Offen für alle? Zugang gestalten in den Digital Humanities

Jahresworkshop 2026 der AG eHumanities der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, 9.–10. November 2026, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Einsteinsaal


Die Digital Humanities versprechen einen offenen Zugang zu Wissen, Daten und Forschungsinfrastrukturen. Zugang meint dabei nicht allein die freie Verfügbarkeit von Daten, sondern auch deren Auffindbarkeit, Verständlichkeit, technische Nutzbarkeit, rechtliche Nachnutzbarkeit und Anschlussfähigkeit. Doch wer hat tatsächlich Zugang zu digitalen geisteswissenschaftlichen Ressourcen – und wer bleibt ausgeschlossen? Welche technischen, institutionellen, sozialen und rechtlichen Faktoren fördern oder erschweren Zugänglichkeit? Und wie können digitale Forschungsangebote so gestaltet werden, dass sie unterschiedlichen Nutzer:innengruppen, Nutzungskontexten und technologischen Entwicklungen gerecht werden?

Programm

V = Vortrag: 20 Min. Vortrag + 10 Min. Diskussion | LT = Lightning Talk: 10 Min. Talk + 5 Min. Diskussion

Montag, 9.11.2026

13:00–13:15 | Begrüßung (Thomas Elsaesser, Team AG eHumanities an der BBAW)

13:15–15:00 | Session 1: Zugang, Offenheit & Barrierefreiheit (Moderation: Frederike Neuber)

  • Bärbel Kröger (AdW Göttingen): Eine offene Quelle, die niemand lesen kann: Ontologieentwicklung und Entitätendisambiguierung am Beispiel des Repertorium Germanicum (V)

  • Eckhart Arnold (BAdW): Digitale Resilienz. Die Gretchenfrage des offenen Publizierens (LT)

  • Matthäus Heil (Inscriptiones Graecae / BBAW): Schattenseiten von Open Access (LT)

  • Johannes Ioannu (BBAW): Dieser Webauftritt ist nicht barrierefrei. Digitale Barrierefreiheit zwischen Anspruch und Praxis in den DH (LT)

  • Nadine Quenouille (SAW Leipzig): One Document Does it all …: Nutzerzentriertes Design inklusive (LT)

  • Stefan Dumont, Tobias Kraft (BBAW): Neue Wege in die Reisetagebücher der edition humboldt digital (LT)

15:00–15:30 | Kaffeepause

15:30–17:00 | Session 2: Sprache, Wörterbücher & KI (Moderation: Ralf Wolz)

  • Daniel Deckers, Kajetan Dvoracek (Universität Hamburg / AdW Hamburg): Das Etymologika-Vorhaben: digitale Zugänglichmachung eines griechisch-byzantinischen Wörterbuchs (V)

  • Amy Isard, Lena Schnee, Chris Biemann (Universität Hamburg): Eine neue Mittelniederdeutsche Grammatik (LT)

  • Elena Lazarenko, Aleksandr Riaposov, Mariya Brykina, Beáta Wagner-Nagy (Universität Hamburg): Wie lassen sich KI-Tools für kleine nordeurasische Sprachen einsetzen? (LT)

  • Anja Lobenstein-Reichmann, Lena Vosding, Jan Christian Schaffert (AdW Göttingen): EdiKILex. Edition, Künstliche Intelligenz und Lexikographie als Schlüssel zu vormodernen Textwelten (LT)

  • Frank Wiegand (BBAW, DWDS): Offline für alle: Die DWDS-App (LT)

17:00–17:20 | Kaffeepause

17:20–18:50 | Session 3: Digitalisierung & Quellenerschließung (Moderation: Dieta Svoboda-Baas)

  • Petra Heinicker, Frederik Skidzun (BBAW; AdW Mainz): „Wenn Quellen flüstern. Zugänge zu beschädigten Quellen mittels Automated Text Recognition (ATR)“ (V)

  • Moritz Eßer, Börger Kiss, Claes Neuefeind, Marcel Schaeben, Prianka Schmidt (Universität zu Köln; NRW Akademie): Digitalisierung zugänglich machen: Der Bildgebungs-Workflow für die hellenistischen Papyri der Bancroft Library (LT)

  • Theresa Baumann, Maximilian Kristen (LMU München): Offen ist nicht gleich zugänglich. Das Corpus der barocken Deckenmalerei zwischen Retrodigitalisierung, Wissensvernetzung und KI (LT)

  • Ute Tischer (SAW Leipzig): Digital anschlussfähig werden: Datenöffnung bei einer Printedition am Beispiel der Edition der Gottschedkorrespondenz (LT)

  • Kevin Kuck, Kevin Wunsch (ULB Darmstadt): Einblick in die Automatisierungsworkflows in EuReD (LT)

ab 19:00 | Gemeinsames Abendessen (Erdinger, auf eigene Kosten)


Dienstag, 10.11.2026

09:00–10:30 | Session 4: Vernetzung, Knowledge Graphs & Suche (Moderation: Jörg Wettlaufer)

  • Thomas Eckart, Uwe Kretschmer (SAW Leipzig): Offener Zugang trotz Komplexität: LLM-basierte Assistenzsysteme am Beispiel wissenschaftlicher Suchanwendungen (V)

  • Peter Ackermann, Anna Martin (Steinheim-Institut, Universität Duisburg-Essen): Vernetzte Zugänglichkeit: Semantische Interoperabilität im Akademieprojekt „Steinerne Zeugen digital“ (LT)

  • Hans Clausen (Freies Deutsches Hochstift): API, Filter-Interface und KI-Chat: Wie historia.editionhub.org einen Wissensgraphen befragt — Ein Werkstattbericht (LT)

  • Linnaea Söhn, Martin Sievers, Torsten Schrade (AdW Mainz): AGATE meets KI: Einblicke in die experimentelle Öffnung des AGATE Knowledge Graphen mit LODEON (LT)

  • Samuel Schepp, Sebastian Enns, Andreas Kuczera (TH Mittelhessen): Explorative Vernetzung verteilter Wissensquellen mit NAKAR (LT)

10:30–11:00 | Kaffeepause

11:00–12:45 | Session 5: Forschungsdaten, Infrastrukturen & Zusammenarbeit (Moderation: Eckhart Arnold)

  • Piroska Lendvai, Isabelle Mandrin (BAdW): Vom Zettel zur Quelle: Abrufsystem für ein lexikographisches Zettelarchiv mit der Anwendung „Zettel-Ranker“ (V)

  • Hannah Busch (CCeH/Universität zu Köln): Lost in Translation? Über die Herausforderung der interdisziplinären Zusammenarbeit in Akademieprojekten (LT)

  • Luis Sáenz (SAW Leipzig): Wer darf Infrastruktur bauen? KI-gestützte Entwicklung einer föderierten Bibliographie-Synchronisation zwischen zwei Akademievorhaben (LT)

  • Marc Schulder, Thomas Hanke (Universität Hamburg): Anonym Gebärden? Privatsphäre im Hamburger Korpus der Deutschen Gebärdensprache (LT)

  • Martin Prell (SAW Leipzig / Klassik Stiftung Weimar): Robustheitstests historischer Briefnetzwerke dank offener Forschungsdaten aus correspSearch, dem PROPYLÄEN-Projekt und dem Goethe- und Schiller-Archiv (LT)

  • Julian Jarosch (AdW Mainz): Crowdsourcing-Plattformen als Projekt-Inkubatoren vor der Forschungsförderung (LT)

12:45–13:45 | Mittagspause

13:45–14:45 | Keynote: Gitta Kutyniok (Professorin für Mathematische Grundlagen der Künstlichen Intelligenz an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Akademiemitglied): tba (Moderation: Alexander Czmiel)

14:45–15:00 | Verabschiedung

 


Ankündigung und Call for Papers

Der Jahresworkshop der AG eHumanities der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften steht 2026 unter dem Titel „Offen für alle? Zugang gestalten in den Digital Humanities“. Mögliche Perspektiven umfassen soziale, technische, rechtliche und kulturelle Dimensionen von Zugänglichkeit: von Wissenschaftskommunikation, Open Access, Barrierefreiheit und Mehrsprachigkeit über Fragen der digitalen Teilhabe, Sichtbarkeit und Nachnutzbarkeit bis hin zur Gestaltung von Schnittstellen, Standards und Infrastrukturen, die den Zugang zu geisteswissenschaftlichem Wissen für Menschen ebenso wie für Maschinen ermöglichen.

Ein Schwerpunkt liegt auf Künstlicher Intelligenz und ihrer ambivalenten Rolle für die Zugänglichkeit digitaler geisteswissenschaftlicher Ressourcen: Verfahren der Text- und Handschriftenerkennung machen historische Quellen zugänglich und durchsuchbar, automatische Übersetzungen erleichtern den Umgang mit mehrsprachigen Inhalten, und KI-gestützte Bildbeschreibungen unterstützen inklusive Nutzungsszenarien. KI-Technologien können aber auch neue Barrieren schaffen, etwa durch ungleiche Sprachabdeckung, kostenpflichtige Dienste, technische Zugangsvoraussetzungen oder intransparente algorithmische Entscheidungsprozesse. Gleichzeitig gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Wissen künftig digital erschlossen, vermittelt und rezipiert wird und welche Rolle Large Language Models dabei als neue Schnittstellen zu Wissen und kulturellem Erbe spielen. Dies gilt insbesondere für KI-Agenten als neue Nutzungsgruppe, für die der Zugang zu digitalen Angeboten eigens zu denken und zu gestalten ist. 

Das Thema der diesjährigen Veranstaltung soll dazu anregen, darüber nachzudenken, wie Zugänglichkeit in den digitalen Geisteswissenschaften verstanden, gestaltet und nachhaltig gewährleistet werden kann und welche Herausforderungen dabei bestehen.

Wir begrüßen Einreichungen insbesondere zu folgenden Themen: 

  • Open Access, Open Science und offene Forschungsdaten
  • Wissenschaftskommunikation und Public Humanities
  • Community Building, Citizen Science und partizipative Ansätze
  • Digitale Inklusion und Teilhabe unterschiedlicher Nutzer:innengruppen (z. B. in globalen und nicht-westlichen Forschungskontexten)
  • User Interfaces und User Experience Design
  • Barrierefreiheit digitaler Ressourcen und Anwendungen
  • Multilingualität und mehrsprachige Wissensvermittlung
  • Evaluation und Messung von Zugänglichkeit in digitalen Projekten
  • KI-gestützte Lösungen zur Verbesserung der Zugänglichkeit (z. B. Bildbeschreibungen, Transkriptionen)
  • Large Language Models und generative KI als Schnittstellen zu Wissen
  • Maschinenlesbarkeit geisteswissenschaftlicher Daten
  • Bias, Diskriminierung und Ausschlüsse durch algorithmische Systeme
  • APIs, Linked Open Data und semantische Interoperabilität
  • Nachhaltigkeit als Grundlage langfristiger Zugänglichkeit

 

Einreichung und Fristen

Wir freuen uns über Beiträge aus Forschung und Praxis. Eingereicht werden können sowohl Vorträge als auch Lightning Talks.

Vorträge (20 Min. + 10 Min. Diskussion) bieten Raum für die vertiefte Darstellung von methodischen Ansätzen, theoretischen Überlegungen oder Forschungsprojekten. Das Abstrakt sollte 1000-1500 Wörter (plus Bibliografie) umfassen und über eine reine Projektvorstellung hinausgehen.

Lightning Talks (10 Min. + 5 Min. Diskussion) eignen sich insbesondere für die Vorstellung von Werkstattberichten, Projekten und Tools, aber auch für Diskussionsimpulse, die zu dem Nachdenken und Diskutieren anregen sollen. Das Abstrakt sollte 500-800 Wörter (plus Bibliografie) umfassen.

Bitte verwenden Sie für die Einreichung das Markdown-Template . 

Die Einreichungsfrist endet am 28. August 2026 MESZ. 

Informationen über die Annahme erfolgen im Laufe des Septembers. Das Programm wird Ende September/Anfang Oktober veröffentlicht. Bitte senden Sie ihr Abstrakt an ag-workshop2026@bbaw.de

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