Eva und Klaus Grohe-Preis 2015 der Akademie

Den Eva und Klaus Grohe-Preis

der Akademie der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

erhält

 

Professor Dr. Erich Gulbins.

 

Erich Gulbins gilt weltweit als führend auf dem Gebiet der zellulären und biomedizinischen Funktion von Sphingolipiden. Über die exzellente Grundlagenforschung hinaus zeichnen sich seine Forschungsergebnisse zugleich durch einen besonders hohen Impact aus. Ihm gelangen entscheidende grundlagenwissenschaftliche Entdeckungen zur Physiologie und Pathophysiologie von Sphingolipiden, die von breiter biomedizinischer Bedeutung sind. Seine Arbeiten etablieren ein völlig neues Abwehrsystem der Atemwege. Dieses Konzept konnte er tierexperimentell sowie in klinischen Studien nachweisen. Eine DFG-geförderte klinische Phase III-Studie zur Therapie zystischer Fibrose wurde 2014 gestartet.

 

Er konnte erstmalig zeigen, dass Ceramide durch ihre strukturelle Ausrichtung in Membranen für zahlreiche Signaltransduktionsprozesse von herausragender Bedeutung sind. Diese Arbeiten strahlen in viele andere Gebiete wie die molekularen Mechanismen von Zellschädigungen und schließlich Zelltod aus. Das von ihm entdeckte neue Grundprinzip zellulärer Signaltransduktion konnte er erfolgreich auf die Funktion von Sphingolipiden bei bakteriellen Infektionen und zystischen Fibrosen umsetzen. Bereits 1997 gelang es ihm erstmals zu zeigen, dass das Sphingomyelinase/Ceramid-System bei bakteriellen Infektionen eine entscheidende pathophysiologische Rolle spielt. In diesen und nachfolgenden bahnbrechenden Arbeiten wies er nach, dass pathogene Bakterien über die sauren Sphingolipide grundlegende Mechanismen der Wirts-Pathogeninteraktion regulieren. Diese völlig neuen Erkenntnisse wurden mittlerweile von vielen anderen Forschergruppen bestätigt, so beispielsweise bei Masern- und Ebola-Viren. Ausgehend von den infektionsbiologischen Ergebnissen gelang es Gulbins mit seinen Studien nachzuweisen, dass gleichzeitig mit der Akkumulation des infektionsfördernden Ceramid die Konzentration des infektionshemmenden Sphingosin in den Atemwegen von Mäusen und Patienten mit zystischer Fibrose stark gemindert ist, wodurch die chronische Inflammation und Infektion entsteht.

 

Erich Gulbins, Jahrgang 1966, hat in Heidelberg, London und Louisville Medizin studiert, wurde 1992 in Heidelberg promoviert und habilitierte sich nach Forschungsaufenthalten in La Jolla und an der Ohio State University, Columbus, am Physiologischen Institut der Universität Tübingen (1996 Physiologie, 1999 Immunologie). 2001 folgte er dem Ruf an die Universität Duisburg-Essen, wo er noch heute als Direktor des Instituts für Molekularbiologie tätig ist.

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