ERNST MAYR LECTURE 2005 Christoph Zollikofer in Zusammenarbeit mit Marcia Ponce de León / Universität Zürich: Wer sind wir? Woher kommen wir? - Fragen und Antworten aus der Pläoanthropologie.

08. November 2005

Leibniz-Saal

Zusammenfassung

Zusammenfassung:

 

Ernst Mayrs Aussage, daß "nichts die Unwahrscheinlichkeit der Entstehung höherer Intelligenz deutlicher zeigt, als die Millionen von phyletischen Linien, die sie nie erreicht haben", formuliert das Paradox der menschlichen Evolution in aller Deutlichkeit. Auch wenn der moderne Mensch in mancher Hinsicht eine biologische Ausnahmeerscheinung darstellt, unterliegt er den Gesetzen der Evolution. Phylogenetisch sind wir mit dem Schimpansen näher verwandt, als es die Menschenaffen untereinander sind, und trotzdem stehen wir in Körperbau, Entwicklung und Verhalten bemerkenswert allein in der Natur. - Wie ist es dazu gekommen? Die Paläoanthropologie dreht das Rad der Zeit bis zu dem Punkt zurück, an dem sich die Menschenartigen phyletisch zu verselbständigen begannen. Sie versucht, die evolutionäre Geschichte der Hominiden anhand von Fossilfunden nachzuvollziehen und zu verstehen, was zur adaptiven Radiation dieser großhirnigen Zweibeiner und letztlich zum Aussterben aller Hominiden-Arten bis auf eine einzige führte. Die Quellenlage ist schwierig, da Hominidenfossilien sehr selten und meist nur fragmentarisch erhalten sind. Der Vortrag vermittelt einen Überblick, wie sich mit computerunterstützter Paläoanthropologie überraschende Einsichten in unsere evolutionäre und entwicklungsbiologische Geschichte gewinnen lassen.

 

Christoph P.E. Zollikofer studierte Biologie an der Universität Zürich. Nach dem Magisterexamen absolvierte er ein Musikstudium (Cello), wandte sich aber wieder den Naturwissenschaften zu und promovierte in Neurobiologie; 2000 erfolgte die Habilitation in Zoologie und Anthropologie. Seit 2004 ist er Professor für Anthropologie am Anthropologischen Institut der Universität Zürich. Seine Hauptforschungsfelder sind Computerunterstützte Anthropologie (einschließlich der Untersuchung morphologischer Variabilität und evolutionärer Mannigfaltigkeit bei fossilen und existierenden Primaten), ferner rechnerisches Modellieren morphogenetischer Prozesse.

Marcia S. Ponce de León studierte Ingenieurwissenschaften in La Paz / Bolivien und absolvierte an der Universität Zürich ein Biologiestudium, das sie mit einer Promotion in Anthropologie abschloß. Als Forschungsleiterin am dortigen Anthropologischen Institut befaßt sie sich insbesondere mit der evolutionären Entwicklungsbiologie fossiler und neuzeitlicher Hominiden, neuen Methoden der morphometrischen Analyse dreidimensionaler Muster von Gesichtsschädeln sowie mit Paläopathologie und Forensischer Knochenkunde.

Marcia S. Ponce de León und Christoph P.E. Zollikofer veröffentlichten gemeinsam fünf Monographien sowie mehr als 40 Aufsätze und Artikel in namhaften Periodika wie Nature und Science.

Veranstaltungszeitraum:

18 Uhr s.t.

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