Ausgehend von dieser Figur diskutiert die Veranstaltung Markus Messlings neues Buch Kulturtod und Reparation. Champollion, gefeiert für die Entzifferung der Hieroglyphen und für eine neue Geschichte der Menschheit, begegnete zwischen 1827 und 1829 in Paris Angehörigen der Osage-Nation und erlebte während seines Aufenthalts in Ägypten koloniale Gesellschaftszerstörung. Diese Erfahrungen standen in enger Beziehung zu jenem europäischen Weltwissen, dem er selbst Aufstieg und Ruhm verdankte. Champollions Zweifel und sein Handeln bilden für Messling den Ausgangspunkt, um nach den gesellschaftlichen Grundlagen der europäischen Gegenwart zu fragen.
Die Lesung und Diskussion bringt Perspektiven aus Literatur- und Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte und der Europäischen Ethnologie zusammen. Im Zentrum stehen Fragen nach den Verflechtungen von Wissensgeschichte und kolonialer Gewalt, nach Formen des Kulturtods sowie nach Reparation als einer kulturellen und gesellschaftlichen Praxis der Gegenwart.
Die Veranstaltung ist organisiert von der Berlin-Brandenburgischen Landesstelle für Alltagskultur in Kooperation mit dem Labor des Centre for Anthropological Research on Museums, Archives, and Heritage (CARMAH) und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Andreas Rötzer, Gründer und Verleger von Matthes & Seitz Berlin, wird ein Grußwort sprechen.
Es diskutieren:
Andrea Allerkamp ist Professorin für Westeuropäische Literaturen an der Europa-Universität Viadrina FFO. Sie forscht zur kritischen Geschichte der Ästhetik, zu Recht und Literatur sowie zur Traumkritik und war Fellow am Käte Hamburger Kolleg für kulturelle Praktiken der Reparation an der Universität des Saarlandes.
Markus Messling ist Professor für Romanische und Allgemeine Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität des Saarlandes und Direktor des Käte Hamburger Kollegs für kulturelle Praktiken der Reparation (CURE). Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Academia Europaea.
Franziska Solte vertritt die Professur für Kunst und neue Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Direktion am Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris und forscht zu den (Un-)Sichtbarkeiten des transatlantischen Sklavenhandels in der französischen Kunst sowie in der Gegenwartskunst.
Jonas Tinius ist Leiter der Berlin-Brandenburgischen Landesstelle für Alltagskultur und Koordinator der Archive und Sammlungen am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschung richtet sich auf öffentliche Kultur und kulturelle Produktion, insbesondere auf Theater, Museen, zeitgenössische Kunst, Archive und kuratorische Praxis.
Kulturtod und Reparation erschien 2026 bei Matthes & Seitz Berlin als erster Band der Essayreihe Reparationen in der Reihe Fröhliche Wissenschaft (Band 267).