, dass die Frage nach der kinderlosen Gesellschaft rein demographisch betrachtet eine eher rhetorische Frage bleiben dürfte. Formuliert man sie aber als Frage nach der kinder- oder familienvergessenen Gesellschaft um, darf man sich nicht mehr so sicher sein.
 

 

Weiterer Termin:

- Donnerstag, 1. November 2012 mit Günter Stock, Hans Bertram und Wolfgang Holzgreve.
zum Veranstaltungshinweis 

 

Zur Website der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Zukunft mit Kindern – Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung“  

 

 

 

 

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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