Die therapeutische Versorgung vulnerabler Populationen, d.h. von nicht oder nur eingeschränkt einwilligungsfähigen Patientengruppen wie zum Beispiel Minderjährigen und psychisch Kranken, ist mangelhaft. So ist zum Beispiel ein großer Teil der bei Kindern und Jugendlichen verabreichten Pharmazeutika nicht speziell für diese zugelassen, was unverhältnismäßig häufig zu Nebenwirkungen führt. Darüber hinaus gibt es in vulnerablen Populationen für viele Krankheiten überhaupt keine Therapien, so dass zum Beispiel Kinder und Demenzkranke als “therapeutische Waisen” angesehen werden müssen. Es ist daher eine dringende Aufgabe, klinische Forschung in vulnerablen Populationen zu fördern und damit die therapeutische Situation der Betroffenen zu verbessern.

 

Klinische Forschung in vulnerablen Populationen ist allerdings mit einer Reihe ethischer, rechtlicher und ökonomischer Probleme verbunden. Unter anderem ist zu klären, in welchem Ausmaß mit Risiken verbundene Forschung in vulnerablen Populationen moralisch und rechtlich überhaupt zulässig ist. Klinische Forschung in kleinen Patientengruppen (z.B. Babys, Kleinkinder oder Jugendliche) ist sowohl komplex als auch zeitaufwendig und dementsprechend teuer, so dass sich zudem die Frage stellt, wie diese Forschung durch neue Anreize stimuliert werden kann. Außerdem ist es sowohl für die forschende Arzneimittelindustrie als auch für Universitäten ein großes Problem, eine ausreichende Anzahl an Probanden zu rekrutieren. Hier stellt sich wiederum die Frage nach geeigneten Anreizsystemen. Zudem ist zu diskutieren, ob die offenkundige Globalisierung klinischer Forschung nicht zu einem „Forschungs-Kolonialismus” führt, mit einer aus moralischer Perspektive zu kritisierenden Ungleichverteilung von Nutzen und Risiken.

 

In dem Projekt sollen Vorschläge für eine Verbesserung der klinischen Forschung und damit auch eine Verbesserung der therapeutischen Versorgungssituation von vulnerablen Populationen entwickelt werden.

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