Archive gehören neben Bibliotheken und Museen zu den Institutionen, die eine besondere Funktion bei der Bewahrung des kulturellen Erbes erfüllen. In der kulturwissenschaftlichen Diskussion um das Archiv als „Gedächtnisinstitution" bleibt jedoch oftmals unbeachtet, dass die Bestände vielfach nicht nur archivalische Quellenüberlieferungen umfassen. Eine wissenschaftliche Einrichtung wie die BBAW bewahrt nicht nur „klassisches" Archivgut, also Schriftgut (d. h. geschäftsrelevante Informationen unabhängig vom Informationsträger), sowie Nachlässe auf; in ihren Sammlungen befinden sich neben Fotografien und verschiedenen Audiovisuellen Medien auch kulturhistorisch wertvolle Objekte. Dazu zählen nicht nur wissenschaftshistorische Geräte, sondern auch Kunstwerke.
Der seit der Gründung der Akademie im Jahr 1700 historisch gewachsene Kunstbesitz mit seinen über 2.000 Objekten gliedert sich in die Bestände Malerei, Grafik und Plastik sowie Kunsthandwerk. Im Rahmen des Archivrundgangs wird erstmals die Gelegenheit geboten, einen Einblick in den Kunstbestand zu erhalten, den die ehemalige Kustodie aufgebaut hat. Obwohl die Akademie der Wissenschaften der DDR 1983 eine eigenständige Kustodie zur Betreuung des Kunstbesitzes einrichtete, ist der Bestand, der überwiegend Gegenwartskunst der DDR umfasst, nach der Wendezeit in der Sammlung aufgegangen – und für die Nutzer:innen nun nicht mehr als solcher zu erkennen.
Ausgangspunkt des Gesprächs ist das Vorhaben, diesen Bestand einer kritischen Revision im Sinne eines „verflochtenen kulturellen Erbes" zu unterziehen. Dies beinhaltet einerseits seine zeithistorische Kontextualisierung, auch anhand der zugehörigen archivischen Quellen, und eröffnet andererseits neue Perspektiven auf das Verhältnis von Kunst – bzw. Ästhetik – und Wissenschaft innerhalb der zentralisierten Forschungslandschaft der DDR. Die Rolle der Kunst innerhalb der Akademie der Wissenschaften der DDR (1972–1992) sowie die Geschichte und Funktionsweise des Akademiearchivs bilden dabei zwei zentrale Themenfelder.
Unter Rückgriff auf aktuelle Forschungsansätze der Heritage Studies sollen die vielfältigen Verflechtungen dieses Bestands der BBAW sichtbar gemacht werden: als ein kulturelles Erbe, das innerhalb des Akademiearchivs unterschiedliche politische Systeme, Forschungslandschaften und ästhetische Regime sowie künstlerische, wissenschaftliche und archivische Praktiken miteinander verknüpft.
Konzeption: Sandra Miehlbradt und Friederike Schäfer
Die Tagung Kritik & Kultur/Criticism & Culture widmet sich in drei großen Themenblöcken – Ökologie, Ökonomie und Ästhetik – Fragen nach der Praxis, medialen Formen und theoretischen Konzepten von Kritik und untersucht den Status von Kultur(en) im Spannungsfeld von Tradition und Innovation, Macht und Subversion sowie Globalität und Lokalität. Eine Anmeldung ist erforderlich.
PROGRAMM
Zum kritischen Umgang mit dem kulturellen Erbe: Ansätze der BBAW
Akademiepräsident Christoph Markschies (Einführung)
Aus dem Archiv der BBAW: Eine Bestandsaufnahme am Beispiel der Kunstbestände der Akademie aus der Zeit der DDR
Sandra Miehlbradt (BBAW) & Friederike Schäfer (BBAW)
Podiumsdiskussion mit Sabine Wolf (Stellv. Direktorin des Archivs der Akademie der Künste) und Angelika Weißbach (Wissenschaftl. Mitarbeiterin / Museum Utopie und Alltag / Kunstarchiv Beeskow)
Anmeldung unter: archiv@bbaw.de