Leben steht für die Biologie, Mensch und Gesundheit und für eine holistische Sicht auf den Beginn des Lebens auf der Erde vor 3,8 Milliarden Jahren und für die Evolution der Mikroorganismen, Pflanzen, Tiere und Menschen sowie für die Medizin und das ganzheitliche Verständnis von Gesundheit. Es steht ebenso für unsere Grenzen, die Grundelemente des Lebens zu definieren.
„Licht und Leben“ steht für die Überzeugung, dass Licht und Leben ein hohes Maß an offenen und inspirierenden Besonderheiten und Gemeinsamkeiten aufweisen: Licht und Leben entziehen sich bisher einem rein naturwissenschaftlichen Verständnis. Licht und Leben weisen auf unseren physischen und physikalischen Ursprung hin: die Entstehung unserer Welt, von der konzentrierten Energie des Urknalls zur Materie unseres Kosmos. Licht und
Leben stehen auch für die Evolution des Lebens auf der Erde und konkret für die Entstehung der ersten Makromoleküle bis zum Erscheinen des Lebendigen in seiner Vielfalt von Mikroorganismen, Tieren, Pflanzen und Menschen.
Eine gemeinsame Betrachtung von Licht und Leben geht auf einen Vortrag „Licht und Leben“ von Niels Bohr im Jahre 1932 zurück (Die Naturwissenschaften, p. 245 – 250, 21, Heft 13, 31. März 1933). Dieser Vortrag war für den Physiker Max Delbrück Anlass, sich der Biologie zuzuwenden. Delbrück legte 3 Jahre später in Berlin die Grundlagen der modernen molekularen Genetik mit der Erkenntnis, dass jedes Gen als ein Makromolekül (Atomverband) aufzufassen sei: „Über die Natur der Genmutation und der Genstruktur“ (Nachrichten der Gesellschaft für Wissenschaften zu Göttingen, Band 1, Nr. 13, 1935, p 190 ‒ 245). Diese Arbeiten inspirierten Erwin Schrödinger 1944 zu seinem Buch „Was ist Leben? Die lebende Zelle mit den Augen des Physikers betrachtet“ (Piper Verlag, München,1989).
Auch heute gilt, dass Physik und Biologie insbesondere mit Bezug auf die Gesundheit des Menschen methodisch, inhaltlich und strukturell in einem interdisziplinären Dialog voneinander lernen können. Gleichwohl stößt Wissenschaft immer wieder an die Grenzen ihrer Erkenntnismöglichkeit. Während die Quantenphysik das Verständnis unserer Welt bezüglich Struktur und Verhalten von Materie revolutioniert hat, ist unser Wissen über die Bedeutung des Lichts für die Entstehung des Lebens auf unserem Planeten nach wie vor unvollständig. In der Veranstaltung soll daher das Wechselspiel zwischen Licht und Leben in einem ganzheitlichen Ansatz und kritischer Analyse physikalischer und biologischer Methoden und Ergebnisse adressiert werden. Neue Möglichkeiten der Erforschung des Lebens unter der Bodenoberfläche als Schnittstelle zwischen Licht, Materie, Biologie und Mensch sowie menschlicher Gesundheit eröhnen kreative Wege, um Komplexität zu reduzieren sowie neue Ansätze des Forschens und des Handelns zu diskutieren.
In der Zukunft wird es entscheidend sein, die weitreichenden Welten der Quanten und Moleküle mit der makroskopischen Natur und der Lebenswelt der Menschen zu verbinden. Von der Kreativität der Forschung und der Kunst erhoffen wir Darstellungen und Bilder des Unverstandenen und neue Wege des Verständnisses. Daraus werden sich Orientierungspunkte ergeben, die einen nachhaltigen und menschenfreundlichen Weg für die Zukunft eröffnen. Wirkungen von Licht auf die verschiedenartigen Formen des Lebens unter und über den Böden der Erde können als exemplarische Forschungsgebiete und Bindeglieder zwischen Natur, Wissenschaft, Kunst und Kultur betrachtet werden.
Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Kunst und Natur Nantesbuch.
PROGRAMM
| 13:00 – 13:05 | Begrüßung | Akademiepräsident Christoph Markschies |
| 13:05 – 13:35 | Einführung: „Reduktion von Komplexität“ | Moderation: Georg Seifert (Charité – Universitätsmedizin Berlin) |
| Niels Bohr und Max Delbrück: die Historie von Licht und Leben | Detlev Ganten (Akademiemitglied) | |
| Licht, Natur und Boden | Reinhard Hüttl (Akademiemitglied, Eco-Environment Innovation, Berlin) | |
| Licht und Leben im antiken Christentum | Christoph Markschies | |
| 13:35 – 15:30 | Vorträge & Diskussion: „Licht und Materie - Genetik“ | Moderation: Detlev Ganten |
| Die Physik des Lichtes | Vahid Sandoghdar (Max-Planck-Institute for the Science of Light, Erlangen) | |
| Wie wird Licht zu Materie? | Günther Hasinger (Akademiemitglied, Deutsches Zentrum f. Astrophysik, Görlitz) | |
| „Sun and Biology, a Critical Relation“ – Sonne und Biologie, eine kritische Beziehung | Peter Hegemann (Akademiemitglied, HU Berlin) | |
| Was die Genetik von der Physik gelernt hat? | Nikolaus Rajewsky (Akademiemitglied, Max-Delbrück-Centrum Berlin) | |
| 15:30 – 16:00 | Kaffeepause | |
| 16:00 – 17:45 | Vorträge & Diskussion: „Entstehung des Lebens und seine Bedeutung für Boden und Mensch“ | Moderation: Akademiemitglied Reinhard Hüttl |
| Vom Ursprung des Lebens | Dirk Schulze-Makuch (TU Berlin) | |
| Das Leben im Boden mit und ohne Licht | Michael Schloter (TU München) | |
| Mikrobiom im Boden und im Menschen | Gabriele Berg (ATB Potsdam) | |
| Licht, Kunst, Natur: eine Reflexion | Kathrin Meyer (Museum Sinclair Haus, Bad Homburg) | |
| 17:45 – 18:15 | Abschließende Diskussion: „Licht, Natur und die Gesundheit des Menschen – der Blick nach vorne“ | Moderation: Christoph Markschies & Detlev Ganten Annette Grüters-Kieslich (Akademiemitglied, Charité – Universitätsmedizin, Berlin), Rudolf Meier (Naturkundemuseum Berlin), Eckard Nagel (Medizinische Universität Lausitz, Cottbus) und Maike Sander (Max-Delbrück-Center, Berlin) |