Erfassung und Erschließung der Urkunden und Briefe Kaiser Friedrichs III. in deutschen und europäischen Archiven und Bibliotheken in enger Kooperation mit dem Gesamtvorhaben „Regesta Imperii“ an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, sowie mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Kaiser Friedrich III.
Friedrich III. aus dem Hause Habsburg wurde 1415 geboren, gelangte 1440 auf den Königsthron und regierte das Heilige Römische Reich bis zu seinem Tod 1493. Im Jahr 1452 liess er sich als letzter Kaiser in Rom krönen. Er legte durch die Vereinigung der österreichischen Erblande, die Expansion in die burgundischen Gebiete und das Beharren auf den ungarischen und böhmischen Ansprüchen das Fundament für den Aufstieg und die dauerhafte Herrschaft der Habsburgermonarchie.

In Friedrichs über fünfzigjährige Regierungszeit fielen das Ende des Basler Konzils, die osmanische Eroberung Konstantinopels, die Erfindung des Buchdrucks, die Ausbreitung des Renaissance-Humanismus und die Entdeckung Amerikas. Damit zeichneten sich in diesem Kaisertum am Ende des Mittelalters bereits viele neuzeitliche Entwicklungen ab. Auch die immense Fülle der Urkunden und Briefe Friedrichs III. mutet bereits eher modern als mittelalterlich an. Sie zeugt von einer bereits stark über Schriftlichkeit wirkenden Herrschaftspraxis. Man schätzt, dass er bis zu fünfzigtausend solcher Dokumente ausgestellt hat.
 

Aufgabenstellung
Das Akademienvorhaben hat die Aufgabe, sämtliche in den staatlichen und nichtstaatlichen Archiven und Bibliotheken ausgewählter Regionen befindlichen Urkunden und Briefe Friedrichs III. zu erfassen und in Form von Zusammenfassungen zu publizieren, den sogenannten „Regesten“. Diese bestehen aus einer umfassenden Inhaltsangabe der Urkunde nebst Ausstellungsdatum und -ort, aus einer formalen Beschreibung (Beschreibstoff, Besiegelung, Vermerke etc.) und aus einem wissenschaftlichen Apparat (Überlieferung, Verwahrungsort des Schriftstücks, Identifizierung von Orten und Personen, Quellen- und Literaturhinweise und ggf. inhaltliche Kommentierung). Zweck eines Regests ist, alle relevanten Informationen einer Urkunde so zusammenfassen, dass für die Forschung ein schneller Überblick möglich wird und die Konsultation des Archivs in der Regel nicht mehr nötig ist. Regesteneditionen sind also historische Grundlagenforschung.

Das Berliner Vorhaben wirkt eng mit Partnerarbeitsstellen bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz  und bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften  zusammen. Gemeinsam bilden die Berliner, Wiener und Mainzer Arbeitsstellen eine von 14 Abteilungen der „Regesta Imperii“. Diese sind eines der drei großen traditionellen Quellenerschließungsunternehmen der deutschsprachigen Mediävistik, neben den Monumenta Germaniae Historica und den Deutschen Reichstagsakten.
 

Geschichte der Regesta Imperii und der Abteilung Friedrich III.
Die Regesta Imperii blicken auf eine fast 200jährige Tradition zurück. Im Jahre 1829 begann der Frankfurter Historiker Johann Friedrich Böhmer (1795-1863), systematisch die Urkunden der Kaiser und römisch-deutschen Könige des Mittelalters zu erfassen und in Regestenform zu publizieren. Ein noch zu Lebzeiten Böhmers begründeter Ausschuss deutscher und österreichischer Historiker entwickelte die Regesten-Konzeption weiter und überführte das umfängliche Vorhaben 1906 an die Österreichische Akademie der Wissenschaften. Hier wurde im Jahre 1939 die „Kommission für die Neubearbeitung der Regesta Imperii" gegründet. Ihr folgte im Jahre 1967 die „Deutsche Kommission für die Bearbeitung der Regesta Imperii e. V.", die Anfang 1980 der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz angegliedert wurde.

Schon in den Jahren 1838/40 veröffentlichte der Wiener Historiker und erste Biograph Friedrichs III., Josef Chmel, zwei Regestenbände zu den Urkunden dieses Herrschers, auf der Grundlage der sogenannten Reichsregisterbände seiner Kanzlei. Da jedoch dieses Ausgangsverzeichnis in der Regel nur die Diplome, nicht die einfachen Mandate, enthält und überdies für etliche Jahre verloren ist, wurde in den Regesten Chmels lediglich ein kleiner Teil der gesamten Urkunden und Briefe Friedrichs erfasst, und zudem in sehr knapper und inzwischen veralteter Form.

Die neue, umfassende Edition der Regesten Friedrichs wurde 1977 von Prof. Dr. Heinrich Koller (Salzburg) initiiert und zunächst von Wien und Mainz aus begonnen. Um der Forschung in relativ kurzer Frist verwertbare Ergebnisse vorzulegen, erfolgte die Publikation nun nach Archivregionen geordnet, wobei Wien die österreichischen Archive und Mainz die bundesrepublikanischen übernahm. Bereits Anfang 1989 begann auch an der Akademie der Wissenschaften der DDR unter Federführung von Prof. Dr. Evamaria Engel die Erfassung der in den DDR-Archiven befindlichen Urkunden Friedrichs III. Seit 1994 wird das Unternehmen an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften als Vorhaben ihrer Mittelalter-Kommission (heute: Kommission des Zentrums Mittelalter) fortgeführt. Bis 2003 fungierte Prof. Dr. Peter Moraw (Gießen) als Projektleiter, seither Prof. Dr. Johannes Helmrath (Humboldt-Universität zu Berlin). Das Zusammenwirken zwischen der Berliner und der Mainzer Akademie ist durch einen Kooperationsvertrag verankert worden, der den gegenseitigen Austausch von Informationen und die Unterstützung der Publikation der in Berlin erarbeiteten Regesten regelt. Wie die gesamten Regesta Imperii haben die Berliner Friedrich-Regesten eine Laufzeit bis 2033.
 

Bisherige Ergebnisse und aktuelle Tätigkeit
Seit 1977 bis heute (2019) sind von der gesamten Abteilung „Friedrich III.“ 33 regionale Bände vorgelegt worden. Die 1994 gestartete Berliner Arbeitsstelle hatte bereits bis 2004 sämtliche in den Archiven und Bibliotheken der neuen Bundesländer vorhandenen Urkunden publiziert. Anschließend wurden die ostmittel- und nordeuropäischen Archivregionen (Polen, Baltikum, Tschechien, Skandinavien) bearbeitet sowie erste alt-bundesrepublikanische Gebiete (Schleswig-Holstein, Hamburg, Oberfranken). Aktuell liegt der Fokus der Berliner Arbeitsstelle auf dem Bundesland Bayern sowie auf Westfalen. Zudem beteiligt sich Berlin am gemeinsamen Italienprojekt  der Spätmittelalterabteilungen der Regesta Imperii und des Akademienvorhabens Monumenta Germaniae Historica . Es wird nun also auch in Archiven südlich der Alpen nach Friedrichs-Urkunden gesucht. Neben der Regestenerstellung forschen die Mitarbeiter der Arbeitsstelle auch thematisch zum 15. Jahrhundert und halten an der Humboldt-Universität Lehrveranstaltungen ab.
 

Digital Humanities
Die Regesta Imperii haben sich unter Federführung der Abteilung Friedrich III. frühzeitig der Digitalisierung zugewandt. Bereits 1998 erschien eine CD-ROM-Ausgabe der bis dahin im Druck publizierten Regesten Friedrichs III. Heute bieten die Regesta Imperii eine voll entwickelte digitale Arbeitsumgebung, in der alle z.Zt. rund 200.000 Regesten  in einer differenziert durchsuchbaren Datenbank der Öffentlichkeit frei zur Verfügung stehen. Die Regesten erscheinen gleichzeitig im Druck und online. Zusätzlich ist eine Datenbank  aller bekannten, also auch der noch nicht in Regestenform publizierten Urkunden Kaiser Friedrichs III. öffentlich zugänglich. Mit dem „RI-OPAC “ betreibt das Vorhaben die umfassendste Bibliographie zur Mediävistik überhaupt. Sie wird weltweit intensiv genutzt (ca. 900.000 Aufrufe pro Jahr, weit mehr als die Hälfte davon aus dem Ausland). Der Zugriff auf die über zwei Millionen Literaturtitel ist kostenfrei. Die Webpräsenz „regesta-imperii.de “ ist damit eine zentrale Digital-Humanities-Ressource der internationalen Mediävistik.

Kontakt
Dr. Jörg Feuchter
Wissenschaftl. Mitarbeiter
Regesta Imperii - Regesten Kaiser Friedrichs III.
Tel.: +49 (0)30 20370 470
feuchter(at)bbaw.de 
Jägerstraße 22/23
10117 Berlin
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