Die Zukunft des Menschen als biologisches Wesen

Vortrag

22. Juni 2010

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Leibniz-Saal, Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin

Öffentlicher Abendvortrag von Prof. Dr. Jens Reich im Rahmen des Jahresthemas 2009|2010 "Evolution in Natur, Technik und Kultur" und der "GeistesWERKstatt - Sommerakademie für Schülerinnen und Schüler" (Initiative "Akademie und Schule"). Gefördert von der Robert Bosch Stiftung.

Die Zukunft des Menschen als biologisches Wesen
Die Zukunft des Menschen als biologisches Wesen

EINFÜHRUNG

 

Prof. Dr. Dr. h.c. Randolf Menzel

Institut für Biologie, Freie Universität Berlin

 

 

VORTRAG

 

Prof. Dr. Jens Reich

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch und Humboldt-Universität zu Berlin

 

Niemand kann bestreiten, dass der Mensch ein biologisches Wesen ist. Wenn man den Bauplan und die mannigfaltigen Funktionen des menschlichen Organismus mit den körperlichen Eigenschaften von Säugetieren vergleicht, lässt sich die Verwandtschaft unschwer erkennen. Die deutlichsten Übereinstimmungen finden wir zwischen Menschen und Menschenaffen, die uns sogar im Verhalten ähneln, wie jeder Besuch im Affenhaus eines Zoos lehrt.

Jedoch ist der Mensch das erste Tier, das die Natur seinen Bedürfnissen gemäß umgestaltet hat. Ansätze dazu gibt es bereits bei hoch entwickelten Insektenstaaten, die sich in ihrer Kolonie eine eigene, von der Außenwelt abgeschottete Umwelt bauen. Der Mensch hat den Eingriff in die Natur jedoch so weit getrieben, dass wir heute in vielen Lebenslagen nur noch von künstlichen Dingen umgeben sind. Wer im Fitness-Center seinen Körper trainiert und zwischendurch einen Eiweiß-Power-Riegel verspeist, erlebt unmanipulierte Natur bestenfalls in Form einer Stubenfliege.

Das signifikant Neue an diesem uralten Prozess der Indienstnahme und Zurichtung der Natur ist, dass nun ernsthaft Ansätze unternommen werden, den Menschen selbst zu konstruieren. Wo wir früher körperliche Unvollkommenheit durch Prothesen wie Brillen oder Herzschrittmacher ausgeglichen haben, können wir bald mit Hilfe gentechnisch veränderter embryonaler Stammzellen den gesamten Bauplan des Menschen umkonstruieren. Dies führt zu grundlegenden philosophischen, erkenntnistheoretischen und ethischen Fragen. Der Mensch als ein sich selbst konstruierendes System – was wird die Zukunft dieses Entwurfes sein?

 

Prof. em. Jens Reich arbeitet seit 1968 in Berlin-Buch. Von 1992 bis 2004 war er Forschungsgruppenleiter in der medizinischen Genomforschung am MDC, von 1998 bis 2004 Professor für Bioinformatik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Mitglied des Deutschen Ethikrates und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.


Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Initiative „Akademie und Schule“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen der „GeistesWERKstatt - Sommerakademie für Schülerinnen und Schüler“. Für die Abendveranstaltung ist keine Anmeldung erforderlich. Der Eintritt ist frei. Mit freundlicher Unterstützung der Robert Bosch Stiftung. Der Vortrag wird filmisch und fotografisch dokumentiert.

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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