Speisezettel Neues Palais
Hofpraxis um 1878: Preußenhof oder Reichshof?; Quelle: Sammlung Wolfgang Neugebauer

Im Vorhaben wird die Entwicklung der Monarchie am preußischen Beispiel im 19. Jahrhundert in europäischer und globaler Perspektive untersucht.


Die Monarchie gilt als zentrales europäisches Verfassungsmodell des 19. Jahrhunderts, das in Preußen mit Friedrich II. eine besondere politisch-kulturelle Formung erfuhr und mit seinen Nachfolgern in ein dauerndes und wirkmächtiges Spannungsverhältnis mit dem Konstitutionalismus eintrat. Das Editionsvorhaben orientiert sich statt an der Vorstellung eines säkularen Niedergangs der Monarchie an Thesen zur „Neuerfindung der Monarchie“ im 19. Jahrhundert in europäischer und globaler Perspektive. Es stellt das preußische Beispiel vor, das im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts von einer im europäischen Vergleich auffälligen Dichotomie von nicht nationalem preußischen Staat und seit 1871/1889 auch von Funktionen eines nationalen Hofes gekennzeichnet war. Es geht darum, erstmals ein großes mehrbändiges Editionswerk zu schaffen, das Quellen zur Geschichte der Monarchie der Zeit von 1786 bis 1918 der internationalen und komparatistischen Forschung zur Verfügung stellt. Ein solches Werk existiert für keine der europäischen Monarchien.

 

Anpassungsfähigkeit und Flexibilität der Monarchie des 19. Jahrhunderts im Kontext von Interpretamenten wie Verbürgerlichung, Nationalisierung, Bürokratisierung und Kulturtransfer lassen sich in der räumlichen Perspektive von Hof, Stadt und Region beobachten, aber auch auf den Staat und transnationale Beziehungen beziehen. Unter dem Leitbegriff der politischen Kultur und vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungsstands in verfassungs-, sozial- und geschlechtergeschichtlicher Perspektive wird die repräsentativ-symbolische Sphäre der preußischen Monarchie dabei nicht als Gegenwelt der Politik, sondern als ihr inhärent betrachtet.

 

Das Akademienvorhaben „Anpassungsstrategien der späten mitteleuropäischen Monarchie am preußischen Beispiel 1786 bis 1918“ ist Teil des von Bund und Ländern geförderten Akademienprogramms , das der Erhaltung, Sicherung und Vergegenwärtigung unseres kulturellen Erbes dient. Koordiniert wird das Programm von der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften .

Kontakt
Dr. Bärbel Holtz
Arbeitsstellenleiterin
Anpassungsstrategien der späten mitteleuropäischen Monarchie am preußischen Beispiel 1786-1918
Tel.: +49 (0)30 20370 477
holtz(at)bbaw.de 
Jägerstraße 22/23
10117 Berlin
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