Jan Assmann: Die erste Ordnung des Chaos - die altägyptische Religion

Vortragsreihe "Karl Richard Lepsius"

25. Januar 2011

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Einstein-Saal, Jägerstrasse 22/23, 10117 Berlin

Aus Anlass des 200. Geburtstag von Karl Richard Lepsius veranstalten das „Altägyptische Wörterbuch” der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die Junge Akademie und das Ägyptische Museum und die Papyrussammlung eine Vortragsreihe zur Würdigung des Begründers der deutschen Ägyptologie. Jan Assmann beschäftigt sich in seinem Vortrag mit Lepsius Forschungen zur altägyptischen Religion, die als Meilensteine der Ägyptologie gelten.

Jan Assmann: Die erste Ordnung des Chaos - die altägyptische Religion
Jan Assmann: Die erste Ordnung des Chaos - die altägyptische Religion

Den zweiten Vortrag der Veranstaltungsgsreihe, mit der die Verdienste Karl Richard Lepsius gewürdigt werden,  hält Jan Assmann,  einer der führenden Ägyptologen sowie Kultur- und Religionswissenschaftler der Gegenwart. Unter dem Titel  „Die erste Ordnung des Chaos - die altägyptische Religion” stellt Assmann Lepsius' Forschungen zur altägyptischen Religion vor.

 

Karl Richard Lepsius ist der unbestrittene Gründungsvater der wissenschaftlichen Ägyptologie. Er hat Champollions Entzifferung der Hieroglyphen allgemein durchgesetzt, die ägyptische Geschichte und Chronologie auf eine solide Basis gestellt, die Einteilung in Altes, Mittleres und Neues Reich geht auf ihn zurück, und seine zwölfbändige Publikation der Denkmäler setzte vollkommen neue epigraphische Maßstäbe. Sie wird noch heute als Standardwerk benutzt. In allen Bereichen der ägyptischen Kultur, denen er seinen unermüdlichen Fleiß widmete, kam es ihm darauf an, Ordnung in das Chaos zu bringen und die Beschäftigung mit dem Alten Ägypten zu einer wissenschaftlich fundierten, akademisch lehrbaren Disziplin zu machen.


Das gilt auch für die ägyptische Religion, auch wenn sie nicht Lepsius’ zentrales Forschungsgebiet darstellte. Seine Edition des Turiner Totenbuch-Papyrus ist eine Pionierleistung ersten Ranges. Auf sie geht nicht nur die Bezeichnung „Totenbuch“ sowie die noch heute verwendete Einteilung und Nummerierung der einzelnen Kapitel zurück, sondern auch die Deutung dieser Sprüche als Totenliteratur und nicht, wie bislang angenommen, als Bestattungsritual. In seiner Akademieschrift über den Ersten ägyptischen Götterkreis entdeckte er die „Neunheit“ als wichtigstes Strukturprinzip der ägyptischen Götterwelt und erschloß als erster die Bedeutung Amenophis’ IV. und der Amarnazeit als einer monotheistischen Umwälzung.
 

 Eine Vortragsreihe zur Würdigung Karl Richard Lepsius'

 

Der deutschen Ägyptologe Karl Richard Lepsius – 1810 in Naumburg geboren und aufgewachsen – studierte zunächst Philologie und vergleichende Sprachwissenschaft. Angeregt durch Carl Josias Bunsen und Alexander von Humboldt begann er, sich den Studien der ägyptischen Sprache zu widmen, einer Sprache, die erst seit 1822 durch die Entzifferung der Hieroglyphen von Jean-François Champollion
in ihrer Bedeutung bekannt geworden war.

 

 

Lepsius beschäftigte sich nicht nur theoretisch als genialer Sprachforscher mit dem Schriftsystem, sondern bereiste und erkundete zudem als Leiter der von Friedrich Wilhelm IV. ausgesandten dreijährigen Expedition (1842–45) Ägypten und Nubien. Die von dieser Reise mitgebrachten Objekte sollten damals mit den bereits in Berlin vorhandenen Aegyptiaca einen Teil der Ausstellungsräume des im Bau befindlichen Neuen Museums füllen. Für die Inszenierung dieser Ausstellung entwarf Lepsius ein beeindruckendes, heute noch teilweise erhaltenes Bildprogramm für Wände und Decken.

 

Aus Anlass des 200. Geburtstags von Karl Richard Lepsius am 23. Dezember 2010 widmen das „Altägyptische Wörterbuch“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, das Ägyptische Museum und die Papyrussammlung und die Junge Akademie diesem bedeutenden Ägyptologen eine Vorlesungsreihe.
Sie würdigen damit Lepsius als Universalgelehrten, Expeditionsleiter sowie Museumsgestalter und laden
Interessierte zu einer Reise durch die facettenreiche Welt der Ägyptologie (Entzifferung, Geschichte, Religion, Archäologie, Museum) auf den Spuren ihres Pioniers ein.

 

Die nächste Veranstaltung mit einem Vortrag von Dietrich Wildung unter dem Titel „Freie Wahl und reiche Ernte - die Sammlung K. R. Lepsius” findet am 08.02.2011 statt.

  

Die drei veranstaltenden Institutionen:
- Akademienvorhaben „Altägyptisches Wörterbuch“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
- Ägyptisches Museum und Papyrussammlung. Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preussischer Kulturbesitz
- Die Junge Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

 

Die Veranstaltungen finden statt mit freundlicher Unterstützung des „Vereins zur Förderung des Ägyptischen Museums Berlin e.V.“ .


Video des Vortrags

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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