Individualisierte Medizin: Hat die Zukunft schon begonnen?

Öffentliche Abendveranstaltung

05. September 2011

Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Leibniz-Saal, Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin

Menschen unterscheiden sich nicht nur äußerlich, sondern auch hinsichtlich ihrer physiologischen Eigenschaften. In Kürze wird der preiswerte Nachweis praktisch aller Unterschiede in der DNA eines Menschen möglich sein. Die Herausforderung für die Wissenschaft liegt darin, Sequenzveränderungen in der DNA mit Krankheitswert von den vielen unbedeutenden Varianten zu unterscheiden. Welche Chancen, welche Risiken liegen in der Individualisierten Medizin? Karl Sperling und Hans-Hilger Ropers diskutieren im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2011 - Forschung für unsere Gesundheit.

Individualisierte Medizin: Hat die Zukunft schon begonnen?
Individualisierte Medizin: Hat die Zukunft schon begonnen?

Es gibt keine Krankheiten – nur kranke Menschen, so könnte man das Credo der individualisierten Medizin umschreiben. Wie sich die Menschen äußerlich unterscheiden, sind sie auch hinsichtlich ihrer physiologischen Eigenschaften verschieden. Dieses Konzept der biochemischen, genetischen Individualität begreift Krankheit nicht einfach als Gegensatz zu Gesundheit, sondern als Störung eines sich selbst regulierenden Netzwerkes. Dieses Netzwerk ist das Ergebnis eines langen evolutionären Prozesses und ist im Erbgut, der DNA, fixiert.

 

In Kürze wird der preiswerte Nachweis praktisch aller Unterschiede in der DNA-Sequenz eines Menschen möglich sein. Die entscheidende wissenschaftliche Herausforderung besteht darin, die Sequenzveränderungen in der DNA mit Krankheitswert von den vielen funktionell unbedeutenden Varianten zu unterscheiden. Schon heute ist der diagnostische Fortschritt bei den durch ein einzelnes Gen bedingten Krankheiten außerordentlich. Dies gilt auch für Mutationen in der DNA, die z. B. Tumoren zugrunde liegen und erhebliche therapeutische Implikationen haben können. Allerdings betrifft die Veränderung eines Gens nur eine Komponente des Netzwerkes, dessen Eigenschaft es gerade ist, nachteilige Auswirkungen zu kompensieren. Daher wird auch der weitere wissenschaftliche Fortschritt an der eingeschränkten Präzision der Vorhersage von potentiellen Krankheiten bei Gesunden nichts grundsätzlich ändern.


Bei der Umsetzung des neuen Wissens in die Praxis kommt es entscheidend auf die Rahmenbedingungen an. Eine fehlerhafte Befunderhebung, -interpretation oder -bewertung kann im Bereich der genetischen Diagnostik genauso schwerwiegende Probleme bereiten wie eine falsche Therapie. Andererseits kann ein eindeutiger klinisch-genetischer Befund den Betroffenen oftmals eine große Anzahl weiterer diagnostischer Maßnahmen ersparen und als Grundlage eines rationalen Therapieansatzes dienen. Die beiden Referenten führen mit ihren Vorträgen in die Thematik ein. Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion statt, die auch für das Publikum geöffnet wird.


PROGRAMM

 

Einführung

Günter Stock
Akademiepräsident

Weshalb beziehungsweise warum werden wir krank?
Biologische Grundlagen individualisierter Medizin
Karl Sperling
Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Genetik und Humangenetik,
Akademiemitglied


Revolution oder Mogelpackung?

Vom Nutzen der Genomsequenzierung für die Krankenversorgung
Hans-Hilger Ropers
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Akademiemitglied

Podiumsdiskussion mit den Referenten
Moderation: Günter Stock

 

Der Gesprächsabend findet im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2011 – Forschung für unsere Gesundheit statt. Das Wissenschaftsjahr 2011 – Forschung für unsere Gesundheit eröffnet eine gesellschaftliche und interdisziplinäre Debatte über die Ziele, Herausforderungen und Aktionsfelder heutiger Gesundheitsforschung – immer mit dem Fokus darauf, wie sich Gesundheitsforschung auf den Alltag der Menschen auswirkt. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Seit 2000 dienen sie als Plattform für den Austausch zwischen Öffentlichkeit
und Wissenschaft entlang ausgewählter Themen und haben dabei vor allem junge Menschen im Blick. Der Erfolg der Wissenschaftsjahre basiert auf der Beteiligung zahlreicher Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur in ganz Deutschland.
 

www.forschung-fuer-unsere-gesundheit.de 

 

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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