KI-Lab

Mit dem KI-Lab entsteht bei TELOTA eine zentrale Anlaufstelle für Künstliche Intelligenz an der BBAW. Das Lab baut KI-Infrastrukturen auf, bündelt Wissen über KI und maschinelles Lernen und entwickelt in enger Zusammenarbeit mit den Projektteams passgenaue Lösungen für geisteswissenschaftliche Fragestellungen. Zentral ist dabei auch die theoretische Reflexion des Wandels durch künstliche Intelligenz in Wissenschaft und Gesellschaft.

Künstliche Intelligenz prägt mit Anwendungen wie Siri, Alexa oder ChatGPT längst nicht mehr nur unseren Alltag, sondern ist auch aus der wissenschaftlichen Forschung nicht mehr wegzudenken. In den Digital Humanities haben maschinelle Verfahren wie Natural Language Processing, Machine Learning und Deep Learning bereits einen festen Platz, etwa bei der automatisierten Texterkennung gedruckter und handschriftlicher Dokumente (OCR und HTR). Zunehmend gewinnen auch Large Language Models (LLMs) an Bedeutung.

Mithilfe von KI-Verfahren lassen sich historische Dokumente automatisch transkribieren, Bilder durchsuchen und annotieren oder inhaltliche Strukturen in großen Textmengen herausarbeiten. Was bisher aufwendige manuelle Arbeit erforderte, kann so teilweise automatisiert werden. Das eröffnet neue Einblicke in Zusammenhänge und umfangreiche Korpora unterschiedlicher Datentypen (Text, Bild, Objekt). Zugleich können auf diese Weise auch Bestände erschlossen werden, die bislang wegen ihres Umfangs kaum Beachtung gefunden haben.

Damit diese Potenziale zum Tragen kommen, ist ein wissenschaftlich fundierter, ethisch reflektierter und technisch versierter Einsatz von KI entscheidend. KI-Modelle übernehmen die Muster ihrer Trainingsdaten und damit auch deren Lücken und Verzerrungen. Für historische Quellen bedeutet das: Wer in der Überlieferung unterrepräsentiert ist, etwa Frauen, droht auch in KI-gestützten Auswertungen unsichtbar zu bleiben. Ein kritischer Blick auf Daten, Modelle und Ergebnisse gehört deshalb von Anfang an zur Arbeit des KI-Labs.

Das 2025 gegründete KI-Lab bei TELOTA vereint dafür ein breites Aufgabenspektrum:

  • Infrastruktur: Aufbau und Betrieb von KI-Services und -Infrastrukturen, zum Beispiel einer eigenen eScriptorium-Instanz für die automatisierte Texterkennung historischer Handschriften und Drucke
  • Beratung: Unterstützung der Forschungsvorhaben der BBAW bei der Frage, ob und wie KI-Verfahren sinnvoll in ihre Arbeit eingebunden werden können
  • Projektentwicklung und -begleitung: Gemeinsame Entwicklung von KI-Projekten mit den Forschungsvorhaben, die das KI-Lab von der Planung bis zur Umsetzung beratend begleitet
  • Prototyping: Entwicklung von Prototypen und Pilotprojekten, um neue KI-Verfahren zu erproben, etwa zur KI-gestützten Datierung von Manuskripten Gottfried Wilhelm Leibniz’ in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Vorhaben der BBAW und dem KI-Servicezentrum des Hasso-Plattner-Instituts
  • Kompetenzaufbau: Förderung digitaler Kompetenzen in den Vorhaben und Projekten der BBAW sowie innerhalb von TELOTA durch Workshops und regelmäßige Austauschtreffen
  • Reflexion: Theoretische Auseinandersetzung mit KI in den Geisteswissenschaften, unter anderem zu Fragen der Autorschaft, der Nachvollziehbarkeit und Transparenz sowie zu Verzerrungen in Daten und Modellen

KI-Richtlinie der BBAW

Angesichts der dynamischen Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und ihrer wachsenden Bedeutung für die Wissenschaft hat die TELOTA-Steuerungsgruppe eine KI-Richtlinie erarbeitet, die am 17. Juni 2025 von Akademiepräsident Christoph Markschies in Kraft gesetzt wurde. Die Richtlinie setzt einen Rahmen für den verantwortungsvollen und wissenschaftlich integren Einsatz von KI-Systemen. Sie bezieht sich dabei bewusst nicht auf konkrete Tools oder Software, sondern formuliert grundlegende Prinzipien und Orientierungen für den Umgang mit KI im wissenschaftlichen Kontext der BBAW – heute und in Zukunft. Richtlinie Version1  

 

Bild von Brian Penny  auf Pixabay 

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