Heather Dewey-Hagborg & Chelsea E. Manning: Probably Chelsea, 2017. Genetic materials, custom software, 3d prints.
30 possible portraits generated algorithmically from Chelsea's DNA. Each portrait: 8 x 6 x 6 in., 20 x 20 x 15 cm. Overall dimensions variable. Photo by Paula Abreu Pita. Courtesy of the artists and Fridman Gallery, New York.

Menschliche Autonomie prägt unser Selbstverständnis nicht erst seit der Aufklärung. Es ist tief in die moralische Praxis der Verantwortungszuschreibung und der juridischen Praxis der Schuldfähigkeit eingelassen. Diese Vorstellungen geraten angesichts der digitalen Transformationen unter Druck. So wird zunehmend von nicht-menschlichen Formen von Agency gesprochen, von „digital agents“, „Mensch-Maschinen-Interaktionen“, „artificial general intelligence (AGI)“, empathischer und vertrauenswürdiger KI, aber auch von der Dystopie einer globalen Machtübernahme der KI. Wie ist diese Vermenschlichung der Digitaltechnik zu beurteilen? Handelt es sich um einen irregeleiteten KI-Animismus oder um eine tatsächliche Gefährdung menschlicher Autonomie?

Während Maschinen vermeintlich die Fähigkeiten des Erkennens und Nachdenkens eingebaut werden, setzen sich mechanistische Deutungsangebote eben jener menschlichen Fähigkeiten durch. Dies ruft die Debatte um das Verhältnis von menschlicher Freiheit und kausaler Erklärung erneut auf den Plan, die in der Philosophie seit der Antike geführt wird. Angesichts dessen erörtert die IAG das Verhältnis von Autonomie und Kausalität unter den Bedingungen der digitalen Transformation. 

Ziel der Interdisziplinären Arbeitsgruppe ist eine philosophische und wissenschaftliche Klärung in Gestalt eines interdisziplinären Brückenschlags zwischen Geistes-, Natur- und Computerwissenschaften.

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