AUSSTELLUNG | Axel Malik: Face to Trace

Ausstellung

17. Januar 2026

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin

Was ist die Faszination eines Zeichens, wenn es keine konkrete Bedeutung hat, die man entziffern oder lesen kann? Ist es nicht ein Widerspruch unlesbare Zeichen ausgerechnet an einem Ort zu zeigen, der von der Kraft verständlicher Diskurse und wissenschaftlicher Auseinandersetzung geprägt ist?

Das ist eine wichtige Frage und es berührt eine Fragestellung, die mich selbst immer noch antreibt. Sie deutet auf eine Grenzzone hin, die die Zeichen markieren. Unlesbarkeit ist, wenn man sie auf Lesbarkeit hin verpflichtet, eine Art Mangelerscheinung, der es an Lesbarem fehlt. Krickelkrakel ist unleserlich, undeutlich und vage. Mit wirren Schlieren und orientierungslosen Schlingen lässt sich keine Differenz erzeugen und anzeigen. Dem schriftlichen Kritzeln mangelt es an Gehalt. Im Gegensatz dazu deuten die Zeichen der skripturalen Methode an, dass es Zeichen-Texte gibt, die nicht unleserlich sind, da sie präzise und genau differenzierteste Strukturen formatieren. Ihre Unlesbarkeit ist nicht abwesend sondern anwesend, ist kein Mangel, sondern ein Quellpunkt und Potential für ihre strukturelle Artikulation. Und damit begebe ich mich in einen Bereich zwischen Wissenschaft und Kunst, eine Reibungszone, die vielfältige Fragen aufwirft. Was ist Schreiben und wie weit reicht die Schrift? Woran erkennen wir Schrift und ihre Zeichen? Was ist der Horizont von Zeichen, ihr Potential und ihre Grenze und wie gelangen wir eventuell über diese Grenze hinaus?

Axel Malik


Seit 1989 schreibt Axel Malik täglich, zunächst in Tagebüchern, dann auch auf Leinwände. Unzählige komplexe, zeichenartigen Schreibspuren, erfasst in mehr als 140 Bänden mit insgesamt über 30.000 Seiten, sowie auf großformatigen Leinwänden, dokumentieren ein Projekt, das Malik selber als skripturale Methode bezeichnet. 

Lesbar ist das nicht, jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn. Seine Schriftzeichen und Schreibspuren haben keinerlei Bezugspunkt, sind nicht Symbol, beruhen auf keinem Code, haben keinen Verweis oder Hinweischarakter. Merkwürdig und auffällig: Keines der Zeichen kommt zweimal vor, jedes ist eine individuelle, unverwechselbare und einzigartige Setzung. In der Summe formatieren sie einen unlesbaren Text, der semantisch leer ist und gleichzeitig eine differenzierte strukturelle Sprache erzeugt. Die Spannbreite reicht dabei von konzentrierten Gesten im Winzigen und Feinen bis hin zu größeren, ausdrucksstarken Einschreibungen, die mit großer Geschwindigkeit geschrieben werden.

Im Rahmen des Salon Sophie Charlotte 2026 „Konflikte lösen!“ hat der Künstler Axel Malik mit einer 1:1 Schreibperformance, und einem Gespräch mit Akademiemitglied Aleida Assmann teilgenommen. Aus diesem künstlerischen Impuls ist seine Ausstellung „Face to Trace“ hervorgegangen, die in der Akademie bis Sommer 2026 gezeigt wird.

Mehr Informationen unter: https://axel-malik.de 


Informationen zum Ausstellungsbesuch

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 – 18 Uhr (außer an Feiertagen)

Eintritt frei. Zugang zur Ausstellung über Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin. Bitte melden Sie sich an der Pforte. 

Die Ausstellung ist in ausgewählten Fluren, in der Rotunde und im Treppenhaus im 1., 2. und 3. OG zu sehen.