Zukunft mit Kindern, Teil 2

Akademievorlesung

01. November 2012

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Einstein-Saal, Jägerstrasse 22/23, 10117 Berlin

Warum bleibt der Kinderwunsch vieler Paare unerfüllt? Warum entscheiden sich andere Paare gegen Kinder oder verschieben eine Entscheidung? Und welche Maßnahmen sind notwendig, um die Verwirklichung von Kinderwünschen zu erleichtern? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich die Akademievorlesungsreihe der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Zukunft mit Kindern – Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung“.

Zukunft mit Kindern, Teil 2
Zukunft mit Kindern, Teil 2

Wolfgang Holzgreve stellt sich in seinem Vortrag die Frage „Späte Mutterschaft – nur aufgeschoben oder manchmal auch aufgehoben?“. Die Entscheidung, ob und wann man Kinder haben möchte, ist eine der persönlichsten und sollte ohne Beeinflussungen von außen erfolgen. Dennoch sollte dieser wichtige Entschluss auf Grundlage bestmöglicher Information gefasst werden. Dafür ist die Kenntnis der biologischen und medizinischen Tatsachen in Bezug auf die Fertilität essentiell. Angesichts der zunehmenden Verschiebung einer Geburt ins höhere Alter ist von grosser Bedeutung, dass die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft und Lebendgeburt bei Frauen ab etwa 30 Jahren, die Fähigkeit zur Befruchtung bei Männern ab etwa 40 Jahren abnimmt. Auch wenn die Chancen bei der sogenannten Assistierten Reproduktion (ART), also der In vitro-Fertilisation (IVF) und intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) heute gut sind, liegen Schwanger-schaftsraten bei Frauen unter 34 Jahren bei bis zu 40% und sinken bei über 40-jährigen auf 16,5% ab. Welche Änderungen die Arbeitsgruppe auch im Hinblick auf die Sexualerziehung an Schulen empfiehlt, um junge Frauen rechtzeitig auf informierte Entscheidungen vorzubereiten, wird Wolfgang Holzgreve in seinem Vortrag ausführen.

In den aktuellen Debatten über den demographischen Wandel, der einerseits durch sinkende Geburtenraten und andererseits durch eine steigende Lebenserwartung gekennzeichnet ist, stehen meist die Konsequenzen für die Gesellschaft im Vordergrund, die zudem häufig als düstere Zukunftsszenarien ausgemalt werden. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina haben im Frühjahr 2009 eine von der Jacobs Foundation geförderte interdisziplinäre Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich für eine andere Perspektive entschieden hat: Diese Arbeitsgruppe „Zukunft mit Kindern – Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung“ konzentriert sich auf die Ursachen der niedrigen Geburtenzahlen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nach rund dreijähriger intensiver Auseinandersetzung mit der Thematik legt die Arbeitsgruppe Analysen und Vorschläge vor, wie die Lebenssituation von Kindern und Eltern in der heutigen Gesellschaft zu verbessern ist, um dadurch die Realisierung von Kinderwünschen zu erleichtern. Zukunft mit Kindern heißt aus dieser Perspektive vor allem, die Gestaltung von Lebensläufen neu zu denken, damit allen – Frauen wie Männern – dauerhaft die gleiche Teilhabe an allen gesellschaftlichen Lebensbereichen ermöglicht wird.

 

Die Arbeitsgruppe führt in bisher nicht erreichter Weise den aktuellen Wissensstand aus Demographie, Geschichtswissenschaften, Medizin, Ökonomie, Politik, Psychologie und Soziologie zusammen. In den Akademievorlesungen werden Schwerpunkte aus den vielschichtigen Arbeitsergebnissen und Empfehlungen vorgestellt.

 


Einführung und Moderation: Günter Stock
Akademiepräsident
 

Keine Zeit für Liebe – keine Zeit für Kinder?
Hans Bertram
Professor für Mikrosoziologie an der Humboldt-Universität
zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften,
Fachbereich Mikrosoziologie

In seinem Vortrag „Keine Zeit für Liebe – keine Zeit für Kinder?“ wirft Hans Bertram einen Blick auf die Prozesse des Erwachsenwerdens, die bei der Entscheidung für Kinder eine große Rolle spielen. Der Abschluss einer Ausbildung und die Integration in den Arbeitsmarkt mit der damit verbundenen ökonomischen Selbstständigkeit ermöglichen es jungen Erwachsenen, aus dem Elternhaus auszuziehen, einen eigenen Haushalt zu gründen, eine Partnerschaft einzugehen und sich im Kontext von Partnerschaft und eigenständiger Lebensführung für Kinder zu entscheiden. Zentrale These wird sein, dass die Zeit für Partnerschaft, Bindungen und Kinder zunehmend knapper wird, weil die Lebensläufe der nachwachsenden Generation hierfür keine Zeitfenster vorsehen. Hans Bertram stellt die Empfehlungen der Arbeitsgruppe vor, wie die „Rush Hour“ des Lebens, in der Ausbildung, Beruf und Kindererziehung zusammenfallen, entzerrt werden kann.
 

Späte Mutterschaft – nur aufgeschoben oder
manchmal auch aufgehoben?

Wolfgang Holzgreve
Ärztlicher Direktor und Vorsitzender des Vorstandes
am Universitätsklinikum Bonn

Wolfgang Holzgreve stellt sich in seinem Vortrag die Frage „Späte Mutterschaft – nur aufgeschoben oder manchmal auch aufgehoben?“. Die Entscheidung, ob und wann man Kinder haben möchte, ist eine der persönlichsten und sollte ohne Beeinflussungen von außen erfolgen. Dennoch sollte dieser wichtige Entschluss auf Grundlage bestmöglicher Information gefasst werden. Dafür ist die Kenntnis der biologischen und medizinischen Tatsachen in Bezug auf die Fertilität essentiell. Angesichts der zunehmenden Verschiebung einer Geburt ins höhere Alter ist von grosser Bedeutung, dass die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft und Lebendgeburt bei Frauen ab etwa 30 Jahren, die Fähigkeit zur Befruchtung bei Männern ab etwa 40 Jahren abnimmt. Auch wenn die Chancen bei der sogenannten Assistierten Reproduktion (ART), also der In vitro-Fertilisation (IVF) und intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) heute gut sind, liegen Schwanger-schaftsraten bei Frauen unter 34 Jahren bei bis zu 40% und sinken bei über 40-jährigen auf 16,5% ab. Welche Änderungen die Arbeitsgruppe auch im Hinblick auf die Sexualerziehung an Schulen empfiehlt, um junge Frauen rechtzeitig auf informierte Entscheidungen vorzubereiten, wird Wolfgang Holzgreve in seinem Vortrag ausführen.

 

Zur Website der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Zukunft mit Kindern – Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung“  

 

 

 

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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