Projektdarstellung
Alte Drucke in der Bibliothek des DWB

Die Neubearbeitung
Als im Januar 1961 die letzte Lieferung des Deutschen Wörterbuchs erscheint, sind die ersten Bände mehr als 100 Jahre alt und entsprechen weder inhaltlich noch formal modernen Nutzungsbedürfnissen. Die einzelnen Bände sind durch den zum Teil sehr persönlichen Erzählstil ihrer vielen Bearbeiter geprägt; fehlende Artikelgliederung und Uneinheitlichkeit im Artikelaufbau erschweren das Auffinden von Informationen. Hinzu kommen, dem Wissensstand der Zeit geschuldet, fehlerhafte Darstellungen bzw. sachliche Irrtümer. Schließlich sind aufgrund des zunehmenden Abstands der Bearbeitung zur Gegenwart auch große Lücken im Wortschatz und bei den ermittelten Gebrauchsweisen zu verzeichnen. Das Deutsche Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm ist inzwischen zum Gegenstand der Kultur- und Wissenschaftsgeschichte geworden.

Hinsichtlich der Konzeption und Darstellungsweise knüpft die Neubearbeitung an die zuletzt erschienen Bände der Erstausgabe an und setzt damit auf hohem wissenschaftlichen Niveau die Tradition des Wörterbuchs fort. In Berlin wird derzeit die fünfte Lieferung des vierten Bandes bearbeitet; bis zum Abschluss der Neubearbeitung sind vier weitere Lieferungen geplant.
In den Jahren der deutschen Teilung war die Kommunikation zwischen den beiden Arbeitsgruppen in Berlin und Göttingen sehr schwierig. Die deutsch-deutsche Zusammenarbeit an der Neubearbeitung wurde von der DDR-Führung strengstens kontrolliert. In Berlin galt das Wörterbuch als ein Projekt „bürgerlicher Lexikographie und Sprachwissenschaft” und die Arbeit der Berliner Arbeitsgruppe unterlag vielfältigen Behinderungen. Seit der Wiedervereinigung wird der Kontakt zwischen den Arbeitsgruppen intensiviert.

Projektdarstellung
Jacob Grimms Manuskript zum Artikel A

Archiv und Bibliothek
Die empirische Grundlage der Neubearbeitung bildet eine umfangreiche Sammlung von Belegen; das Archiv der Berliner Arbeitsgruppe enthält mehr als vier Millionen Belege für das gesamte Alphabet, davon etwa drei Millionen allein für die neu zu bearbeitende Wortstrecke A–C.

Für diese Belegsammlung wurden etwa 4.000 Quellen unterschiedlicher Textsorten umfassend exzerpiert. Die meisten der exzerpierten Quellen, darunter viele Gesamtausgaben, Erstdrucke und Rara, befinden sich in der Bibliothek der Arbeitsstelle und stehen für die Überprüfung am Originaltext zur Verfügung. Die Bibliothek besitzt außerdem eine große Sammlung von Wörterbüchern der deutschen Sprache seit dem 15. Jahrhundert, ferner viele Mundartwörterbücher und die dem Deutschen Wörterbuch entsprechenden großen Nationalwörterbücher der germanischen Sprachen. Im Handapparat der Bibliothek finden sich bibliographische Hilfsmittel und wissenschaftliche Literatur zum Arbeitsgebiet. Insgesamt umfasst der Bestand mehr als 14.000 Bücher.

Für Forschungszwecke sind Archiv und Bibliothek des Deutschen Wörterbuchs nach Voranmeldung auch externen Nutzern zugänglich.

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