Joyce' Exerzitien/Exercises on Joyce – Begegnungen mit einem "schwierigen" Autor

Schülerlabor Geisteswissenschaften

21. August - 12. Dezember 2019

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Leibniz-Saal, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin

Die Herbststaffel dieses Jahres widmet sich dem irischen Autor James Joyce (1882–1941) und nimmt damit erstmals die Fächergruppe der modernen Fremdsprachen in den Blick. Leistungskurse von Schulen in Berlin und Brandenburg sind eingeladen, sich in halbtägigen Workshops mit Themen und Arbeitsformen der modernen Kultur- und Sozialwissenschaften vertraut zu machen: auf dem Weg der Praxis und unter didaktisch professioneller Begleitung.

Joyce' Exerzitien/Exercises on Joyce – Begegnungen mit einem "schwierigen" Autor
Joyce' Exerzitien/Exercises on Joyce – Begegnungen mit einem "schwierigen" Autor

 

Die diesjährige Herbststaffel des Schülerlabors Geisteswissenschaften widmet sich dem irischen Autor James Joyce (1882-1941) und adressiert damit erstmals die Fächergruppe der modernen Fremdsprachen.

 

Joyce gilt gemeinhin als „schwieriger“ Autor und ist daher mit der Zeit auch als Schulautor von der Bildfläche verschwunden. Wenn wir dennoch den Versuch unternehmen, Joyce mit Jugendlichen zu lesen, so geschieht dies in der Überzeugung, dass ihnen der Reiz des Exzentrischen und die Freude an der Aufwendung geistiger Energie sehr wohl zu vermitteln sind. Dazu bedarf es thematisch einer klaren Beschränkung und methodisch eines Zugangs, der die Schülerinnen und Schüler – nein: nicht „dort abholt, wo sie sind“, sondern vielmehr ermutigt, die Strukturen schulischer Kommunikation, insbesondere ihre eigene Rolle darin, distanziert und kritisch zu betrachten. Für beides können wir uns auf Joyce berufen.

 

Als Absolvent zweier Jesuitenschulen hat Joyce eine sorgfältige und intellektuell fordernde Erziehung genossen, die sich am Bildungsgang seines Protagonisten Stephen Dedalus verfolgen lässt, dem wir im ersten Roman als Schüler, im zweiten als Lehrer an einer solchen Anstalt begegnen. Auch nach dem Bruch mit dem Katholizismus blieb Joyce die tiefgehende Faszination von dem in seiner Ausbildung angeeigneten Wissen bzw. den Formen dieses Wissenserwerbs: dem repetitiven Charakter der Exerzitien (der „geistlichen Übungen“), der logischen Strenge und Dialogizität der scholastischen Disputation. So ist das umfangreiche, „Ithaca“ überschriebene 17. Kapitel von Joyce´ Jahrhundertroman  Ulysses (1922) durchgängig in der Art eines Lehrgesprächs, als Wechsel von Fragen und Antworten, gestaltet. Hier setzt das Schülerlabor an.

 

Im Workshop wird es darum gehen, das rigide Formular von Frage und Antwort (das noch in den  FAQ-Sammlungen des Internets fortlebt) mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erst zu üben, um es dann mit Joyce aufzulösen und heutigen Konventionen der didaktischen Kommunikation und des Lernens gegenüberzustellen. Im engeren Sinne literaturtheoretische Überlegungen schließen sich an: Wer ist eigentlich der „Erzähler“ dieser Episode? In welchem Verhältnis steht er zu denen der übrigen Kapitel sowie zu den beiden im Dialog fassbaren Sprechern? Aus welchem Grund könnte Joyce diese ungewöhnliche Form der Darstellung gewählt haben? Darüber hinaus wird die Entstehungsgeschichte des Textes beleuchtet: An einem Beispiel untersuchen die Schülerinnen und Schüler, wie aus einer handschriftlichen Sammlung einzelner Frage- und Antwort-Paare die Druckfassung von „Ithaca“ entstand und gewinnen so einen Einblick in textgenetische Forschung.

 

 

Zielgruppe: Leistungs- und Grundkurse des Faches Englisch an Schulen in Berlin und Brandenburg; 

 

Veranstaltungsorte

  • Literaturhaus Berlin, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin (markiert durch das Kürzel „L“)
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Jägerstr. 22/23, 10117 Berlin (markiert durch das Kürzel „A“)

 

Termine:

September

Mittwoch, 04.09.2019 (A)

Donnerstag, 05.09.2019 (A)

Montag, 09.09.2019 (A)

Dienstag, 10.09.2019 (A)

Donnerstag 19.09.2019 (A)

Freitag, 20.09.2019 (A)

Dienstag 24.09.2019 (A)

Mittwoch, 25.09.2019 (A)

November

Montag, 04.11.2019 (A)

Mittwoch, 13.11.2019 (A)

Dienstag, 19.11.2019 (L)

Donnerstag, 21.11.2019 (L)

Dezember

Montag, 02.12.2019 (L)

Mittwoch, 04.12.2019 (L)

Dienstag, 10.12.2019 (L)

Dienstag, 12.12.2019 (L)

 

Veranstaltungsdauer ist jeweils 09.00 bis 13.00 Uhr

 

Anmeldung ab 8. August 2019

per Email : schuelerlabor@bbaw.de

oder telefonisch: 030/20370-383 (Mo bis Fr, 9.00-13.00 Uhr)

 

Zum Auftakt der Schülerlabor-Reihe wird eine halbtägige Fortbildung für Lehrkräfte des Faches Englisch angeboten:

 

Weitere Informationen 

 

Abgerundet wird das Programm durch eine öffentliche Veranstaltung, die sich an das breitere Publikum richtet:

 

 A „CATECHETICAL INTERROGATION“: FRITZ SENN IM GESPRÄCH

 

Veranstaltungszeit und –ort:  29. Oktober 2019, 12.30 Uhr; Literaturhaus Berlin, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin

Für ein Gespräch im Rahmen des Brown Bag Lunch, der mittlerweile legendären Veranstaltungsreihe des Literaturhauses, konnte Fritz Senn, Leiter der Zürcher James Joyce Stiftung, gewonnen werden. Als Austauschstudent in England fiel ihm erstmals eine Ausgabe des Ulysses in die Hand: Beginn einer inzwischen rund sieben Jahrzehnte währenden Faszination. Senn ist Nestor der internationalen Joyce-Forschung und hat zahlreiche Studien publiziert, die bei aller Gelehrsamkeit stets wohltuend unakademisch daherkommen. Gegenwärtig ist er mit dem „Ithaca“-Artikel für ein Handbuch über die 18 Kapitel des Ulysses betraut. Yvonne Pauly nutzt die Gelegenheit, mit Fritz Senn Rückschau auf ein Leben mit Joyce zu halten und zumindest einige der Fragen loszuwerden, die wir immer schon zu Joyce hatten, aber bisher niemandem stellen konnten.

 

 

Das Projekt findet in Kooperation mit dem Literaturhaus Berlin  und mit Unterstützung der Botschaft von Irland  statt.

 

 

 

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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