Auch in der Geschichte der Aneignung von Wissen über die Antike wird das einmal schriftlich oder bildlich Erfasste regelmäßig zum Ausgangspunkt für Vervielfältigung. Die am Anfang der Überlieferungskette zusammengetragenen Informationen werden fortan kopiert und verbreitet, solange ein Bedarf daran besteht, wobei die Kopien meist wiederum selbst durch Replikation zu Multiplikatoren werden.
Kopien fungieren dabei keineswegs nur als bloße Duplikate in einem nachgeordneten hierarchischen Verhältnis zum ‚Original‘. In meist nur fragmentarisch erhaltenen Tradierungsketten und häufig in Abwesenheit des verlorenen ‚Originals‘, sind Kopien vielmehr ein Überlieferungsstandard und bieten somit entscheidende Einblicke in historische Prozesse, veranschaulichen methodische Strategien und fördern epistemische Erkenntnis, indem sie die kontinuierliche Auseinandersetzung mit antiken Vorbildern sichtbar machen.
Das fünfte Kolloquium der Reihe „Bildwerdung der Antike. Zur Episteme von Zeichnungen und Druckgrafiken der Frühen Neuzeit“ richtet den Fokus auf vielfältige Kopiervorgänge in der Grafik und untersucht die Rolle von Kopien als energieträchtige Wissensressourcen im Kontext der Bewahrung, Weitergabe und kreativen Transformation von Vorstellungen über die Antike.
Eine Veranstaltung des Akademienvorhabens Antiquitatum Thesaurus.
Die Veranstaltung wird hybrid durchgeführt.